Urlaub für MS-Patienten

12. September 2007, 17:00
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Der Ferienhausanbieter Novasol unterstützt die Dänische Gesellschaft für Multiple Sklerose dabei, MS-Patienten Urlaub möglich zu machen

Eine Behinderung zu haben ist nicht in jedem Land mit den gleichen Konsequenzen verbunden. Bedeutet es in einigen Ländern eine Einschränkung der Lebensqualität, so gibt es auch Länder, die zeigen, wie man es besser machen kann. Dänemark beispielsweise hat es sich zum Ziel gesetzt, Behinderten ein "normales" Leben zu ermöglichen. Dazu gehört, dass Behinderte so lange wie möglich ein selbständiges Leben in den eigenen vier Wänden führen können. Die dafür notwendigen Hilfsmittel werden zur Verfügung gestellt. Bei den Ausgaben für notwendige Wohnungseinrichtungen greift man den Betroffenen unter die Arme, die Gemeinde muss für Rehabilitation und Beschäftigungsangebote sorgen. Behinderte, die nicht zu Hause wohnen können, leben in Dänemark in kleinen Wohngemeinschaften oder selbständigen Wohnungen statt in großen Heimen.

Für alle erreichbar

Aber auch im Tourismus ist Dänemark bestrebt, Reisen für Menschen mit Behinderungen genauso möglich zu machen wie für alle anderen. Öffentliche Neubauten müssen die Belange von Rollstuhlfahrern berücksichtigen, Museen, Unterkünfte, öffentliche Transportmittel sowie Restaurants und verschiedene Sehenswürdigkeiten investieren freiweillig vermehrt in barrierefreie Ausstattungen. Der Verein "Erreichbarkeit für alle" ("Tilgængelighed for alle") hat ein Logo entwickelt, das auf besonders handicap-geeignete touristische Organisationen hinweist. Seit 2004 wurde die Auszeichnung an sechs dänische Tourismus-Unternehmen verliehen, darunter das Legoland in Billund.

Das Logo wird an Unterkünfte, Restaurants, Attraktivitäten und Konferenzstandorte sowie Sehenswürdigkeiten vergeben und informiert über Zugänglichkeit und Barrierefreiheit der Betriebe. Ausschlaggebend für die Vergabe ist die Berücksichtigung der Betriebe einer oder mehrerer Behindertenkategorien wie Geh-, Arm und Handbehinderte, Sehbehinderte, Hörbehinderte oder Rollstuhlfahrer. Auf der Internetseite godadgang.dk können aus den verschiedenen Betriebskategorien unter Berücksichtigung der Behinderung mit dem Logo ausgezeichnete Unternehmen ausgewählt werden. Eine genaue Beschreibung der in Frage kommenden Betriebe erläutert Details wie Rampensteigungen, Breite der Türen und sogar, ob für eine Vorbeugung gegen Schimmelpilz vorhanden ist.

Dänische Dörfer

Vor allem auch in den Feriendörfern in Dänemark wird verstärkt Wert auf Barrierefreiheit gelegt. Ein positiver Sonderfall ist das Feriendorf "Dronningens Ferieby", das von der Dänischen Gesellschaft für Multiple Sklerose ("Scleroseforeningen") errichtet wurde und 1990 vom dänischen Komitee für das Europöische TourismusJahr als eines der zugänglichsten Ferienangebote für Gehbehinderte in Dänemark ausgezeichnet wurde. Das Feriendorf liegt direkt am Strand von Grenaa auf der Halbinsel Djursland, die bekannt ist für ihre abwechslungsreichen Landschaften, die Landkirchen und die vorzeitlichen Denkmäler.

Die 44 Häuser der Anlage wurden speziell für die Bedürfnisse von Behinderten und deren Familien konzipiert. Die Höhe von Küchentisch und Waschbecken lassen sich beispielsweise individuell regulieren, alle Türen im Inneren der Häuser sind Schiebetüren. Eine eigene Badebrücke wurde speziell für Rollstuhlfahrer entworfen, Hilfsmittel können geliehen oder gemietet werden. Die Angestellten des Feriendorfs kennen den Alltag von Behinderten, haben nicht die Kontaktschwierigkeiten, wie man sie von Servicekräften im Umgang mit Behinderten kennt und sie kennen die speziellen Bedürfnisse behinderter Menschen.

Urlaub möglich machen

Der Ferienhausanbieter Novasol hat im August die Aktion "Sponsorhus" (Sponsor-Haus) gestartet. Urlauber, die eines der Novasol-Ferienhäuser in Dänemark buchen, unterstützen damit die dänische MS-Gesellschaft und MS-Patienten. Mit Hilfe von Spenden der Novasol-Ferienhausbetreiber kann die dänische MS-Gesellschaft MS-Patienten und ihren Familien Urlaub ermöglichen - entweder im Dronningens Ferieby oder an jedem anderen Urlaubsziel. Außerdem fließen die Spendengelder in den Unterhalt des Dronningens Ferieby sowie in die MS-Forschung.

"Behinderten Menschen die idealen Voraussetzungen für ihren Aufenthalt in einem Ferienhaus zu bieten ist sehr schwer und mit hohen Kosten verbunden", erklärt John Brüggmann von Novasol, Anbieter von Ferienhäusern in ganz Europa. "Da wir diese Voraussetzungen nicht erfüllen können, haben wir uns entschlossen, einen anderen Weg zu gehen. Die Betreiber unserer Ferienhäuser haben sich auf freiwilliger Basis dazu bereit erklärt, einen Teil ihrer Mieteinnahmen der Dänischen Gesellschaft für Multiple Sklerose zur Verfügung zu stellen."

"Wir sind sehr froh darüber, dass Novasol sich an dem Projekt "Sponsorhus" beteiligt. Urlaub ist wichtig für jeden einzelnen von uns und für Menschen, die an einer Erkrankung wie MS leiden noch viel mehr", erklärt Irene Koch Pedersen von der Dänischen Gesellschaft für Multiple Sklerose. "Mit den Spenden von Novasol sind wir in der Lage, noch mehr MS-Patienten und deren Familien einen Urlaub zu ermöglichen." Pro Patient und Aufenthalt werden etwa 10.000 Dänische Kronen - das sind etwa 1.350 Euro - aufgewendet.

Weitere Länder sollen folgen

Der Preis für einen Aufenthalt in einem Ferienhaus liegt je nach Land, Lage, Ausstattung und Buchungszeitraum zwischen 300 und 2.500 Euro. Die Betreiber der Häuser entscheiden selber, wieviel sie von den Einnahmen für die MS-Gesellschaft spenden wollen. Die Teilnahme an dem Projekt ist nicht verpflichtend und es wird auch nicht bekanntgegeben, welche Vermieter spenden. "Wir wollen keinen Druck auf die Betreiber ausüben. Ein sehr wichtiger Punkt ist die Freiwilligkeit. Es gibt aber schon jetzt zahlreiche Rückmeldungen", freut sich Brüggmann über die rege Teilnahme der Ferienhausbetreiber.

Seit 15. August läuft das Projekt in Dänemark und es soll auf andere Länder ausgeweitet werden, wenn es sich als erfolgreich herausstellt. Auch Betreiber von Ferienhäusern in Österreich sollen dann an der Aktion teilnehmen können. (ham)

  • Behinderte und nichtbehinderte Menschen können im "Dronningens Ferieby" gleichermaßen ihren Urlaub genießen.
    foto: dronningens ferieby

    Behinderte und nichtbehinderte Menschen können im "Dronningens Ferieby" gleichermaßen ihren Urlaub genießen.

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