Teamchef will Akzente gesetzt sehen

11. September 2007, 22:17
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Hickersbergers Mann­schaft hat sich gegen Japan Fort­schritte zum Ziel gesetzt, Györgi Garics will zudem in Neapel Fuß fassen

Velden - Györgi Garics überlässt das Denken "lieber den Elefanten". Ist man Legionär beim SSC Napoli, stellt man keine blöden Fragen, da passt man sich an, nimmt die Dingen, wie sie sind. Vielleicht sollten sie ein bisserl anders sein, aber das behält man besser für sich. Zu Beginn der italienischen Serie A spielte Garics durch, der Aufsteiger unterlag daheim Cagliari 0:2. Der Österreicher, rechts im Mittelfeld, wurde von den Medien gut benotet, Trainer Edoardo Reja äußerte sich Garics gegenüber ebenfalls positiv.

Was ihn aber nicht daran gehindert hat, den Tüchtigen im Cup gegen Livorno auf die Tribüne zu setzen. Der 23-jährige Garics dachte, das sei eine ganz normale Rotation, zumal das Interesse am Pokal enden wollend ist. Und siehe da, am vergangenen Sonntag stand sein Name wieder nicht auf jenem Zettel, der die Aufstellung preisgibt. Napoli hat in Udine trotzdem 5:0 gewonnen. "Ich habe beschlossen, mir keine Gedanken zu machen, Trainer haben immer Recht. Ich muss hart arbeiten, mich aufdrängen", sagte der Ex-Rapidler in Velden, wo sich das ÖFB-Team auf das Beisammensein mit Japan (Teamchef Ivica Osim) im neuen Klagenfurter Stadion vorbereitet. Danach wird rasch nach Wien übersiedelt, am Dienstag wartet Chile im alten Happel-Stadion.

Garics lebt seit einem Jahr in einer fraglos anderen Welt. "Gewaltige Dimensionen. Ich musste meine Denkweise ändern. Als Defensivspieler darfst du nicht künsteln, du musst darauf achten, dass keiner an dir vorbeikommt, hinten muss die Null stehen."

Große, offene Tür

Teamchef Josef Hickersberger empfindet jeden Legionär aus Italien als Bereicherung. "Er wird dort Fuß fassen." Sebastian Prödl wäre fast als Gastarbeiter aus Deutschland angereist, der Wechsel von Sturm zu Werder Bremen war äußerst konkret. Der 20-Jährige entschied sich dann doch, Graz zu bereichern. "Vorerst. Das kleine Fenster zu Bremen ist zwar zu, die große Tür bleibt aber weit offen."

Prödl wird gemeinsam mit Martin Hiden die Innenverteidigung gegen Japan bilden. Das Tor darf Helge Payer hüten. Hiden trägt die Kapitänsschleife, weil Andreas Ivanschitz nicht einmal da und Martin Stranzl verletzt ist. Er hat einen Einriss im vorderen Sprunggelenksband, der rechte Fuß wird rund um die Uhr mit Topfen- und anderen Umschlägen behandelt, Japan wird sich aber nicht ausgehen. Bei Markus Katzer sieht es weit schlimmer aus, der Rapidler erlitt am Sonntag einen Kreuzbandriss, für ihn dürfte sich nicht einmal die EURO im Juni 2008 ausgehen.

Anderes Verhalten

Der Teamchef hat gelernt, "mit dem auszukommen, was ich habe. Das ist nicht schlecht, wir machen Fortschritte." Er belegte dies mit Videos, verglichen wurde das Abwehrverhalten vom 1:4 gegen Kroatien vor eineinhalb Jahren mit jenem des ziemlich jungen 1:1 gegen Tschechien. "Was ein Haufen war, ist jetzt schon eine recht organisierte Verteidigung. Nun sollten wir auch offensiv Akzente setzen. Mindestens zwei EM-Gegner sind viel stärker als wir. Der dritte wird nur stärker sein. Wir müssen hart arbeiten, uns an die Spitze annähern."

Japan ist quasi die nächste Annäherung an den Fußball. "Wir wollen gewinnen, das muss jeder Trainer vor jedem Spiel behaupten", sagte Hickersberger. Garics nickte. Weil natürlich auch die Teamchefs immer Recht haben. (Christian Hackl - DER STANDARD PRINTAUSGABE 5.9. 2007)

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