Ein Laptop in jede Schultasche

11. September 2007, 12:19
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Es ist wieder Zeit, Schultaschen zu packen und die Grundausstattung für Erstklassler zu besorgen, und wie jedes Jahr wird in den meisten Taschen eines der wichtigsten Kulturwerkzeuge fehlen: der eigene Laptop

Es ist wieder Zeit, Schultaschen zu packen und die Grundausstattung für Erstklassler zu besorgen, und wie jedes Jahr wird in den meisten Taschen eines der wichtigsten Kulturwerkzeuge fehlen: der eigene Laptop. Ich weiß, ich weiß - es gibt Laptopklassen und viele interessante "Computer"-Projekte in Schulen.

"Laptopklasse"

Aber schon am Begriff der "Laptopklasse" lässt sich der Mangel festmachen: Oder haben wir etwa "Buchklassen", wo jedes Kind sein eigenes Buch bekommt, oder "Notizheft- & Kugelschreiber-Klassen" mit Schreibutensilien für jedes Kind, im Gegensatz zu Klassen mit geteilten, oder gar in Sälen weggesperrten Büchern und Schreibsachen?

Internet und PC (und andere Zugangsgeräte) sind unglaubliche Mittel zur Wissensvermittlung, und darum gehören sie ebenso wie Bücher und Schreibutensilien von der ersten Klasse an in jede Schultasche.

Nur eine Lernmöglichkeit von vielen, die mir in den letzten Tagen unterkam: Google Earth ermöglicht jetzt auch den Blick in den Sternenhimmel (der in Städten aufgrund der künstlichen Helligkeit bei Nacht kaum noch möglich ist). Getrieben vom eigenen Forscherdrang bewegt man sich dabei durch den Nachthimmel, erkundet Sterne und hantelt sich von einem Ort des Wissens zum nächsten, indem man seiner Neugier folgt.

Google Earth und Google Maps

Oder Google Earth und Google Maps: Was für tolle Geografie-Stunden ergeben sich wohl aus den vielen Ferienreisen, die von den Schülerinnen und Schülern einer Klasse in den vergangenen Wochen unternommen wurden. Diese gemeinsam in einer Karte einzutragen, mit Bildern zu dokumentieren und dazugehörigen Information zu verlinken und vertiefen würde Stoff für viele Stunden liefern. (Gut möglich, dass sich Google zu einer der zentralen Bildungsinstitutionen unserer Tage entwickelt - viele Projekte des Onlinekonzerns, wie Google Earth und Sky oder die Digitalisierung der Bibliotheken, sind aus kommerziellen Gesichtspunkten heraus nicht zu verstehen.)

Maria Montessori, immer noch ein Fixstern am Himmel der Pädagogik, hätte beste Verwendung für all diese Möglichkeiten gehabt. Eine ihrer zentralen Ideen war es, Kindern eine stimulierende, reichhaltige Lernumgebung zur Verfügung zu stellen, in der sie ihrer Neugier folgen können und die Anreize zu lernen stimulieren. Richtig genutzt und entwickelt gibt es kein anderes Medium mit einem derart reichhaltigen inhaltlichen Angebot - und der individuellen Möglichkeit, selbst darin aktiv und produktiv zu werden.

Verzicht

Das alles bedeutet keinen Verzicht auf das vorhandene pädagogische Repertoire, vom Buch bis zum Pandabesuch in Schönbrunn - aber es ist ein dringender Appell, die neuen Möglichkeiten nicht wie derzeit fahrlässig außer Acht zu lassen. Seit in den 80er-Jahren unter Kurzzeit-Unterrichtsminister Helmut Zilk der Informatikunterricht eingeführt wurde, gab es keine tief gehende Debatte darüber, wie die Schulen die seither rapide weiterentwickelte digitale Kulturtechnik integrieren sollen. Höchste Zeit, die digitale Schultasche zu packen.

P.S. Eine wunderbare analoge Anwendung kam mir vor Kurzem im Freundeskreis mit Erstklasslern unter: Zwei Volksschullehrerinnen schrieben schon vor Schulbeginn ihren künftigen Schülerinnen und Schülern einen Willkommensbrief. Wie viel leichter würden sie sich in den nächsten vier Jahren tun, wenn sie den Dialog auch elektronisch fortsetzen könnten. (Helmit Spudich, DER STANDARD Printausgabe, 39 .Augut 2008)

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