Wo die Frau Bürgermeister regiert

7. April 2008, 16:16
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Knochenjob um wenig Geld: 78 Kommunalchefinnen gibt es derzeit in Österreich, nun wollen sie sich vernetzen

78 Bürgermeisterinnen gibt es derzeit in Österreich. Die meisten üben ihr Amt in Orten mit weniger als 3000 EinwohnerInnen aus. Das bedeutet einen Knochenjob um wenig Geld. Nun wollen sich die Kommunalchefinnen österreichweit vernetzen.


Wien – "Farbübergreifend", dieses Wort ist Sonja Ottenbacher ganz wichtig, wenn sie vom ersten österreichischen Bürgermeisterinnentreffen erzählt. Zu einem solchen hat sie ihre Amtskolleginnen nach Stuhlfelden in Salzburg eingeladen. Über alle politischen Coleurs hinweg sei es an der Zeit, dass sich die Bürgermeisterinnen vernetzten, sagt Ottenbacher. Am Freitag kamen 32 Ortschefinnen in Ottenbachers Gemeinde im Oberpinzgau zusammen, um ihre Erfahrungen als Kommunalpolitikerinnen auszutauschen, ganz leger, ohne Tagesordnungspunkte und mit Open End.

78 Frauen

Die VP-Politikerin Ottenbacher (siehe "Ich bin trotzdem angetreten") ist eine von 78 österreichischen Bürgermeisterinnen. Das sind bei 2357 Gemeinden gerade einmal 3,3 Prozent – im Vergleich dazu wird in Lettland, das europaweit führt, jedes dritte BürgermeisterInnenamt von einer Frau bekleidet. Mit Hilde Zach ("Für Innsbruck") in Innsbruck und Andrea Fraunschiel (VP) in Eisenstadt werden derzeit zwar zwei Landeshauptstädte von Frauen regiert, der Großteil ist jedoch in Gemeinden unter 3000 EinwohnerInnen tätig. Und das bedeutet viel Arbeit um wenig Geld.

Darin sieht Daniel Kosak vom Gemeindebund auch einen der gewichtigsten Gründe, warum es immer schwieriger wird, Menschen zu finden, die sich in der Kommunalpolitik engagieren wollen und Ämter anstreben. Für Frauen gelte dies besonders, denn im Alter zwischen 25 und 40 Jahren haben Frauen vielfach eine andere Lebensplanung: Berufliche Karriere, Familiengründung – viele haben da wenig Motivation, den Zug durch die Gemeindeinstitutionen zu machen und an mehreren Abenden die Woche und an Wochenenden auf Feuerwehrfesten Hände zu schütteln und sich beim Sportverein blicken zu lassen. Rund 32 Wochenstunden ist die Arbeitsbelastung für nebenberufliche BürgermeisterInnen.

Noch dazu kann man in einer kleinen Gemeinde vom BürgermeisterInnengehalt allein nicht leben. Dessen Höhe hängt in den meisten Bundesländern von der Größe der Kommune abhängt. 44 Prozent der österreichischen Bürgermeisterinnen und Bürgermeister verdienen netto zwischen 1000 und 1400 Euro, nur 5,1 Prozent bekommen jeden Monat mehr als 2800 Euro aufs Konto.

Aber auch weil nach wie vor die traditionellen Rollenbilder, sowohl bei Männern als auch bei Frauen, vorherrschten, seien Frauen in der österreichischen Kommunalpolitik noch immer unterrepräsentiert. Zu diesem Ergebnis kamen die Salzburger Politikwissenschafterinnen Elisabeth Wolfgruber und Karin Hofer in ihrer Studie "Warum werden Frauen nicht gewählt?", die sie anlässlich der Salzburger Gemeinderatswahlen 1999 durchführten. So gaben zwar 40 Prozent der Befragten an, dass die Mitarbeit von Frauen in der Lokalpolitik "wichtig" sei – 38 Prozent gaben sogar an, sie sei "sehr wichtig". Aber auch 30 Prozent wollten die Aussage "Frauen sollten in Zukunft mehr in der Politik vertreten sein". nicht mit Ja beantworten.

"Stolz auf dich"

"Manche Leute sind immer noch ganz verwundert, dass es schon 78 Bürgermeisterinnen gibt", weiß Ottenbacher aus Erfahrung. Gut tue es dann, wenn sie in ihrer Gemeinde hört: "Wir sind stolz auf dich." (Bettina Fernsebner-Kokert/DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.8. 2007)

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"Ich bin trotzdem angetreten"
Sonja Ottenbacher ist eine der drei ersten Bürgermeisterinnen in Salzburg - Ihr Vorgänger wollte einen Mann als Nachfolger
  • Die Gemeindeämter sind eine Männerdomäne, nur 3,3 Prozent der Gemeinden werden von Frauen geführt.
    foto: standard/cremer
    Die Gemeindeämter sind eine Männerdomäne, nur 3,3 Prozent der Gemeinden werden von Frauen geführt.
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