Justiz nimmt Geschäftsmann ins Visier

7. September 2007, 21:18
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Einer der reichsten Männer Polens, Ryszard Krauze, soll Ex-Vizepremier Andrzej Lepper vor der Polizei gewarnt haben

Einer der reichsten Männer Polens, Ryszard Krauze, wird im Zusammenhang mit der angeblichen Korruptionsaffäre rund um Polens Ex-Vizepremier Andrzej Lepper nun von der Polizei gesucht. Krauze wird vorgeworfen, Lepper gewarnt zu haben.

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Ryszard Krauze ist einer der meistgesuchten Männer Polens. Möglicherweise stellt die polnische Polizei sogar einen europäischen Haftbefehl auf den 51-Jährigen aus, der mit einem von der Zeitschrift Forbes geschätzten Vermögen von knapp einer Milliarde Euro zu den reichsten Unternehmern Polens gehört. Krauze steht im Verdacht, die Aufdeckung einer Korruptionsaffäre verhindert zu haben.

Als am Donnerstag ein gutes Dutzend Geheimdienst-Agenten seine Villa in Gdingen stürmte und sie durchsuchte, fiel der Kurswert seiner Aktien an der Börse um fast 150 Millionen Euro. Wo genau Krauze sich zurzeit aufhält, ist nicht bekannt. Er sei geschäftlich in der Schweiz, hieß es in den polnischen Medien, aber auch, dass er in Kasachstan sei und die Arbeiten auf seinen Ölfeldern inspiziere, und schließlich, dass er mit seiner Jacht in der Südsee kreuze.

Verhaftungen

In einer groß angelegten Aktion hatte der Geheimdienst Donnerstag früh auch Ex-Innenminister Janusz Kaczmarek verhaftet, außerdem Jaromir Netzel, den Chef der größten Versicherung Polens PZU, und den ehemaligen obersten Polizeichef Polens, Konrad Kornatowski. Sie alle sollen die Ermittlungen der Justiz in behindert haben.

Für den 5. Juli hatte Polens Zentrale Antikorruptionsbehörde (CBA) den großen Coup geplant. Doch Lepper konnte nichts nachgewiesen werden. Dennoch feuerte ihn Polens Staatspräsident Lech Kaczynski. Wenig später zerbrach dann auch die Regierungskoalition. Polens Staatsanwaltschaft ist überzeugt, dass Kaczmarek Lepper den entscheidenden Tipp gab.

Am Vorabend der geplanten Aktion habe Kaczmarek sich mit Krauze in dessen Appartement im 40. Stock des Warschauer Hotels Marriott getroffen. Krauze habe kurz darauf seinen Bekannten, den Samoobrona-Parlamentarier Lech Woszczerowicz, angerufen. Am nächsten Tag wurde dieser an der Seite Leppers gesehen, der plötzlich von einer "Aktion" zu sprechen begann, die der Geheimdienst inszeniert habe, um ihn politisch zu erledigen.

Kaczmarek und Krauze streiten vehement ab, sich an dem Abend gesehen zu haben. Kaczmarek beteuert vielmehr, sich mit dem Versicherungschef Netzel im Restaurant Parmizzano im Parterre getroffen und dann lediglich einen Drink in der Bar im 40. Stock genommen zu haben. Krauze streitet ebenfalls ab, sich mit Kaczmarek getroffen zu haben. Vielmehr habe er an dem Abend nur mit seinem alten Bekannten einen Whisky getrunken. Genauso schildert dies auch Woszczerowicz.

Auch Netzel bestätigt die Version Kaczmareks. Er habe sich am 4. Juli abends mit dem Innenminister getroffen, um ihm Dokumente über einen Verlust der PZU zu überreichen. Polens Staatsanwaltschaft hingegen geht davon aus, dass Netzel seinem Studienfreund Kaczmarek nur ein Alibi geben wollte und sich in Wirklichkeit doch mit Krauze getroffen habe. (Gabriele Lesser aus Warschau/DER STANDARD, Printausgabe, 1.9.2007)

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    In der Abhöraffäre ist die polnische Justiz am Freitag gegen Ryszard Krauze vorgegangen, der als einer der reichsten Männer Polens gilt.

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