Mobilkom startet mit Nahfunk-Handys

Berührungsloses Bezahlen bei ÖBB und Wiener Linien - Mobiltelefon wird zum "Schweizer Messer"

Zug-Fahrscheine oder Parktickets können zwar schon seit einigen Jahren mobil bezahlt werden, die Benutzerfreundlichkeit lässt aber teilweise zu wünschen übrig. Das soll sich nun - geht es nach der Mobilkom Austria und ihren Partnern - ändern. Der Einbau von Nahfunktechnik (Near Field Communication, NFC) in Mobiltelefone mache das Handy zu Ausweis, Geldbörse und Fahrschein in einem, erklärte Hannes Ametsreiter, Marketingvorstand der Mobilkom Austria, heute, Dienstag, bei einem Pressegespräch in Wien.

Sicherheiten

Die drahtlose Übertragungstechnologie ermögliche einen sicheren, kabellosen Datenaustausch zwischen elektronischen Geräten über Distanzen von wenigen Zentimetern - beispielsweise indem man sein Mobiltelefon in die Nähe eines Terminals hält - und werde in den nächsten Tagen oder Wochen zur Verfügung stehen, so Ametsreiter. Anwendungsmöglichkeiten sind der Kauf von ÖBB-Tickets, Fahrscheinen der Wiener Linien, Parkscheinen und Snacks an bestimmten Automaten sowie Lotto. Als Kooperationspartner hat die Mobilkom Nokia, NXP Semiconductors, ÖBB und Wiener Linien an Bord geholt. Die Abrechnung erfolgt wahlweise über die Handyrechnung oder das Bezahlsystem paybox.

"Das Handy in die Nähe eines Symbols halten kann jeder. Außerdem ist NFC ein globaler Standard, für den es eine Vielzahl von Weiterentwicklungsmöglichkeiten gibt", sagte Ametsreiter. Neben dem Ticketkauf könnte die Technologie beispielsweise für das Einlösen von Gutscheinen eingesetzt werden. Derzeit ist das Angebot auf A1-Kunden beschränkt, es seien aber alle anderen Mobilfunkbetreiber eingeladen, mitzumachen.

Wie eine Bankomatkarte

"NFC ist in Österreich entstanden und mindestens so sicher wie eine Bankomatkarte", zeigte sich Ernst Müllner, Geschäftsführer von NXP Semiconductors Austria, der ehemaligen Halbleitergruppe von Philips, überzeugt. In den kommenden fünf Jahren werde der Anteil der NFC-Handys auf mindestens 20 Prozent steigen. Denn neben Nokia seien auch Samsung und Motorola "sehr stark interessiert". "Normalerweise brauchen neue Technologien sehr lange, bis sie sich durchsetzen. Bei NFC wird das viel schneller gehen", so Müllner, der künftig eine Vielzahl von Anwendungen ins Mobiltelefon wandern sieht. In ein paar Jahren könnten etwa Kundenkarten im Handy abgelegt werden.

In Österreich bringt laut den Angaben Nokia als erster Handyhersteller ein NFC-Endgerät auf den Markt. "Das Mobiltelefon wird sich in ein bis zwei Jahren zum Schweizer Messer entwickelt haben", erklärte Martin Pedersen, Managing Director von Nokia Alps. Die globale Handy-Verbreitung betrage derzeit 33 Prozent, im kommenden Jahr soll die Zahl der Mobiltelefonierer auf rund drei Milliarden ansteigen, so Pedersen. NFC werde zwar in Österreich gestartet, sich aber weltweit schnell verbreiten.

"Wir waren europaweit die ersten, die Handy-Tickets angeboten haben"

Am Zug sehen sich auch die ÖBB. "Wir waren europaweit die ersten, die Handy-Tickets angeboten haben. Trotz des von vielen belächelten Starts im Jahr 1999 verkaufen wir darüber inzwischen 50.000 Fahrscheine pro Monat", betonte Stefan Wehinger, Vorstandsdirektor der ÖBB-Personenverkehr AG. Ziel sei, die Zahl der mobilen Tickets von ein auf zwei Prozent zu verdoppeln. "Derzeit verkaufen wir 60 Prozent der Fahrscheine über Selbstbedienung. Mobil wird dabei künftig eine größere Rolle spielen", so Wehinger. Inzwischen habe man 121 Stationen zwischen Wiener Neustadt und Wien Floridsdorf mit NFC ausgestattet, wobei die Touchpoints einfach an den Entwertern angebracht werden.

Die Wiener Linien beschäftigen sich laut eigenen Angaben erst seit wenigen Wochen mit dem Thema, wollen aber innerhalb der nächsten Tage mit NFC starten. "SMS-Tickets sind zwar einfach, setzen aber doch ein gewisses Grundwissen voraus. Durch die Nahfunktechnik wird der Kartenkauf einfacher und schneller", erklärte Michael Lichtenegger, Geschäftsführer der Wiener Linien. Außerdem könnte nun neben den Zeitkarten auch ein Äquivalent zum Zonenfahrschein angeboten werden, da sich durch NFC der Einstiegsort feststellen lasse. Die Tests würden vorerst auf die U-Bahn beschränkt bleiben, um Erfahrungen zu sammeln.

Keine Pläne

T-Mobile Austria hat laut APA-Anfrage derzeit keine Pläne bezüglich NFC. One sieht zwar "große Zukunftschancen", will aber - aufgrund der mangelnden Verfügbarkeit von Endgeräten - frühestens nächstes Jahr entsprechende Angebote auf den Markt bringen. Bei "3" (Hutchison) werde das Thema beobachtet, für Österreich bestünden derzeit aber keine Vermarktungsabsichten, hieß es aus dem Unternehmen.(APA)

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