Elf Festnahmen in einer Woche - mit Grafik

8. September 2007, 15:39
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Seit September 2001 europaweit hunderte Terrorverdächtige mit islamistischem Hintergrund festgenommen

Einen Tag vor dem Prozessbeginn gegen vier Terrorverdächtige in Kopenhagen am Mittwoch gingen die dänischen Behörden mit einer Erfolgsnachricht an die Öffentlichkeit, die nicht nur die dänische Bevölkerung aufschrecken ließ: Ein Terroranschlag aus dem Umfeld des Terrornetzwerks Al-Kaida sei verhindert worden, acht Festnahmen. Am Mittwoch dann die Nachricht aus Deutschland: Ebenfalls ein vereitelter Terroranschlag, drei Personen inhaftiert. Das macht elf Festnahmen allein in dieser Woche, auch wenn sechs der Verdächtigen aus Dänemark inzwischen wieder auf freiem Fuß sind. Die zwei, die noch in Untersuchungshaft bleiben, sollen direkte Kontakte zur Al-Kaida-Führung gestanden haben.

Seit den Terroranschlägen auf das World Trade Center in New York im September 2001 sind europaweit hunderte Terrorverdächtige mit islamistischem Hintergrund festgenommen, angeklagt, verurteilt worden. Allein in Großbritannien waren es bis März dieses Jahres 1228 Verhaftungen. 224 wurden verurteilt, 114 warten noch auf ihren Prozess.

Prozess wegen London-Anschlägen

Im Mai fielen die Urteile gegen fünf britische Muslime, die unter anderem Anschläge auf einen Nachtclub in London und ein Einkaufszentrum in Kent geplant haben sollen: Lebenslang. Insgesamt 136 Jahre gab es im Juni für sieben Al-Kaida-Mitglieder, wegen der Planung von Anschlägen in Großbritannien und den USA mit „schmutzigen“, radioaktiven Bomben.

Ein Prozess gegen drei Männer wegen der Terroranschläge in London läuft noch. Der Vorwurf: Verschwörung mit den Selbstmordattentätern, die am 7. Juli 2005 sich und 52 Menschen in U-Bahnen und einem Bus in die Luft sprengten. Für die fehlgeschlagenen Anschläge in London zwei Wochen nach den verheerenden Selbstmordattacken wurden vier Verantwortliche im Juli dieses Jahres zu mindestens 40 Jahren verurteilt. Der Prozess gegen zwei Verdächtige wird neu aufgerollt.

40.000 Jahre Gefängnis gefordert

Abgeschlossen ist der Terrorprozess um die Anschläge auf Nahverkehrszüge in Madrid, das Urteil steht allerdings noch aus. Die 28 Angeklagten haben sich unschuldig erklärt – die Staatsanwaltschaft forderte für die acht Hauptangeklagten jeweils fast 40.000 Jahre Haft, auf Grundlage der Höchststrafe für jeden der 191 Toten und über 1.800 Verletzten. Zwei der Angeklagten befinden sich seit Anfang September im Hungerstreik – sie wollten ein Zeichen gegen die „falschen Anschuldigungen“ setzen, hieß es. Das Urteil wird Mitte Oktober erwartet.

In Deutschland muss sich einer der zwei mutmaßlichen „Kofferbomber“, der Libanese Youssef al-Haijib, wegen versuchten vielfachen Mordes vor Gericht verantworten. Er hatte zusammen mit Jihad Hamad Anschläge mit Kofferbomben auf zwei Regionalzüge von Köln nach Hamm und Koblenz geplant, die allerdings aufgrund technischer Fehler fehlschlugen. Sein Komplize steht im Libanon vor Gericht. (red/DER STANDARD, Printausgabe, 6.9.2007)

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