Wie man am besten ganz der Alte bleibt: "Clerks 2"

17. September 2007, 12:54
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Komische Verhaltensstudie von Regisseur Kevin Smith, der mit dem Low-Budget-film "Clerks" 1994 ein Held des Indie-Kinos wurde

Wien – Im Jahr 1994 veröffentlichte ein Filmemacher aus New Jersey namens Kevin Smith einen Low-Budget-Film namens Clerks . Dessen Herstellung hatte kolportierte 27.000 US-Dollar gekostet, in der Folge spielte er jedoch mehr als drei Millionen Dollar ein. Der Regisseur wurde ein Held des Indie-Kinos, dessen (Groß-)Produktionen es allerdings irgendwann nicht nur an Zugkraft mangelte.

Stillstand, oder?

Die Zeiten haben sich geändert. Aber irgendwie ist die Zeit auch stehen geblieben. Das ist gewissermaßen der zentrale Konflikt, um den Clerks 2 kreist: Um das fortwährende Abgleichen zwischen etwas, das man je nach dem als Prinzipientreue, Stur- oder Dummheit auslegen könnte, und den äußeren Gegebenheiten. Tritt man selber womöglich schon seit Langem auf der Stelle? Aber entwickelt sich da draußen nicht alles in eine bedenkliche Richtung? Und gibt es einen Weg, den Jugendidealen treu zu bleiben, ohne irgendwann als einsamer Idiot dazustehen?

Bevor es in Clerks 2 zu derart essenziellen alltagsphilosophischen Überlegungen kommt, müssen Dante (Brian O‘Halloran) und Randall (Jeff Anderson), die beiden Ladenhüter aus Minimart beziehungsweise Videothek, erst einmal mitansehen, wie ihre Refugien ein Raub der Flammen werden.

Gut ein Jahr später begegnen wir den Thirtysomethings wieder an ihrer neuen Arbeitsstätte, einem Schnellrestaurant. Dantes Abreise nach Florida, in ein Erwachsenenleben mit Frau und Familienunternehmen, steht bevor. Daran entzünden sich nicht nur besagte Diskussionen, sondern auch einiges an krudem Aktionismus mit zunehmend größerem Lachpotenzial.

Zunächst verlangt einem der Film einiges ab – nicht enden wollende verbalerotische Ergüsse, tiefsinnige Filmdebatten und ähnliche Jungmännerhobbys. Das Schöne ist jedoch, wie Clerks 2 die Integrität seiner Figuren wahrt, indem er sie in ihren nicht mehrheitsfähigen Eigenheiten auch ihre Stärke erkennen lässt. Sympathischer kann man seinen Bildungsauftrag nicht wahrnehmen. (Isabella Reicher /DER STANDARD, Printausgabe, 04.09.2007)

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