Zahlen für Kunstschätze
Wer sind denn überhaupt die Gläubigen und wer sind die Nicht-Gläubigen in Österreich? Die Soziologen geben sich viel Mühe, das herauszufinden und immer neue Umfragen versuchen immer neue Antworten. Aber die sind voller Widersprüche. Da sind die frommen Christen, die aus der Kirche ausgetreten sind, weil sie sich über deren seltsame Sexualmoral ärgern. Da sind die überzeugten Agnostiker, die drinnen geblieben sind, weil sie die Kunstschätze in den Gotteshäusern bewundern und die Sozialarbeit der Caritas schätzen. Da sind die Leute, die, wie Gerd Bacher, von sich sagen: Ich bin kein Christ, aber ich bin ein Katholik.
Da sind diejenigen, die, wie ich, das meiste nicht glauben, was im Katechismus steht, die sich aber niemals das Rosenkranzbeten abgewöhnen werden. Es gibt untreue Gläubige und treue Ungläubige. Es gibt kirchliche Aktivisten, die den Papst nicht leiden können und Menschen, die mit dem christlichen Glauben nicht viel im Sinn haben und denen Benedikt XVI. ganz gut gefällt.
Durcheinander
Dieses Durcheinander führt auch dazu, dass die angeblich wichtigsten Fragen, die in Interviews von führenden Kirchenleuten immer wieder gestellt werden, nicht unbedingt diejenigen sind, die die Leute am meisten interessieren. Über den Zölibat der Kleriker regen sich professionelle Katholiken mehr auf als der Großteil der Bevölkerung. Als der jetzige Papst die lateinische Messe nach altem Ritus wieder aufwertete, gab es empörte Reaktionen unter fortschrittlichen Kirchenmitgliedern ("Rückschritt hinter Errungenschaften des Konzils"), aber Beifall bei vielen Fernstehenden ("wenn schon Liturgie, dann feierlich"). Und während kirchliche Insider oft die Unmodernität ihrer Kirche beklagen, finden Außenseiter nicht selten gerade deren Quer-zum-Zeitgeist-Stehen sympathisch.
Das alles wird beim Besuch des Papstes vermutlich sichtbar werden. Denn einen wird der Rummel zu viel sein, sie werden den "Event-Katholizismus" beklagen und den Medien-Hype grässlich finden. Andere werden fragen, wo die Relevanz dieses weiß gekleideten alten Herrn und seiner Botschaft für die Fragen unserer Zeit ist. Und nach drei Tagen wird alles wieder vorbei sein.
Kirchenleute sind es gewöhnt, von Österreich als einem katholischen Land zu sprechen und von ihrem Publikum als den "Gläubigen", zum Unterschied von den Nicht-Glaubenden, für die es sogar eine eigene kirchliche Dienststelle gibt. Aber diese sauberen Unterscheidungen greifen wohl ein wenig zu kurz.
Zutreffender scheint etwas anderes: Österreich ist ein bisschen katholisch. Die hundertprozentig Gläubigen sind eine kleine Minderheit. Die hundertprozentig Ungläubigen vermutlich auch. Dazwischen gibt es eine Menge Leute, die ein bisschen gläubig und ein bisschen ungläubig sind. Mit ihnen vor allem wird es Benedikt XVI. zu tun bekommen. (Barbara Coudenhove-Kalergi, 5.9.2007)
Die Kronen Zeitung ist schon fleißig dabei, in ihren Leserbriefspalten Barbara Rosenkranz für das Bundespräsidentenamt zu pushen
Jahrhundertelang war es normal, dass in jeder Generation ein Sohn oder zwei in irgendwelchen Kriegen ihr Leben verloren
Die schleichende Stracheisierung hat sich bis in die Ränder der demokratischen Parteien hineingefressen
Kleriker sind eine militant organisierte Organisation,
welche widerrechtlich die christliche Philosophie als ihr Fundament bezeichnet.
Auf ein demokratisches Strafrecht reduziert würde man
von einer kriminellen Vereinigung sprechen,
auch wenn sich der überwiegende Teil der Kleriker ihrer Lage nicht bewusst ist.
Christen sind eine lose Vereinigung all jener,
die alles das tun, was man auch von anderen erwartet,
unabhängig von ihrer Rasse, Kultur, Religions- oder Volkszugehörigkeit.
(siehe Matth 7,12 Die Goldene Regel)
Der Schöpfung (seinen Mitmenschen, den Tieren, der Natur, dem Wald,
der Luft, der Erde, dem Wasser) all das zu tun,
was man auch von ihr erwartet, erfordert Tag täglich sein Opfer.
Katholiken betreiben e
auch wenn sie das rosenkranzbeten nicht lassen können, stimme ich ihnen voll zu.
das eigenartige (und unheimliche) an der ganzen sache ist, dass ungeachtet der sehr treffend von ihnen beschriebenen situation für die kirche und ihrer weniger gewordenen anhänger und ungeachtet der zusammensetzung der regierung oder der führungsriege des orf UNSER ALLER GELD für den alten deutschen mann hingeworfen wird und es selbstverständlich ist, den mittlerweile nach rom übersiedelten greis zu hofieren, zu hypen (ich kann es mir nicht verkneifen dieses wort) und niemand von uns gefragt wird, ob uns das überhaupt recht ist.
was ist das für ein mechanismus, der da immer wieder funktioniert, in vielen ländern und mit aller selbstverständlichkeit?
... zum einen ist der Papst ein Staatsoberhaupt, und als solcher wird er von den Spitzen der Republik empfangen.
Zum anderen finanziert der Staat alle möglichen Dinge, die nicht unbedingt alle Menschen für das Vordringlichste halten werden. Ich persönlich könnte zB auf staatliche Subventionen für die Errichtung von Fußballstadien, die nach 2 Spielen wieder um mein Geld rückgebaut werden müssen verzichten. Im Vergleich zu diesem von der öffentlichen Hand gesponserten Event in einem Jahr fällt der Papstbesuch überhaupt nicht ins Gewicht - die Republik zahlt die Polizei, das ist unter dem Titel "öffentliche Sicherheit" auch ihre Aufgabe, und alles andere zahlt die Kirche selbst (hat sogar Sponsoring-Verträge mit A1, zum Fund-Raisen).
also ich finds total lässig, dass der österreichische staat jetzt die kosten für hubschrauberfliegende pilgerreisen übernimmt. ich möcht nämlich noch zur westmauer bevor diese bei umgrabungen gänzlich zerstört wird.
wo kann ich denn meinen reisekostenzuschuss beantragen??? ich hätte auch kein problem von tel aviv nach jerusalem mit dem bus zu fahren - nachdem ich ja eh meine vom steuerzahler finanzierten sicherheitsleute mithaben werde...
Ich gehöre zur angeblich kleinen Minderheit der 100% Ungläubigen. Weil es nicht das kleinste wissenschaftliche Indiz für die Existenz Gottes gibt. Und weil erwiesen ist, dass alle "Heiligen Bücher" von Menschenhand aufgrund ihrer Illusionen geschrieben wurden.
Es ist interessant, dass sich die Menschen dieser Erekenntnis verschließen. Das hier aufgezeigte Wirrwarr ist nur ein weiteres Beispiel dafür. Der Grund ist vermutlich die Angst vor dem Tod und dass danach eben "nichts" ist.
... wenn Sie für alles ein "wissenschaftliches Indiz" brauchen, um es schätzen zu können. Wenn Sie sich in jemand verlieben, denken Sie dann an Hormonausschüttungen, oder "sind" Sie einfach nur verliebt? Wenn Ihnen Musik ins Ohr geht, denken Sie dan dran, welcher Hirnlappen gerade angeregt wird, oder genießen Sie einfach nur die Musik? Ebenso geht es Menschen mit ihren persönlichen Glaubenserfahrungen - die entziehen sich per definitionem "wissenschaftlichen Indizien", weil diese eben nicht alles sind - die schönsten Dinge im Leben sind eben nicht formal darstellbar, sondern einfach nur "erfahrbar", "spürbar", für jeden Menschen anders. Und diese individuellen Erfahrungen werden von Coudenhouve-Kalergi zutreffend beschrieben, finde ich...
Na ja, wenn Sie Dinge "spüren" und "erfahren", die nicht beweisbar sind, dann sind Sie eben schon einer Illusion erlegen. Wie der des Gottesglaubens.
Unser Gehirn hat natürlich eine ganze Menge solcher Illusionen parat, wahrscheinlich um das Leben einfach leichter zu machen. Eine solche Illusion ist selbstverständlich auch das "Verliebtsein" das auf simplen Hormonausschüttungen beruht. Damit wird von der Evolution offenbar gegen Nachwuchsmangel vorgesorgt.
es handelt sich um ein soziales phänomen: ohne berichte von menschen über menschen, die sich ganz sicher gewesen sind, dass es gott gibt, hätte ich nicht das problem gehabt, darüber nachdenken zu müssen, ob es dieses wesen gibt. es hätte mir nichts gefehlt, wenn mir niemand davon erzählt hätte. erst einmal in ein abhängigkeitsverhältnis gebracht worden, ist es ein mühsamer prozess gewesen, mich von diesem phänomen wieder zu befreien.
gottesungläubigkeit (nicht reduktionismus) hat auch etwas mit idealen zu tun. aus irgendeinem grund glaube ich an die chance der emanzipation, an eine befreiung von vorstellungen und vorschriften, die etwas mit untertanenverhältnissen zu tun haben, mit enge und mit angst. hat viel mit ethik zu tun.
Wie wäre es mit "für meine Nation"? "Für die Weltrevolution"? "Für die Reinheit der xxx Rasse"? DAFÜR sind allein im 20. Jahrhundert zig-mal mehr Menschen gestorben (worden), als im Namen von Religionen, und all diese rechten und linken extremen Ideologien waren ganz dezidiert anti-religiiös. Man kann also maximal sagen: Es ist gefährlich, extremen Ideologien anzugehören. Religionen KÖNNEN extrem werden, MÜSSEN das aber überhaupt nicht. Das selbe gilt für jede x-beliebige andere Ideologie. Isn't it so?
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