Über das Produktionstagebuch: "Letzte brauchbare Jugendliche"

6. September 2007, 21:09
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Wien ? Ein sehr dunkles Zukunftsszenario entwarf Carl-Henning Wijkmark 1978 in Der moderne Tod: Zentrale Frage des literarischen Essays war jene, wie man sich in der überalterten Gesellschaft der die Sozialsysteme übermäßig belastenden "kostenintensiven" alten Menschen möglichst ökonomisch entledigen kann.

Anders, aber nicht unbedingt weniger schauerlich sieht die Annäherung an das Thema, das sich eigentlich mit dem sehr hässlichen Unwort "Überalterung" nur unzureichend beschreiben lässt, bei Leopold Lummerstorfer und Martin Puntigam aus: Im Filmprojekt Solange der Vorrat reicht erzählen der Filmregisseur (Gelbe Kirschen, 2000) und der Autor und Kabarettist die Geschichte aus der Perspektive der "letzten brauchbaren Jugendlichen" in einer hoffnungslosen, von einer Art Geriatrie-Dynastie dominierten "Schwundregion".

Sind bei Wijkmark die Alten die Opfer einer Verschwörung von Experten, die ihnen einreden, dass ihr Festhalten am eigenen Leben die Zukunft anderer gefährdet, so sind die Senioren bei Lummerstorfer und Puntigam eher jene, die am längeren Hebel sitzen. In ihrer "drastischen Endzeitsatire" sind die gut abgesicherten Alten (wohl aus der Ära Ante-Pensionsreform) "routiniert im Nehmen".

Wie sich die Jungen, allesamt im Dienstleistungssektor tätig, aus diesem System von Abhängigkeiten, in dem "emotionale Befindlichkeiten keine so große Rolle mehr spielen", befreien und welche Rolle dabei eine Gumball-Rallye spielt, werden Lummerstorfer und Puntigam von nun ab jeden Donnerstagabend in ihrem Produktionstagebuch auf derStandard.at erzählen.

Eine Kolumne, die nicht nur verschiedene Überlegungen zum sozialpolitisch höchst brisanten Thema diskutieren, sondern auch die Entstehung des Films, insbesondere die Finanzierung und Produktion von Filmen in Österreich, mitunter kritisch und überspitzt, dokumentieren wird. (Anne Katrin Feßler / DER STANDARD, Printausgabe, 30.8.2007)

  • Martin Puntigam (links) und Leopold Lummerstorfer dokumentieren per Online-Tagebuch auf derStandard.at/Kultur die Produktion ihres Films "Solange der Vorrat reicht".
    foto: blackbox films/hannelore tiefenthaler

    Martin Puntigam (links) und Leopold Lummerstorfer dokumentieren per Online-Tagebuch auf derStandard.at/Kultur die Produktion ihres Films "Solange der Vorrat reicht".

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