"Immo-Markt wie Pyramidenspiel"

9. Oktober 2007, 13:27
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Superfund-Gründer Christian Baha hat im STANDARD-Interview nichts gegen eine Regulierung, verlangt aber Waffengleichheit mit Fonds und anderen Veranlagungsformen

Die aktuelle Finanzkrise sei nur eine Vorwarnung, erzählt Baha, Österreichs größte "Heuschrecke", Andreas Schnauder.

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STANDARD: Was sagen Sie als größter österreichischer Hedgefonds-Anbieter zu den Fehlspekulationen der Branche am US-Immobilienmarkt?

Baha: Der Subprime-Markt ist eine Kreditblase, wo Kredite an Leute ohne Bonität vergeben wurden. Es war nur eine Frage der Zeit, bis diese Blase platzt, das war mir immer schon klar. In den USA wird jedes Haus zu 90 oder 100 Prozent auf Kredit finanziert. Wenn ein Angestellter oder Manager auch nur eine leichte Gehaltserhöhung bekommt, kauft er sofort auf Kredit ein größeres Haus, da sich dies steuermindernd auswirkt. Das ist ein gigantischer Umschlag an Immobilien, der den Markt über Jahrzehnte nach oben treibt, ein erlaubtes Pyramidenspiel.

STANDARD: Die Hedgefonds haben dazu ihr Quäntchen beigetragen.

Baha: Nicht die Hedgefonds, sondern hauptsächlich Immobilienfonds und Banken. Nur ein einziger Hedgefonds-Stil von insgesamt über 30 verschiedenen Hedgefonds-Arten ist in der Kategorie Subprime tätig. Heutzutage sind bei jeder Finanzkrise immer automatisch die Hedgefonds schuld, obwohl Hedgefonds circa 50 Milliarden Dollar in diesen Stil investierten – das ist nichts und kann nicht für eine Immobilienblase von 45.000 Milliarden verantwortlich gemacht werden. Viel mehr Wert wird bei herkömmlich Kreditgebern vernichtet.

STANDARD: Die Hedgefonds werden immer mehr kritisiert.

Baha: Wir leiden extrem unter diesen Verwechslungen. Und die klassischen Finanzanbieter – Aktien-, Immobilien- und Anleihefonds – schieben das jetzt auf die Hedgefonds. Dabei sind dort die Risiken viel größer, weil sie nicht diversifiziert sind und nur auf Aufwärtskurse setzen. Bei Managed Futures oder Dachfonds ist das Abwärtsrisiko geringer bei gleichzeitig höherem Ertragspotenzial.

STANDARD: Nun wird verstärkt nach Regulierung gerufen.

Baha: Wir waren bereits im Juli 2004 die ersten, die ein alternatives Investmentgesetz ebenso wie eine Hedgefondsregulierung gefordert haben. Es darf jedoch nicht sein, dass es zu einer Überregulierung kommt und Kleinanleger ausgeschlossen werden. Ein privater Anleger darf Optionen handeln, das gesamte Geld in einer Minute verzocken, aber regulierte Managed Futures darf er nicht kaufen.

STANDARD: Eine Forderung lautet, erst ab einem gewissen Spielkapital Zugang zu Hedgefonds zu erlauben.

Baha: Bei Überlegungen, erst ab einem Kapital von 50.000 Euro in Hedgefonds investieren zu dürfen, stellt es mir die Haare auf. Das ist ein Rückschritt in die Steinzeit des Kapitalmarktes. In Wahrheit sollten Hedgefonds und Managed Futures klassischen Aktien- und Anleihenfonds rechtlich gleich gestellt werden.

STANDARD: So ganz ohne Schaden sind aber auch Ihre Fonds nicht weggekommen.

Baha: Kurzfristig kann es auch bei Managed Futures sein, dass bei Trendeinbrüchen Verluste entstehen. Superfund-Fonds liegen derzeit im Jahresvergleich bei minus elf bis minus 20 Prozent. Allein im zweiten Quartal haben wir 36,9 Prozent gewonnen.

STANDARD: Ihr Börsen-Tipp?

Baha: Es wird noch schlimmer kommen, weil das viele Geld, das in den Markt strömt, irgendwann wieder hinausströmt. Es genügt ein kleiner Funken. Das globale Finanzsystem ist extrem verwundbar, weil es auf gewaltigen Kreditberge aufgebaut ist. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.9.2007)

Zur Person
Christian Baha (Jahrgang 1968) ist ehemaliger Polizist, gründete Quadriga und Superfund und lebt heute in Monte Carlo und Grenada.
  • Christian Baha: "Bei Überlegungen, erst ab einem Kapital von 50.000 Euro in Hedgefonds investieren zu dürfen, stellt es mir die Haare auf."
    foto: superfund

    Christian Baha: "Bei Überlegungen, erst ab einem Kapital von 50.000 Euro in Hedgefonds investieren zu dürfen, stellt es mir die Haare auf."

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