Raucherklo

4. Juli 2007, 18:00
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B. raucht gern und viel – aber er wäre gern bereit, dafür vor die Tür zu gehen. Wenn es die anderen auch tun

Es war gestern. Da hat B. dann gefragt, ob das bei uns mittlerweile auch so sei. Und ob ich mich deshalb auch an meine Schulzeit zurückerinnert fühle. Denn in seiner Firma, erzählt B., hätten sich mittlerweile die meisten Kollegen angewöhnt, vom Raucherkammerl zu reden. Obwohl sie das Klo meinen.

Dabei hatten wir gar nicht über den Job reden wollen, sondern über B.s letzten Urlaub gesprochen: B., seine Frau und wir saßen in einem netten, größeren Lokal. Und während B. referierte, heizten drei von vier Menschen am Tisch zwischen den Gängen eine nach der anderen. So wie an fast allen Tischen.

Lüftungstür

Als sozialverträglicher Minderheitsnichtraucher hatte ich beim Reservieren ohnehin gesagt, dass unser Tisch ruhig in der Raucherzone stehen könne. Aber die freundliche Reservierungsstimme hatte mich höflich darauf hingewiesen, dass es gar keinen Nichtraucherbereich gebe. Und wenn ein Nichtrauchertisch verlangt werde? Nun, sagte die Restaurantdame, dann kriegen sie einen neben der Tür – wegen der Lüftung. Das Lokal sei groß genug, dass getrennte Bereiche vorgeschrieben wären – aber solange es keine Sanktionen gebe, werde man sich nicht unflexibler machen, als unbedingt nötig.

B. erzählte von seinem Golfurlaub in Schottland. Dass die Schotten – im Gegensatz zu den Engländern – auch großartig kochen könnten, die Lokale super wären und man dort ständig neue, nette Menschen kennen lerne. Und zwar – B. gab seiner Frau Feuer – weil das Rauchen dort in den Lokalen ganz strikt verboten sei. Mit Strafen. Und sogar er – er gab A. Feuer – habe den Nicht-Rauch-Geruch in Pubs, Gasthäusern und Kneipen als Befreiung empfunden: Wenn man mehr riecht, schmeckt man auch mehr.

Zusammenführen

Und draußen, vor der Tür habe der Regen, die Kälte, der Wind, die Sonne oder die vorbeilaufenden Mädchen oder Jungs dann die Raucher zueinander finden lassen. Super, sagte B. und dämpfte den Tschick aus, sei das gewesen – und auch wenn er am Tag 40 Zigaretten rauche, wäre er sicher, dass den Wirten kein einziger Gast verloren ginge, wenn Österreich den Schutz von Nichtrauchern endlich ernst nähme. B.s Frau lachte mich an und setzte fort: Sie glaube ja, dass dann Leute wie ich, die mitunter längst lieber zu Hause blieben, als sich eindampfen zu lassen, dann wieder lieber ausgehen würden.

Aber das, meinte B., werde wohl noch dauern. Schließlich würde – so habe er es zumindest in "Österreich" gelesen – ja etwa in der Bahn als Held gefeiert, wer sich über das Rauchverbot hinwegsetze. Was ihn an der Geschichte am meisten erstaunt habe: Er kenne die Kollegin, die die kecke "jetzt erst recht"-Reportage geschrieben hat. Seines Wissens nach sei die Frau, die da für ihre Courage von den Mitreisenden gefeiert wurde, Nichtraucherin. Aber zum Wohle der Firma und zur Aufrüttelung der Nation würde doch wohl jeder für fünf Zigaretten zum Kettenraucher werden, oder?

Schließlich, meinte B., wären wir – die Nichtraucher – ja ohnehin ganz gut trainiert. Und würden immer besser – gerade weil es in den Unternehmen immer mehr rauchfreie Zonen gebe: Bei ihm jedenfalls sei das ganze Haus mittlerweile rauchfrei – und das führe zu Zuständen wie einst in der Schule: Geraucht würde vor dem Haus, im Hof – und am Klo. Und dort, in den kleinen Kammerln bekämen dann auch die Nichtraucher ihre Dosis Gift und Gestank ab. Und zwar hochkonzentriert. (Thomas Rottenberg, derStandard.at, 6.9.2007)

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