Freiluftnaturkunde

6. September 2007, 18:47
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Zur Entfachung der gemeinen Lust auf das Geheimnisvolle, Verborgene und Melancholische: Mark Dion im Schlosspark Grafenegg

Während man letzten Samstag für den Auftakt des Musikfestivals Grafenegg probte, wurde im Schlosspark ein neues Projekt von Kunst im öffentlichen Raum Niederösterreich präsentiert. "Kunst im Park" nennt sich die Reihe, die Mark Dion mit seinem "Buchsdom Tower" eröffnet hat.

Als Auftakt für die Reihe "Kunst im Park" hätte die Jury von Kunst im öffentlichen Raum Niederösterreich kaum einen passenderen Künstler als Mark Dion auswählen können. Seit Mitte der 80er-Jahre untersucht der Amerikanischer in seinen materialreichen Installationen und Objekten die Geschichte unseres Umgangs mit Natur in Zusammenhang mit den jeweiligen gesellschaftlichen Konzepten.

Im Schlosspark von Grafenegg, der nach den Prinzipien historischer Landschaftsgärten des 19. Jahrhunderts angelegt wurde, bezieht er sich mit seinem "Buchsdom Tower" insofern auf die Geschichte des Parks, als dass er in dem märchenhaften Ambiente die romantische Lust auf das Verborgene, Geheimnisvolle und Melancholische reinszeniert. In einem entlegenen Eck hat Dion in der Mitte eines Buchsbaum-Rondells einen baufällig wirkenden Ziegelturm installiert, der im unteren Teil die Sicht auf ein Diorama eröffnet. Das Setting zeigt ein halb verwestes Reh in einer kunstvoll arrangierten Waldlandschaft. Im zeitgemäßen Naturkundemuseum hätte dieses Bild nichts mehr verloren; im Schlosspark führt es die mit dem Gebäude und Garten verbundenen Ideale in konzentrierter Form vor.

In den kommenden Monaten werden im Rahmen des ambitionierten Projekts drei weitere Stationen eröffnet: ein Film von Catrin Bolt, ein Trinkwasserbrunnen von Marjetica Potrc und "ein etwas anderes Denkmal" von Little Warsaw. (cb / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 30.8.2007)

Schloss Grafenegg, 3485 Grafenegg

Link: www.publicart.at

  • Artikelbild
    foto: wolfgang wössnerl
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