Bawag Foundation vor Umbau und Übersiedlung

17. Oktober 2007, 11:30
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Die Galerie der Bank muss übersiedeln. Gespräche zur Zusammenlegung mit der EA Generali Foundation laufen, eine Fusion wird aber dementiert

Wien – Die amerikanischen Eigentümer der Bawag wollen sich von allem trennen, was nicht zum Kerngeschäft gehört; Schuhhandelskette Stiefelkönig, Klavierfabrik Bösendorfer, Fernsehsender ATV stehen zur Disposition. Nun haben sich Gerüchte verdichtet, Cerberus wolle auch die Bawag Foundation zusperren; die 1974 gegründete Galerie der Ex-Gewerkschaftsbank.

Diese Radikalvariante dürfte inzwischen abgewendet sein. "Zusperren ist kein Thema", sagt ein Bawag-Sprecher. Gröbere Veränderungen stehen dem renommierten Kunst-Etablissement mit Sitz in den Wiener Tuchlauben aber trotzdem bevor, auf jeden Fall wird die Foundation übersiedeln. Der Banksprecher dazu: "Es laufen Überlegungen für einen neuen Standort." Die Begründung: Es gibt großes Interesse an dem bankeigenen, zweigeschoßigen Standort an einer der teuersten Straßen Wiens, die Bawag will das Lokal vermieten und rechnet mit prächtigen Einnahmen, im Idealfall ab Anfang 2008.

Zeitgenössische österreichische Kunst

Die Bawag war 1974 eines der ersten österreichischen Unternehmen, das sich der Künstlerförderung und Kunstvermittlung widmete. Die Foundation organisiert und zeigt fünf Ausstellungen pro Jahr, betreut auch die aus 900 Kunstwerken bestehende Sammlung der Bank, die in erster Linie zeitgenössische österreichische Kunst umfasst. Ab 1995 (damals beerbte Helmut Elsner Bankchef Walter Flöttl; selbiger besitzt übrigens eine beachtliche Sammlung) wurden auch Werke internationaler Künstler angeschafft.

Tatsächlich könnte die nächste Vernissage am 14. September ("Romantischer Konzeptualismus") aber nicht nur die Finissage für die Location Tuchlauben sein, sondern auch für die selbständige Foundation. Es gibt nämlich Ideen für eine Kunst-Fusion.

Demnach soll die Bawag Foundation mit der angesehenen EA Generali Foundation in der Wiedner Hauptstraße zusammengelegt werden und unter dem Namen "Foundations Quartier" firmieren.

Schwierige Kunst

Die Generali Foundation ist ein privater Kunstverein, Präsident ist Ex-Generali-Chef Dietrich Karner, Vereinszweck "die Förderung der zeitgenössischen bildenden Kunst". Die Sammlung des Versicherungskonzerns umfasst 2100 Werke von 170 Künstlern – in den Ausstellungen zeigt man laut Homepage "auch Kunstwerke, die als schwierig oder spröde abgetan werden".

Der Ursprungsplan mancher Bankmanager, dass die Bawag Foundation völlig in jener der EA Generali aufgeht, dürfte nun aber vom Tisch sein. Man denke nur über einen gemeinsamen Standort mit der Generali nach, Konzept und Name der Bawag Foundation sollen bleiben, sagen Eingeweihte.

Flöttl-Bilder noch in New York

Zwar kauft die Bawag seit 2003 keine Kunstwerke mehr an, trotzdem hat sie seit kurzem neue Kunst in ihrem Besitz: fünf Bilder des verstorbenen Malers und Flöttl-Freundes Franz Zadrazil. Sie stammen aus der an die Bawag überschriebenen Kunstsammlung von Ex-Investmentbanker Wolfgang Flöttl und wurden nun aus dem Zürcher Zollfreilager nach Wien geholt. Ein paar einstige Flöttl-Bilder gibt es noch, aber die muss die Bawag in New York abholen. (Renate Graber, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 31.8.2007)

  • Helden der Arbeiterklasse und andere Kunstinteressierte müssen sich die Ausstellungen der Bawag Foundation künftig an einem neuen Standort anschauen.
    foto: standard/cremer

    Helden der Arbeiterklasse und andere Kunstinteressierte müssen sich die Ausstellungen der Bawag Foundation künftig an einem neuen Standort anschauen.

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