der schönste Tag der Woche: "Dreckspritzer"

1. September 2007, 10:00
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Was soll ich sagen? An sich dachte ich ja, dass in den unendlichen Weiten des Fernseh-Universums keine neuen Entdeckungen mehr zu machen wären

Palmsamstag

Nachher ist man immer gescheiter. An diesen Sinnspruch musste ich denken, als ich unlängst in der Notaufnahme des AKH saß und darauf wartete, von einem HNO-Arzt begutachtet zu werden. Nach exakt drei Stunden und 43 Minuten tauchte dann auch tatsächlich ein junger Mann auf, der mir nach einer kurzen Untersuchung eine Spritze mit 500 mg Kortison verabreichte und mich mit den aufmunternden Worten: "Das werden wir schon hinkriegen" wieder nach Hause schickte. (Nebenbei: Ginge es nach der schwarzen Gesundheitsministerin Kdolsky, könnte die Wartezeit in der Notaufnahme durchaus auch neun Stunden betragen.) Nachdem ich am darauffolgenden Tag eine weitere Injektion mit derselben Menge Kortison bekommen hatte, sah ich kurzzeitig ein bisschen aus wie Hermes Phettberg in seinen besten Tagen, also ziemlich blad.

Was mich darauf bringt, dass sich am 2. September der Todestag des schwedischen Schriftstellers Frederik Palmblad zum 155. Mal jährt, wobei Palmblad nicht mit "fetter Palm", sondern mit "Palmzweig" zu übersetzen wäre. Falls Sie ein Buch von Frederik Palmblad lesen wollen, greifen Sie zu dem vierbändigen Schinken Aurora Königsmark und ihre Verwandten. Darin schildert Palmblad das Leben besagter Aurora, die ihrerseits die Geliebte Friedrich Augusts I. von Sachsen (Beiname: "Der Starke") war, was uns aber eindeutig viel zu weit weg vom AKH führt.

Jetzt werden Sie sich möglicherweise fragen, was der Grund meines AKH-Besuchs war, und ob sich das mit der Bladheit wieder gelegt hat. Letztere Frage kann ich mit Ja beantworten, zur Beantwortung der ersteren muss ich etwas weiter ausholen: Bekanntlich betreibt der ORF zwei Fernsehkanäle, wobei sich Kanäle dadurch auszeichnen, dass in ihnen Abwässer und Unrat gesammelt und schließlich entsorgt werden. Vor diesem Hintergrund kommt der Formulierung "Das ORF-Programm ist Scheiße" gleich eine ganz andere Bedeutung zu. Ich darf das so drastisch formulieren, weil ich ein Opfer dieses Programms wurde. Und das kam so. Ein Bekannter erzählte mir allerlei Schauermärchen über den neuen ORF und meinte, dass Sendungen wie "Extrazimmer", "Die liebe Familie - Next Generation", "Willkommen Österreich" etc. unüberbietbar miserabel wären. Da ich das für absolut übertrieben hielt, wettete ich mit ihm, dass ich mir besagte Sendungen ansehen könnte, ohne gesundheitliche Schäden davonzutragen. Und das war ein schwerer Fehler.

Was soll ich sagen? An sich dachte ich ja, dass in den unendlichen Weiten des Fernseh-Universums keine neuen Entdeckungen mehr zu machen wären, aber all diese traurigen Gestalten, die zurzeit durch die ORF-Kanäle geschwemmt werden und deren Namen ich gar nicht nennen möchte, haben den Beweis geliefert, dass es neben schwarzen Löchern, Quarks und Quasaren tatsächlich auch unheimliche Begegnungen der dritten Art gibt. Auf den ORF trifft jedenfalls zu 100 Prozent die Diagnose des Physik-Nobelpreisträgers Leon Cooper zu, der einmal meinte: "Zu viel Fernsehen löst das Gehirn auf."

Und auf manche Programmideen wieder passt ein Wort, das Brecht in der Dreigroschenoper verwendete: "Dreckspritzer". Mich hat die ORF-Ladung jedenfalls mit ihrer ganzen Wucht getroffen und in meinem Kopf ein richtiges Schwurbeln und Schmurgeln verursacht, was letztendlich sogar zu einem Hörsturz führte. Dank der 1000 mg Kortison bin ich aber wieder gesund und kann mich in Ruhe mit der Geschichte des alten Rom beschäftigen, wo man das Kanalisations-System Cloaca maxima nannte, wobei die alten Römer das Fernsehen natürlich noch gar nicht kannten.

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    foto: michaela mandl
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