E-Control sieht wenig Ausbaupotenzial

25. Oktober 2007, 18:31
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Es wird zwar immer mehr Ökostrom erzeugt - der sprunghaft steigende Energieverbrauch in Österreich ist damit aber nicht einholbar

Im 1. Halbjahr 2007 gab es noch einen kräftigen Zuwachs in der Ökostromproduktion, der allerdings auf zuletzt in Betrieb genommene und noch dem lukrativen alten Förderregime unterworfene Anlagen zurückzuführen ist. Die E-Control sieht nur wenig Ausbaupotenzial.

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Wien – Die Erreichung von Österreichs ehrgeizigen Umweltzielen rückt in immer weitere Ferne. Wirtschaftskammer, Arbeiterkammer und Gewerkschaft sind nicht gewillt, in der anstehenden Novellierung des Ökostromgesetzes einer Aufstockung der Mittel zur Förderung der Stromerzeugung aus erneuerbaren, teureren Quellen zuzustimmen. Darüber hinaus sieht die E-Control, die im Auftrag des Wirtschaftsministeriums an der Evaluierung des Ökostromgesetzes arbeitet, nur mehr ein vergleichsweise bescheidenes Ausbaupotenzial.

Sättigungseffekte

"Es sind da und dort schon Sättigungseffekte erkennbar", sagte E-Control-Chef Walter Boltz am Dienstag bei der Vorstellung des Ökostromberichts 2007. "Es werden nicht nur weniger Neuanlagen genehmigt, auch etliche der bereits genehmigten Anlagen werden heuer gar nicht errichtet, insbesondere Biomasse- und Biogasanlagen nicht." Grund seien die in die Höhe geschnellten Rohstoffpreise, der ungesicherte Bezug von Holz und Pflanzen sowie die langen Lieferzeiten für Anlagen.

Von rund 170 genehmigten Biomasseanlagen seien erst etwa 120 in Betrieb, obwohl auch die meisten der 50 noch nicht errichteten Anlagen Anspruch auf die "alten", lukrativen Einspeisetarife mit 13 Jahren Garantiezeit hätten.

Boltz verwies darauf, dass im 1. Halbjahr 2007 die Produktion von Ökostrom in Österreich gegenüber dem 1. Halbjahr 2006 um 50 Prozent auf 2,1 Mio. Megawattstunden (MW) gestiegen ist – Kleinwasserkraft nicht eingerechnet. Grund seien Anlagen, die Ende Juni 2006 in Betrieb gegangen sind. Im 2. Halbjahr rechnet Boltz nur mehr mit einer leichten Zunahme der Ökostromproduktion.

Insgesamt sind im Vorjahr 219 Mio. Euro in Preisstützungen für den Ökostrom geflossen (siehe Grafik). Heuer werden es nach Angaben der E-Control 286 Mio. Euro sein, 2008 voraussichtlich 321 Mio. Euro.

Novelle

In den Empfehlungen für eine Novelle des Ökostromgesetzes, die die E-Control am 26. September im Rahmen einer Enquete im Wirtschaftsministerium detailliert vorlegen will, soll der Fokus auf die Steigerung der Energieeffizienz gelegt werden. Durch Energiesparen sollte es zumindest gelingen, den prognostizierten Anstieg des Energieverbrauchs (Wifo: plus 15 Prozent bis 2029) zu glätten.

Darüber hinaus sieht Boltz noch 700 Megawatt im Bereich der Kleinwasserkraft, die gehoben werden könnten. Hier seien vor allem die westlichen Bundesländer gefordert, entsprechende Projekte zu identifizieren und umzusetzen.

Auch im Bereich der Windkraft könnten zu den bestehenden 1000 MW noch etwa 700 MW dazukommen, wobei die Ausbeute je Windrad im Weinviertel um rund zehn Prozent geringer sei als in den bereits genutzten guten Windlagen des Burgenlandes. (Günther Strobl, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.9.2007)

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