Kampagne - "Ka' Tschick ist an! "

4. September 2007, 10:42
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Kdolsky: Auto soll "rauchfreie Republik" werden - Sozialmediziner Kunze: "Diskriminierung der Raucher ist ein wichtiger Beginn"

Wien - "In Österreich ist es im Moment en vogue, keine Eigenverantwortung zu übernehmen und zu verlangen, dass der Gesetzgeber stattdessen ein Gesetz in Kraft setzt. Dann kann man nachher auch über ihn schimpfen", sagt Kdolsky. Aus diesem Grund wolle sie beim Rauchen im Auto statt eines Gesetzes "Anreize schaffen und einen Umdenkprozess in Gang bringen".

Neue Nichtraucherkampagne

Kurz vor der Bekanntmachung des neuen Rauchergesetzes nächste Woche präsentierte Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky bei einer Pressekonferenz in Wien die neue Nichtraucherkampagne "Ka' Tschick ist an! Das Auto wird zur rauchfreien Republik!". Mit einem Gewinnspiel sollen die Österreicher dazu bewegt werden, künftig auf das Rauchen im Auto zu verzichten.

Lungenexperte Vetter: Halbherzige Lösung

"Der Staat hat die Aufgabe, den Bürger vor Schädigungen zu schützen", ist Norbert Vetter, Leiter der 2. Internen Lungenabteilung im Wiener Otto-Wagner-Spital überzeugt. "Ka' Tschick ist an! Das Auto wird zur rauchfreien Republik!" sei prinzipiell gut, aber "halbherzig", sagte Vetter. "Wenn die Bürger über die Gefahren informiert wurden, soll die Ministerin aber ins kalte Wasser springen und das Ganze auch gesetzlich verankern."

Immer 50 Prozent dagegen

Auf die Kritik von Medizinern, das neue Rauchergesetz, dass sich zur Zeit in Begutachtung befindet, sei eine "halbherzige Lösung", reagierte Kdolsky gelassen: "Ich lebe damit, dass immer 50 Prozent dagegen sind. Für mich persönlich wäre es viel einfacher, ein vollständiges Nichtraucherverbot auszusprechen."

Rauchfreies Österreich

Die schrittweise Umsetzung sei aber mit EU-Gesundheitskommissar Markos Kyprianou abgesprochen, "in den nächsten Jahren" soll es ein "vollständig rauchfreies Österreich" geben. Gleichzeitig warnt Kdolsky aber auch vor "amerikanischen Zuständen, bei denen Raucher als kriminell angesehen werden." Auf diese Aussage entgegnete der Lugenfacharzt: "Wenn man andere schädigt, dann ist man kriminell."

Diskriminierung ist richtiger Beginn

Sozialmediziner Michael Kunze begrüßt hingegen die Kampagne. Er spricht von einem "wichtigen Beginn". Für ihn ist es unumgänglich, dass "man Raucher sozial diskriminieren muss, um eine Änderung herbeizuführen". Er stärkt Kdolsky zudem den Rücken: "Ärzte haben es leichter, ein vollständiges Rauchverbot zu fordern. In der politischen Umsetzung habe ich Verständnis für eine behutsamere Vorgangsweise." (red/APA)

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