Ragweedinvasion

8. September 2007, 17:00
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Das Kraut ist übel, deshalb muss es im Zaum gehalten werden, meint Ute Woltron

Besonders in Ostösterreich konnte im heurigen warmen Sommer an Straßenrändern und Brachen, aber auch in Hausgärten verstärkt ein bis dato weit gehend unbekanntes Un-Kraut bemerkt werden. Das Gewächs ist zwar mit seinen fein gefiederten Blättern recht nett anzuschauen, es ist dennoch sofort samt Wurzeln auszureißen und zu vernichten.

Es handelt sich dabei um Ambrosia Artemisifolia, auch unter dem Namen Ragweed oder Traubenkraut bekannt. Die Pflanze ist aufgrund ihrer besonders kleinen und zahlreichen Pollen einer der potentesten bekannten Allergieauslöser und verbreitet sich, ursprünglich in Nordamerika beheimatet, seit etwa 15 Jahren in den wärmeren Regionen Europas mit zunehmender Rasanz.

Besonders betroffen ist derzeit Ungarn, wo sich das Kraut bereits auf etwa 80 Prozent der Landesfläche eingenistet hat und wo sich laut dem Nationalen Institut für Umweltmedizin die Zahl der Allergiker mit Heuschnupfen in den vergangenen zehn Jahren verfünffacht, die Zahl der Asthmatiker verdreifacht hat. Unter anderem führt man das auf die Ragweed-Verseuchung der Landschaft zurück.

Anti-Ragweed-Erlässe

Das Traubenkraut wächst sich unter guten Bedingungen zu einer 150 Zentimeter hohen, unscheinbar gelb blühenden Staude aus. Die Blüten entwickeln sich im Hochsommer in Dolden, ab September werden die Pollen - immerhin bis zu einer Milliarde pro Pflanze - vom Wind verbreitet.

Die Niederösterreichische Landesregierung hat bereits vor wenigen Jahren beschlossen, das Kraut aktiv zu bekämpfen, sie befindet sich damit in guter internationaler Gesellschaft. Anti-Ragweed-Erlässe gibt es unter anderem bereits in Frankreich und Italien. In Kanada sind Briefträger dazu aufgefordert, in Privatgärten nach blühenden Ambrosia-Pflanzen Ausschau zu halten und im Falle des Falles Strafgebühren einzuheben. In der französischen Region Rhône-Alpes kann der Bürgermeister Grundeigentümern, die ihre Ragweed-Bestände nicht gerodet haben, kurzerhand Reinigungstrupps samt nachfolgender Rechnung vorbeischicken.

Die Vernichtung sollte, wie erwähnt, bis in die Wurzeln erfolgen. Abmähen zeigt nur bei akkurat-regelmäßiger Anwendung Erfolg, da die Pflanze sofort wieder austreibt und in gestutztem Zustand alsbald Notblüten treibt.

Die Niederösterreichischen Straßenmeistereien sind jedenfalls dazu angehalten, die Straßenränder nach den Pflanzen zu sondieren und befallene Flächen wiederholten radikalen Mähkuren zu unterziehen. Man experimentiert auch mit Konkurrenzsaaten wie Weißklee. Idealerweise hilft aber jeder mit, der Traubenkraut sichtet und vernichtet. (Ute Woltron/Der Standard/rondo/07/09/2007)

  • Unter guten Bedingungen wächst das Traubenkraut bis zu 150 Zentimeter.
    foto: ages

    Unter guten Bedingungen wächst das Traubenkraut bis zu 150 Zentimeter.

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