Fleischfestspiele

11. September 2007, 17:00
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Try Hard: Bernhard Hlavicka rät zu einem Ausflug an den Bodensee, wo eine neue Haube anstehen könnte

Ein Besuch der Bregenzer Festspiele (*) hatte ihren unerwarteten Höhepunkt in einer Neuentdeckung. Schnapsbrenner Albert Büchele, der am Michelehof in Hard (gleich neben Bregenz) einen überdimensionalen Subirer und andere, köstliche Brände fabriziert, gab uns den feinen Rat, doch zum Abendmahl ins Gasthaus Käth´r zu schauen. Die hätten sich längst eine Haube verdient.

Brätspätzle, bitte

Nun, da muss man einfach folgen. Das Gasthaus liegt in Sichtweite des Bodensees in Hard an einem idyllischen Bächlein und wurde erst unlängst sachlich renoviert. Auf den ersten Blick vermittelt es einen aufgeräumten, einladenden Eindruck, wie übrigens auch der eindrucksvolle Wirt, der uns sogleich vor einer Parkstrafe bewahrt. Im gut gefüllten Garten finden wir unreserviert noch einen Tisch. Drinnen sieht es noch einladender aus, aber man will doch den Sommer genießen.

Die Karte liest sich engagiert. Moderne, schicke Gerichte vermischt mit echten Klassikern der Region. Kombinationen die sich sofort gut anhören und nicht gekünstelt wirken. Als Vorspeise lacht uns eine Vorarlberger Spezialität an, die Brätspätzlesuppe. Viele, backerbsengroße Wurstbrätknöderln, die ein bisschen wie Weißwurst schmecken, tummeln sich in einer etwas neutralen Consommé und stillen erfolgreich den ersten Hunger. Dann folgen sehr schnell die Hauptgerichte und wir waren froh, dass wir zurückhaltend bei den Vorspeisen waren, denn die Portionen sind sehr ordentlich.

Ein Steak gewinnt

Meine rechte Nachbarin hatte gebratenes Reh, vier große, dunkle Stücke in Ribisel-Rosmarin Sauce mit Schupfnudeln. Das Reh perfekt gewürzt, intensiv und auf den Punkt gebraten. Mein Gegenüber erfreute sich an einem großen Erdäpfelrösti und Geschnetzeltem vom Bregenzerwald-Kalb. Hier stahl der gewaltige, knusprige Rösti dem Fleisch doch etwas die Show. Links von mir türmte sich ein fünf cm dickes Steak vom Beiried neben gebratenen Rosmaringnocchi. Mit fast neidischen Blicken quittierten die Tischnachbarn den Steakteller und erklärten ihn zum Sieger, zumindest was die Erfüllung fleischlicher Träume angeht.

Mir wurde ausgezeichneter, rosa gebratener Lammrücken mit schwarzen Oliven, Fisolen, wenigen, mitgegarten Kirschparadeisern und grober Polentacreme serviert. Sehr harmonisch und gelungen, die Oliven verleihen dem Lamm einen provencalischen Charakter und am besten hätte wohl ein Côtes du Rhône dazugepasst. Aber der 2004er Blaufränkisch Reserve vom Weninger konnte auch gut mithalten und erwies sich als vielseitiger Begleiter zu allen 4 Gerichten.

Sensationellerweise war noch Platz für Desserts. Feincremige Panna Cotta in intensiver Mangosuppe. Panna Cotta gabs auch pur. Und der mit dem Krokantbecher mit weißer und dunkler Mousse kämpfte, sah auch sehr glücklich aus.

Festspiel-Käthering

Weinmässig findet man eine günstig kalkulierte Auswahl, die Highlights wie Riesling FX Pichler Kellerberg 2005 um schlanke 44,- , Salzberg vom Heinrich oder Perwolff vom Krutzler bietet, aber auch günstige Varianten, wie Rubin Carnuntum vom Markowitsch. Tief ist die Karte nicht, aber es findet sich für jeden etwas.

Bleibt zu erwähnen, dass zur Dämmerung die Gelsen recht intensiv einflogen, um die Fleischzufuhr durch Blutabfuhr wieder etwas auszugleichen. Doch wieder trat der rettende Wirt auf den Plan und besprühte uns mit Antibrumm – einer wirkungsvollen Gelsenabwehrtinktur. Aus Dankbarkeit ein Tipp an den Wirt: Das Gasthaus Käth´r hätte durch Anbindung eines –ing zumindest schon einen tollen Namen, um zum Beispiel „Festspielkäth´ring“ zu betreiben.

(*) Woran man leider merkt, dass ich auch diesen Beitrag Hlavickas ungebührlich lange abliegen ließ - sorry dafür! (fid)

Schmeck's ist keine professionelle Lokalkritik. Harald Fidler und Freunde schildern hier ihre Erlebnisse beim Essen und Trinken. Als Dilettanten im Wortsinn: Laien, Amateure, Nichtfachleute, die eine Sache um ihrer selbst willen ausüben - also zum reinen Vergnügen. Was nicht immer gelingt.
  • Dieses Bild der doch recht schicken Bar des vom Architekturbüro Früh neu gestalteten Gasthauses Käth'r fanden wir beim vorarlberger architektur institut vai.

Gasthaus Käth´r
Seestrasse 22
6971 Hard
T: 05574 87588

155,- Euro für 4 Suppen, 4 Hauptspeisen, 3 Nachspeisen, 4 kleine Bier, 4 Espresso und 1 Flasche Wein.
    vai

    Dieses Bild der doch recht schicken Bar des vom Architekturbüro Früh neu gestalteten Gasthauses Käth'r fanden wir beim vorarlberger architektur institut vai.

    Gasthaus Käth´r
    Seestrasse 22
    6971 Hard
    T: 05574 87588

    155,- Euro für 4 Suppen, 4 Hauptspeisen, 3 Nachspeisen, 4 kleine Bier, 4 Espresso und 1 Flasche Wein.

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