28.2.2005: Warnung vor der Einengung

4. September 2007, 16:57
posten

Von einer Neuordnung der Bundesmuseen oder dem Festlegen des Programms hält Sektionschefin Brigitte Böck nicht viel - STANDARD-Interview

Mitunter hat es den Anschein, als würden die Direktoren der Bundesmuseen machen, was sie wollen: Peter Noever, Direktor des Museums für angewandte Kunst, bringt am liebsten Ausstellungen mit raumgreifender Kunst; Wilfried Seipel, Chef des Kunsthistorischen Museums, zeigte zuletzt mit Wiener Silber angewandte Kunst. Klaus Albrecht Schröder, Direktor der Albertina, beschränkt sich nicht auf Grafik, und Edelbert Köb trumpft mit Personalen auf, die eher in eine Kunsthalle denn ins Museum Moderner Kunst passen.

In den letzten Jahren wurde daher immer wieder Kritik am "Wildwuchs" laut: Das Hauptinteresse gelte der Klassischen Moderne, mit der man gut Geld machen könne, während andere Epochen der Kunstgeschichte sträflich vernachlässigt würden. Auch Wolfgang Zinggl, Kultursprecher der Grünen, wünscht sich Stringenz: Sein radikales Konzept sieht eine völlige Neuordnung der Museen vor. Da es auf die Geschichte der Sammlungen keine Rücksicht nimmt, ist eine Umsetzung undenkbar. Aber selbst sanfte Eingriffe sind nicht zu erwarten, wie Brigitte Böck, im Bildungsministerium für die Bundesmuseen zuständig, andeutet.

Die Evaluierung der Museen, deren Ergebnisse heute, Montag, präsentiert werden, wird daher im Großen und Ganzen ohne Folgen bleiben. Jedes Museum durfte drei Experten nominieren, und das Ministerium beauftragte einen von diesen, den vorbereiteten Fragenkatalog zu beantworten. Da zwischen dem Experten und dem Museum Geschäftsverbindungen bestehen, hielt sich die Kritik in engen Grenzen: Die Direktoren sind mit ihren Zeugnissen durch die Bank zufrieden.

STANDARD: Manch Direktor beklagt, er bekäme eine zu geringe Basisabgeltung und hätte daher, wie Peter Noever, kein Budget für Ankäufe. Umgekehrt gibt es die Ansicht, dass die Mittel ausreichend seien. Wie verhält es sich nun?

Böck: Beides stimmt. Wir haben, als das Gesetz beschlossen wurde, gesagt, dass die Basisabgeltung nur eine gewisse Zeit gedeckelt sein kann. Damals, Ende der 90er-Jahre, hat niemand gewusst, wie sich die wirtschaftliche Lage der Museen entwickeln wird. Und sie hat sich sehr gut entwickelt: Es gibt Museen mit einem hohen Eigendeckungsgrad. Aber es gibt auch Museen, die in Schwierigkeiten kommen werden, wenn keine Aufstockung erfolgt. Die Ministerin will sich daher um eine solche bemühen. Wenn es zu einer Anhebung kommen sollte, wird der gegenwärtige Aufteilungsschlüssel aber wohl nicht fortgeschrieben.

STANDARD: Welche Museen könnten denn am ehesten in Schwierigkeiten kommen?

Böck: Bisher ist kein einziges Museum in Schwierigkeiten. Es ist auch keines gefährdet. Denn jedes Museum hat das Pouvoir, die Mittel umzuschichten. Wenn das Geld knapp wird, muss der Direktor eben Prioritäten setzen.

STANDARD: Das Gesetz würde zwei Geschäftsführer pro Museum gestatten, aber Wilfried Seipel wollte beide Funktionen übernehmen. Daher gibt es auch in allen anderen Museen nur einen Geschäftsführer. Wäre das Vier-Augen-Prinzip nicht weit sinnvoller?

Böck: Bei einem Geschäftsführer ist die Verantwortung vollkommen klar. Zudem gibt es weniger Reibungsverluste.

STANDARD: Edelbert Köb sorgt sich, sein Vertrag könnte nicht verlängert werden. Ist seine Nervosität berechtigt?

Böck: Wir sehen derzeit keinen Anlass, Überlegungen anzustellen. Der Vertrag des Direktors läuft bis Ende 2006.

STANDARD: Es wird immer wieder der "Wildwuchs" in der Museumslandschaft kritisiert.

Böck: Ich sehe das nicht als Problem. Die Museumsordnungen sind weit gefasst. Und das ist gut so. Ich halte nichts davon, ein Haus auf Strich und Beistrich zu verpflichten, dieses zu tun, jenes zu unterlassen. Wir würden irrsinnig einengen - nur um einer scheinbaren Klarheit willen. Eine kleinkrämerische Gesinnung wird der Bedeutung der Museen nicht gerecht.

STANDARD: Also keine Neuordnung der Museen?

Böck: Die Museen haben ein sehr breites Spektrum. Natürlich könnte ich mich mit einem enormen Aufwand daranmachen, dieses Spektrum nach anderen Kriterien zu ordnen. Aber es sollte etwas Besseres herauskommen: Der Besucher wird besser bedient, die Wissenschaft hat mehr Möglichkeiten etc. Einfach Verändern um einer terminologischen Ordnung willen, das ist mir einfach zu wenig.

STANDARD: Wären dennoch Veränderungen vorstellbar, und wenn ja: welche?

Böck: Die Ausgliederung wird im Ausland als Modell, als Vorbild angesehen. Aber natürlich ist kein Gesetz perfekt. Man muss wohl die eine oder andere Bestimmung anhand der Erfahrungen in den letzten Jahren überdenken. Zum Beispiel im Bereich der Museumsordnungen. Ich möchte aber der Präsentation der Evaluierung nicht vorgreifen. (DER STANDARD, Print-Ausgabe, 28. 2. 2005)

Zur Person:
Brigitte Böck, geboren 1944 in Innsbruck, leitet seit 2002 die Kultursektion des Ministeriums für Bildung, Wissenschaft und Kultur, für das sie bereits seit 1988 arbeitet. Zuvor war die Juristin unter anderem Stellvertreterin des Wiener Universitäts- direktors.

Das Interview führte Thomas Trenkler
  • "Weniger Reibungsverluste": Nur einen Geschäftsführer pro Bundesmuseum findet Brigitte Böck in Ordnung.
    foto: standard/heribert corn

    "Weniger Reibungsverluste": Nur einen Geschäftsführer pro Bundesmuseum findet Brigitte Böck in Ordnung.

Share if you care.