Nicht mehr als 15 Kinder in der Klasse

2. September 2007, 13:37
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Der Unterricht an der ersten burgenländische Waldorfschule beginnt am Montag, die Unterstützung vonseiten der Öffentlichen Hand ist gering

„Mir ist wichtig, dass meine Kinder g’standene Persönlichkeiten sind, wissen, welche Talente sie haben, und wie sie sich präsentieren können“, erklärt Birgit Braunstein, Winzerin in Purbach, ihre Beweggründe, ihre neuneinhalbjährigen Zwillingssöhne in der Sonnenlandschule anzumelden. Faszinierend an der Waldorfpädagogik, die sie über ihre Nichte kennen gelernt hat, sei nicht nur der philosophische Ansatz – „die Kinder werden in ihrer Entwicklungsphase abgeholt und nicht in ein vorgeformtes System gepresst“ –, sondern auch die Methoden: „Es wird viel mit Handwerk und Natur gearbeitet.“ Das passe zur Lebenseinstellung einer Winzerin, die ihren Betrieb gerade auf Bio-dynamik umstellt.

Die Sonnenlandschule ist die erste im Burgenland, an der nach den Prinzipien der Waldorfpädagogik unterrichtet wird, deren geistiger Vater Rudolf Steiner ist. Jeweils drei Altersjahrgänge in Klassen von maximal 15 Kindern werden von zwei Lehrern betreut: Die Idee dahinter ist, dass die Jüngeren von den Älteren lernen sollen, da nach Waldorf-Philosophie Kinder durch Nachahmen und Vorbildwirkung lernen. Derzeit gibt es in ganz Österreich 13 Schulen mit rund 2400 Schülern.

Elterninitiative

Der burgenländische Zweig „Verein Waldorf Initiative Sonnenland“ wurde von Silvia Jany organisiert, Hausfrau in Neufeld an der Leitha und Mutter von zwei erwachsenen Kindern und einer vierjährigen Tochter. Vor etwa vier Jahren begann sie sich für Waldorf-Pädagogik zu interessieren. Im März 2007 setzten insgesamt sechs Elternpaare erste Schritte, um diese Schulform auch in ihrem Bundesland einzurichten.

Die erste burgenländische Waldorfschule hat derzeit sieben Schülerinnen und Schüler, die ab 3. September vorerst als Zwischenlösung im Rahmen des häuslichen Unterrichts von einer ausgebildeten Waldorfpädagogin unterrichtet werden. Ab dem Schuljahr 2008/09 soll es auch ein Gebäude in Eisenstadt geben, ist Jany hoffnungsfroh. Derzeit wird von der ersten bis zur vierten Schulstufe unterrichtet, ab Herbst 2008 wird auch eine fünfte Schulstufe angeboten, für die eine weitere Pädagogin engagiert wird. Die Unterstützung vonseiten der Öffentlichen Hand sei sehr gering, so Jany. Die Schule finanziert sich derzeit durch die Eltern, die rund 300 Euro pro Monat und Kind zahlen, Sponsoren werden noch gesucht.

Erwin Deutsch, Landesschulinspektor für den Pflichtschulbereich im Burgenland, begrüßt reformpädagogische Einrichtungen, da „viele wertvolle Ansätze da sind wie Individualisierung und Förderung der Selbstständigkeit“. Aber ihm wäre es grundsätzlich lieber gewesen, die Waldorfschule in eine öffentliche Schule zu integrieren. Gescheitert sei es daran, dass zwar Lehrpersonen mit der entsprechenden Ausbildung da wären, es aber derzeit keine Anstellungsmöglichkeiten von Landesseite gibt. (Luzia Schrampf/DER STANDARD-Printausgabe, 1./2. September 2007)

  • Der "Verein Waldorf Initiative Sonnenland" gründete die erste Waldorfschule Burgenlands.
    foto: privat

    Der "Verein Waldorf Initiative Sonnenland" gründete die erste Waldorfschule Burgenlands.

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