Parkschein-Pflanzerei

22. April 2008, 20:00
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Bei der Umtauschaktion nach der Gebührenerhöhung sind die Wiener Linien geradezu grandios gescheitert

Wien – Wer dieser Tage seine alten Parkscheine in neue umtauschen will, braucht erstens viel Tagesfreizeit – und zweitens gute Nerven. Denn bei der logistischen Vorbereitung für die große Umtauschaktion nach der Gebührenerhöhung sind die Wiener Linien geradezu grandios gescheitert.

Pro Person nur maximal 30 Parkscheine

Monatsbeginn – genau die Zeit, in der die Vorverkaufsstellen der Wiener Linien erfahrungsgemäß von Wochen- und Monatskartenkäufern belagert werden. Und diese Woche kamen auch noch all jene dazu, die neue Parkscheine kaufen oder ihre alten umtauschen wollten. Erster Versuch bei einem Vorverkaufsschalter in einer U-Bahn-Station. Hier geht die Transaktion noch relativ flott vonstatten – aber nicht hundertprozentig erfolgreich. Denn auf einem Schild lesen die Umtausch-willigen, dass pro Person nur maximal 30 Parkscheine angenommen werden. Wer mehr auf einmal tauschen und aufzahlen will/muss – kann ins Rathaus pilgern.

Infoschalter – nur mit Vorverkauf

Also wird versucht, die zweite Tranche in einer anderen U-Bahn-Station, unterm Stephansplatz, zu wechseln. Womit man zunächst scheitert: Denn war in der ersten U-Bahn-Station die Vorverkaufsstelle gleichzeitig der Vorverkaufsschalter – so erfährt man hier, dass dies nur der Infoschalter sei. Da kann man zwar Fahrscheine im Vorverkauf erstehen – nicht aber die Parkscheine. Die gibt es nur am Vorverkaufsschalter.

Dort erstreckt sich schon die Schlange fast bis zum Lift gegenüber und wird immer wieder von Fahrgästen durchstoßen, die von der Rolltreppe zum Fahrscheinautomat natürlich die Wartenden durchqueren müssen. Nur einer der beiden Schalter ist geöffnet und die Frau hinterm Glas ist längere Zeit in eine eher heftige Diskussion mit einer jungen Mutter verwickelt. Letztere ist offenbar nicht wirklich erfolgreich, denn sie zieht schließlich mit einem grimmig hervorgestoßenen "Oasch" davon.

Keine Personalverstärkung

Nach längerer Zeit wird die Hoffnung erweckt, dass es sich bei den Wiener Linien doch um eine lernende Organisation handelt – aber nur ganz kurz. Der zweite Schalter wird geöffnet! Doch wenige Momente später wird im Gegenzug der erste Schalter dicht gemacht. Einer Wartenden, die sich beschwert, wird erklärt, dass die Kollegin jetzt auf Mittagspause sei. Was ja auch ihr gutes Recht ist. Aber auf die Idee, dass man an solchen Tagen das Personal verstärken könnte, ist man bei den Wiener Linien offenbar nicht gekommen – noch dazu, da ja viele Kunden gerade ihre Mittagspause nützen, um "schnell" die Parkscheine umzutauschen.

Ansturm war gewaltig

Nach gestoppten 25 Minuten ist der Schalter endlich erreicht. Man ist beim Umtausch übrigens nicht auf die Wiener Linien angewiesen: Mit den alten Parkscheinen kann man auch zu den Bezirksämtern sowie zu ARBÖ und ÖAMTC pilgern. Zum Vergleich: "Allein in der Zentrale am Schubertring haben wir derzeit vier Mitarbeiter, die nichts anderes machen als Parkscheine umtauschen", berichtet ÖAMTC-Sprecher Harald Lasser. "Manche davon träumen schon von den Scheinen." Denn der Ansturm war gewaltig: Seit Beginn der Umtauschaktion am 20. August wurden bei diesem Autofahrerclub 400.000 alte Parkzettel umgetauscht – allein diesen Dienstag waren es 59.000.

Gefälschte Parkscheine

Beim ÖAMTC sind allerdings auch schon erste gefälschte Parkscheine aufgetaucht, wie Lasser berichtet. "Auf den echten Scheinen gibt es Sicherheitsmerkmale – aber die werden nicht bekannt gegeben." (Roman David-Freihsl/DER STANDARD Printausgabe 6.9.2007)

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    Die Kulanzfrist für die alten Scheine bzw. das Übersehen der neuen Kurzparkzeiten gilt zwei Wochen lang. Zuletzt kolportierte Aussagen von Verkehrsstadtrat Rudolf Schicker über eine einmonatige Übergangsfrist seien nicht mehr aktuell, erklärte eine Sprecherin.

  • Station Stephansplatz: Nur ein Schalter ist geöffnet. Die Warteschlange wird schnell zur Barriere für die anderen Passanten.
    foto: standard/ matthias cremer

    Station Stephansplatz: Nur ein Schalter ist geöffnet. Die Warteschlange wird schnell zur Barriere für die anderen Passanten.

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