Bildung bewegt: Mobilität und Internationalität nehmen zu

3. September 2007, 16:19
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Fremdsprachige Vorlesungen und Praktika im Ausland sind für Studenten heute eine Selbstverständlichkeit

Petra Horn packt wieder einmal ihre Koffer - nach einem Studienaufenthalt in den USA zieht es die Kunststudentin jetzt nach Italien. Ein viermonatiger Aufenthalt in Venedig soll der jungen Künstlerin den letzten Schliff geben.

So wie Horn atmen immer mehr österreichische Studenten die Luft an internationalen Hochschulen. Universitäten und Fachhochschulen legen ihren Studenten zunehmend ans Herz, ein Semester oder ein Berufspraktikum jenseits der Grenzen zu absolvieren. Zentren für Auslandsstudien, Kontakte zu zahlreichen Partneruniversitäten und Förderprogramme wie Erasmus oder Ceepus erleichtern den Schritt ins Ausland organisatorisch und auch finanziell.

Meist geschieht dieser freiwillig, manchmal ist der Auslandsaufenthalt allerdings verpflichtend. So ist im Rahmen des Studiengangs Internationale Wirtschaftsbeziehungen an der FH Burgenland in Eisenstadt ein einsemestriges Berufspraktikum in Mittelosteuropa vorgeschrieben.

Gleiches gilt für das Studium der Internationalen Betriebswirtschaft (IBW) an der Wirtschaftsuniversität Wien (WU Wien). "Pflicht sind bei dieser Studienrichtung entweder ein Praktikum im Ausland oder ein Studienaufenthalt", erzählt Wolfgang Sünder, u. a. Redaktionsmitglied von "WU-Memo" der WU Wien.

Interkulturelles Kompetenztraining ist im Übrigen ebenfalls Teil des IBW-Studienplans - und auch in Eisenstadt wird darauf großer Wert gelegt, wie Ingrid Schwab-Matkovits, Geschäftsführerin der FH-Studiengänge Burgenland, betont.

Bewegte Österreicher

Die Nachfrage nach Auslandsaufenthalten ist groß: Im Studienjahr 2006/2007 haben mehr als 4200 Studierende - die meisten aus den Studienrichtungen Betriebswirtschaft, Sprachen und Philologie, Pädagogik sowie Rechtswissenschaften - am Erasmus-Programm teilgenommen und einen Studienaufenthalt in der EU absolviert.

Damit belegt Österreich Rang drei in der Erasmus-Mobilität. In Zahlen bedeutet das, dass mehr als 1,6 Prozent der Studierenden eines gesamten Jahrgangs in Europa unterwegs sind - der EU-Durchschnitt liegt deutlich unter einem Prozent. Beliebteste Länder der zu 60 Prozent weiblichen Erasmus-Studenten sind nach Angaben von Barbara Weitgruber vom Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung (bmwf) Spanien und Frankreich. Aber auch in den USA, Australien, Asien und zunehmend auch in Osteuropa sammeln heimische Studenten Erfahrung.

Etwa in Form eines Auslandssemesters - aber auch Praktika in Unternehmen und Institutionen erfreuen sich großer Beliebtheit.

Stichwort Praktikum: Zahlreiche Organisationen helfen bei der Suche nach der richtigen Praktikumsstelle im Ausland - wie etwa die Iaeste, die Plätze für Technikstudenten in mehr als 80 Ländern organisiert, oder Elsa, die Juristen einen Schnupperaufenthalt im Ausland vermittelt. Internationale Erfahrung wird aber auch in diversen Summerschools und Sommeruniversitäten vermittelt.

Auch in Österreich selbst wird die (Grundaus-)Bildung immer internationaler - bereits in Volksschulen stehen seit jeher Fremdsprachen auf dem Stundenplan. Vorlesungen, die nicht in Deutsch gehalten werden, setzen sich allerdings erst langsam durch, was sich laut Experten dennoch rascher als erwartet ändern werde.

Wer sein ganzes Studium in einer Fremdsprache absolvieren will, hat dazu derzeit vor allem im Postgraduate-Bereich die Möglichkeit. Ab Herbst 2008 wird es allerdings etwa an der WU Wien englische Masterprogramme geben. Im Rahmen von General oder Professional MBAs etwa an der Executive Academy der WU Wien ist Englisch bereits seit Anbeginn Teil des "Stundenplans".

Die Wirtschaft wird das freuen - zwar sind Österreichs Unternehmen mit den schriftlichen Fremdsprachenkenntnissen ihrer Mitarbeiter zufrieden, Handlungsbedarf sehen sie vor allem in der verbalen Kommunikation, aber auch in der bereits erwähnten Vermittlung interkultureller Informationen. (Susanne Rotkopf/DER STANDARD-Printausgabe, 1./2. September 2007)

  • Studentenbeitrag zur Internationalisierung: Mobilität und Interkulturalität sind bei Studierenden sehr gefragt.
    foto: standard/fischer

    Studentenbeitrag zur Internationalisierung: Mobilität und Interkulturalität sind bei Studierenden sehr gefragt.

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