Mehr Kultur, mehr Sport, mehr Deutsch

28. September 2007, 18:39
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Die Unterrichtsministerin tritt für eine Bildungsreform ein und steht voll und ganz hinter der "neuen Mittelschule" - Ein STANDARD-Interview mit Wordrap-Video

SchülerStandard: Wie soll die Ausbildung der Lehrer der Gesamtschule geregelt werden?

Claudia Schmied: Die Frage stellt sich noch nicht, weil wir im Schuljahr 2008/09 mit einzelnen Modellregionen starten, in denen Hauptschul- und AHS-Lehrer gemeinsam unterrichten werden. À la longue trete ich für eine gemeinsame Ausbildung ein. Ich verfolge hier das Konzept des Stufenlehrers, dass man sich nach und nach weiter qualifiziert.

SchülerStandard: Wollen Sie in der Gesamtschule die Leistungsgruppen beibehalten?

Schmied: Die neue Mittelschule wird ganz klar eine Leistungsschule sein, temporär wird es Leistungsgruppen als Neigungsgruppen geben, damit sich Begabungen entfalten können.

SchülerStandard: Wieso glaube Sie, dass sie die Unterstützung der Grünen bezüglich der Gesamtschule verloren haben?

Schmied: Vom Ziel her sind die Grünen ganz bei mir, doch es geht ihnen nicht rasch genug. Aber Schritt für Schritt werden wir uns dem Ziel „Neue Mittelschule“ nähern.

SchülerStandard: Wie lange wird es bis dahin brauchen?

Schmied: Es wird davon abhängen, wie sich die Neue Mittelschule bewährt. Wir brauchen diese Legislaturperiode jedenfalls, und wir müssen Überzeugungsarbeit leisten. Nur wenn viele dafür sind, können wir an eine österreichweite Umsetzung denken.

SchülerStandard: Wie sollen Nachprüfungen und Unterricht ab der ersten Minute vereinbar sein?

Schmied: Hier sind die Direktoren gefordert den Zeitplan so zu gestalten, dass der Übergang und Start gut gelingen.

SchülerStandard: Welche Reform ihrer Vorgängerin könnten Sie sich vorstellen rückgängig zu machen?

Schmied: Mein Projekt ist es, mehr Kultur in die Schule zu bringen. Wichtig ist auch mehr Sport, wobei sich die Schulen an die Vereine wenden sollten. Trainer könnten ihr Leistungstraining dort machen und vielleicht würde das eine oder andere Talent dabei entdeckt. Ebenso möchte ich es mit der Kunst machen: Theater soll nicht etwas sein, das man bloß für den Elternabend arrangiert. Das ist auch für die Integration wichtig.

SchülerStandard: Wie stellen sie sich eine gelungene Integration in Bezug auf die Bildungsreform vor?

Schmied: Der erste Punkt ist die möglichst frühe Sprachförderung. Zweitens müssen wir in den Schulen intensiven Sprachunterricht durchführen. Es ist wichtig, dass es genug Lehrpersonal dafür gibt. Entscheidend wird auch sein, dass wir Kinder von Einwanderern, die hier aufgewachsen sind, als Lehrer gewinnen.

SchülerStandard: Sollte zusätzlicher Deutschunterricht für nicht-deutschsprachige Schüler verpflichtend sein?

Schmied: Ich habe eine Aversion, Bildung mit Verpflichtung und mit Sanktionen zu verbinden. Bildung soll Freude machen und hängt auch von der Qualität des Angebots ab. Ich halte nicht viel von Zwangsmaßnahmen, aber ich glaube, wir sollten den Blick auf eine verpflichtende Sprachförderung legen.

SchülerStandard: Numerus Clausus oder Eignungstest - wie sollen die Unis ihre Studenten auswählen?

Schmied: Es sollte keine Auswahl stattfinden, sondern die Information so gut gelingen, dass jeder der gerne studieren möchte es schafft das Studium seiner Wahl zu finden. (Alexandra Medl, Andrea Stadler, Julia Fellner/SchülerStandard, 4.9.2007)

Zur Person
Claudia Schmied (48), promovierte Betriebswirtin, besuchte als Schülerin ein neusprachliches Gymnasium und ist heute Bildungsministerin.
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