Heuschrecken lauern vor den Spitälern

31. Oktober 2007, 11:25
159 Postings

Gesundheitsökonom Christian Köck hält Gesundheitsministerin Kdolskys Einsparungsziel von drei Milliarden für realistisch

Auf der Suche nach neuen Renditen haben Private Equity Fonds die Spitäler entdeckt. Es gebe dort durch zahlreiche Ineffizienzen tatsächlich "eine Menge zu verdienen", sagt Spitalsexperte Christian Köck. Profitieren könnten von Einsparungen auch die Patienten.

****

Wien – Sie werden früher oder später kommen, die als „Heuschrecken“ verschrienen Private Equity Fonds, und sich in unsere Spitäler einkaufen, prophezeit Christian Köck. Wie in Deutschland, wo bereits 15 Prozent der öffentlichen Krankenhäuser in Privathand sind. Im Gesundheitsbereich, oder besser in den Spitälern, liege „viel Speck an“, was die Fonds anlocke.

Einsparungen bedeute aber nicht zwingend weniger ärztliche Versorgung. Der Spitalsmanager und Gesundheitsökonom Christian Köck im Gespräch mit dem Standard: „Niemand kann realistischerweise davon ausgehen, dass wir weniger für das Gesundheitssystem – das umfasst den gesamten Sektor vom Spital über die Rehabilitation bis zur Altenbetreuung – ausgeben werden. Es wird sogar mehr werden. Im Krankenhausbereich kann man aber mit Sicherheit enorme Summen einsparen.“ Diese Einsparungen könnten zu einem „effizienteren und qualitativ höherwertigeren Gesundheitssystem“ führen, ist Köck – er ist auch Betreiber des Thermen- und Therapiezentrums Bad Gleichenberg – überzeugt.

Die von Rechnungshof und Gesundheitsministerin Andrea Kdolsky ins Gespräch gebrachte Summe von fast drei Milliarden Euro Einsparungspotenzial „kommt schon hin“, meint der früherer Chef des Liberalen Forums (LiF).

Viel „Speck“

Wo liegt nun der „Speck“ in den Spitälern, auf den die Fonds scharf sind? Köck: „Bei vielen ineffizienten Strukturen, bei der mangelnden Auslastung. Ein Problem sind auch die teuren Investitionen in den Spitälern, die im Grunde nur zwischen acht und 13 Uhr, und nicht zwischen acht und 22 Uhr genützt werden. Prozesse und Abläufe können überall effektiver gestaltet werden. Der EDV-Durchdringungsgrad ist viel zu minimal. Fieberkurven werden noch immer handschriftlich eingetragen. Das ist auch ein Qualitätsrisiko, weil das oft nicht lesbar ist. Man kann so auch nie einen Online-Qualitäts_check machen. Der Einkauf, die Laborressourcen können optimiert werden, die Dienstleistungen zentralisiert. Und schließlich die Frage der Anwesenheit der Mitarbeiter. Wo sind die Ärzte? Operieren die Ärzte während der Arbeitszeit privat? Das muss erfasst werden. Da ist in der Summe wirklich viel zu holen.“

Kleinspitäler sperren

Einsparungen im Spitalsbereich müssten aber umgeschichtet werden hin zu den niedergelassenen Ärzten, für neue Ärztezentren oder „Ärzte GesmbHs“, die eine Primärversorgung – wie jetzt in Ansätzen geplant – rund um die Uhr sicherstellen sollen. Aber eben vor Ort und außerhalb der teuren Spitäler. Köck: „Einsparungen im Spitalsbereich sind sinnvoll, weil sie in diesen anderen Bereichen gebraucht werden und die Gelder dort besser eingesetzt werden können. Aber auch, um in Zukunft die medizinischen und technischen Innovationen zu finanzieren, damit sie weiterhin allen zugänglich werden. Unabhängig vom Einkommen.“

Die abgespeckten Krankenhäuser könnten sich dann spezialisieren. „Kleinere Spitäler sollte man aus Kostengründen überhaupt sperren. Aus Qualitätsgründen. „Ein kleines Krankenhaus macht alles, aber alles selten und in der Tendenz natürlich schlechter als Spitäler, die zum Beispiel Operationen häufig machen.“ Köck befürchtet, es werde dennoch strukturell alles beim Alten bleiben: „Es geht ja letztlich um die Kontrolle der Politik über die Spielwiese Spital.“ (Walter Müller, DER STANDARD, Printausgabe, 3.9.2007)

  • Gesundheitsökonom und Ex-LiF-Chef Christian Köck ortet jede Menge Einsparungspotenzial in den Spitälern.
    foto: standard/fischer

    Gesundheitsökonom und Ex-LiF-Chef Christian Köck ortet jede Menge Einsparungspotenzial in den Spitälern.

  • Durch Einsparungen im Verwaltungssystem könnten Mittel für eine bessere Betreuung frei werden.
    foto: standard/newald

    Durch Einsparungen im Verwaltungssystem könnten Mittel für eine bessere Betreuung frei werden.

Share if you care.