Im Ring-Kampf

6. September 2007, 17:00
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Die Instruktoren der Moto-Academy bringen einem das richtige Fahren am Ring bei - Sie haben’s auch bei Guido Gluschitsch versucht

Pannonia-Ring. Boxenstraße. Gerade fährt Damian Cudlin raus auf die Strecke. Genau, Damian Cudlin. Der 23-jährige Australier, der voriges Jahr den dritten Platz in der World Endurance Championship ergattert hat und heuer für das Österreichische YART-Team an den Start geht. Cudlin folgen eine handvoll Ambitionierter, raus auf den Ring.

Ich lass den Cudlin einmal rausfahren. Ich muss ihn ja nicht herbrennen, denk ich mir. Man will einen Profirennfahrer ja nicht desillusionieren. Aber ich sehe einen rosaroten Helm. Na, wer kann das sein? Karin Mairitsch. Die kann bekanntlich nicht nur fahren, sondern auch schreiben. (Und beides besser als ich, meint die Lektorin gux) Passt. Da häng ich mich an.

Leichter Regen am Pannonia-Ring. Nasse Strecke. Die Karin lässt es locker angehen. Ich fahre hinter ihr nach und studiere ihre Linie. Erst in der zweiten Runde werde ich den Angriff starten.

Die erste Runde war nur zum Aufwärmen, merke ich, als die Karin nach der Start-Ziel-Geraden in die Rechtskurve einbiegt. In der zweiten Runde legt sie an Tempo zu. Keine Chance für mich. Ich kann nur hintennach fahren. Aber ich schmiede Pläne für die dritte Runde. Wieder auf der Start-Ziel-Geraden – wir fahren auf die erste Kurve zu.

Ich versuche spät zu bremsen, um ja keine Meter auf die Karin zu verlieren. Da wäre mehr gegangen. Also die zweite Rechtskurve ein bisserl flotter. Durch das Wasser auf der Strecke hab ich einen klitzekleinen Rutscher. Nervenkitzel pur.

Die Karin fährt souverän, ich bleibe dran. Beim Anbremsen zur Sechser merke ich, dass da noch mehr ginge. Aber ich hab nicht genug Reserven, um an ihr vorbei zu kommen. Zwei Kurven später setzt sich die Karin langsam von mir ab. Ja, Himmel! Ich arbeite mich mühevoll wieder heran. Die letzten beiden Kurven. Jetzt am Gas bleiben, nicht nachlassen, aber auch nicht zu viel wollen, weil sonst rutsch ich in eine ganztägige Kaffeepause.

Wir kommen aus der letzten Kurve, ich knapp hinter der Karin. Sie fährt auf der Start-Ziel-Geraden etwas zu weit rechts, sieht sich noch um, da drücke ich mich aber schon links vorbei. Am Kurveneingang zur Einser bin ich vorne. Ich kämpfe mit dem Säbel zwischen den Zähnen. Und kann mich bis zum Ende der Runde behaupten.

Dann fahr ich in die Box. Die Karin ist direkt hinter mir. Wir nehmen die Helme ab, ziehen die Handschuhe aus. Die Karin kommt auf mich zu. Na? Wird sie mir gratulieren? Wird sie sich Fahrtipps von mir holen?

"Ja, schon besser. Aber hinten, bei den Kurven sieben bis neun, hast die Linie wieder nicht sauber erwischt. Und schau, dass du, bevor ich dich vorbeiwinke, in der letzten Kurve knapp hinter mir bleibst, damit ich auf der Start-Ziel nicht stehen bleiben muss, damit du vorbei kommst!" So war das also…

Die Karin ist eine von acht Instruktoren der Moto-Academy, wie auch der Damian Cudlin. Und ich bin einer ihrer Schüler für den heutigen Tag, gemeinsam mit vier anderen Piloten. Nach jedem Turn gibt es eine genaue Analyse. Und die kann, wenn ich einer von den Schülern bin, schon einmal so lange dauern, bis wir wieder auf die Strecke dürfen.

Die Instruktoren sehen ja aber auch alles. Eigentlich eh gut, aber mir warat’s manchmal lieber gewesen, die Karin hätte geschaut, wo sie hinfährt, anstatt zu schauen, wo ich grad wieder herumfahr. Ich nehme aber einmal an, dass ich gut 20 Sekunden schneller hätte sein müssen, damit die Karin es nötig gehabt hätte, sich auf die Strecke zu konzentrieren.

>>>Nicht klammern

Wir fahren aber nicht nur. In der ersten Theorieeinheit erklärte der Michael Fiala, Veranstalter der Moto-Academy, die Ideallinie und welche Tücken sie hat. Ist ja nicht so, dass der Pannonia-Ring eine ganz einfache Rennstrecke wäre. Nein. Wenn’st direkt auf der Linie eine Unebenheit hast, dann solltest schon wissen, was tun. Oder dir einen Tipp holen. Einen wie "Ja, da hinten ist ein Schlag drinnen. Da darfst dich nicht an den Lenker klammern, musst ihn aber trotzdem so viel festhalten, dass es ihn dir nicht aus der Hand schlägt."

Das gilt wohl nur in dem Bereich, in dem der Damian Cudlin fährt. Der zeigt auch die richtige Haltung am Motorrad. Der schaut im Ringrestaurant auf der aufgebockten Reiben schon schneller aus als andere in der Hauskurve.

Die Hauskurve hab ich während des Videodrehs eh halbwegs erwischt. Kamerafrau war diesmal niemand geringerer als MMM, Miss Motorradmagazin und Moto-Academy-Instruktorin, Beate Kloda. Dürft ihr eine Freude gewesen sein, den Neuen gleich einmal herzubrennen. Und dann ist auch noch alles auf Film festgehalten.

Das Video ist Teil der Ausbildung der Moto-Academy. Da fährt einem der Instruktor mit einer On-Board-Kamera eine Runde lang nach. Aber eh nur, damit er dir dann bei der Videoanalyse haarklein jeden Fehler vorbeten kann. Na, das hab ich gebraucht.

Und weil dem wirklich so ist, werde ich am 11. 9. wieder bei der Moto-Academy am Pann sein. Es muass jo wos weitagehn! (Text: Guido Gluschitsch, Fotos: Martin Sulzbacher, derStandard.at, 6.9.2007)

Guido Gluschitsch ist Redakteur beim Motorradmagazin.

  • So sieht sie aus, die Ideallinie. Karin Mairitsch nicht minder.
    foto: sulzbacher

    So sieht sie aus, die Ideallinie. Karin Mairitsch nicht minder.

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