Stauvermeidung: Mit Kameras zur "intelligenten Straße"

5. September 2007, 23:00
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Die Asfinag testet gerade ein Videoüberwachungssystem: Staus sollen so automatisch erkannt und vermieden werden

Wien – "Test zur Stauerkennung" prangt auf dem Banner auf einer Brücke, die bei Wiener Neudorf über die A2-Südautobahn führt, flankiert von einem Gerüst mit mehreren Kameras. Jenen Autofahrern, die am kommenden Wochenende – mit der stärksten Rückreisewelle – ihren Urlaub mit einer Geduldsprobe in einem Stau beenden werden, bringt das freilich wenig. Der ARBÖ warnt in den letzten Tagen vor Schulbeginn in Ostösterreich sowie in den östlichen Nachbarländern vor langen Wartezeiten nicht nur an den Grenzübergängen, sondern auch auf den Nord-Süd-Hauptverbindungen.

Nur Testdaten

Die insgesamt elf Kameras, die an zwei Brücken auf der A2 installiert sind, liefern bisher nur "Testdaten", ebenso wie jene 20 Kameras auf der A23 bei Inzersdorf, die vergangenen Herbst in den bereits fast zwei Jahre dauernden Testbetrieb aufgenommen wurden. Bei den Anlagen handelt es sich um einen Feldversuch, bei dem verschiedene Hersteller in Zusammenarbeit mit der Asfinag Spezialkameras testen, die künftig die punktuellen Sensoren und in den Boden eingelassenen Schleifen, welche derzeit das Verkehrsaufkommen messen, ersetzen sollen. "Wir versuchen, das beste System zu finden", erklärt Asfinag-Sprecher Harald Dirnbacher. "Durch die Videodetektion werden Zählstellen, wo man den Fahrstreifen nicht wechseln darf, überflüssig."

Mit neuen Technologien ist es möglich, das Verkehrsaufkommen auf den einzelnen Fahrstreifen, den Lkw-Anteil, die Geschwindigkeiten und Abstände zwischen den Fahrzeugen vollautomatisch aus den Videobildern abzulesen. "Wenn sich erkennbar ein Stau bildet, melden sich die Daten von selbst", schildert Dirnbacher. Das heißt, der Bildschirm der "Operators" in der Verkehrstelematikzentrale schaltet automatisch auf die richtige Kamera und die betreffende Stelle kann direkt betrachtet werden.

"Intelligente Straße"

Die Daten sollen außerdem in das Verkehrsleitsystem eingespeist werden, um Geschwindigkeitsreduzierungen oder Stauwarnungen so schnell wie möglich auf jenen dreizeiligen Hinweistafeln anzuzeigen, die seit einem Jahr die Autofahrer informieren und Tipps zur Verkehrssicherheit geben. Ziel ist es, Staus und Unfälle zu reduzieren, den Autobahnausbau hinauszuschieben und der Vision der "intelligenten Straße" näher zu kommen. "Wir haben derzeit 2500 Kameras und rund 100 Webcams im Netz. Die könnten alle für die Videodetektion eingesetzt werden", schwärmt der Asfinag-Sprecher. In den nächsten Jahren sollen 10.000 derartige Kameras Österreichs Autobahnen ins Visier nehmen. Die Testphase wird aber noch das ganze nächste Jahr andauern.

Auf der A23 wird seit einem Jahr auch eine automatische Vignettenkontrolle mittels Kameras getestet, die Mautpreller ausfindig machen soll. "Wir haben nichts dagegen, solange die datenschutzrechtlichen Bestimmungen hieb- und stichfest eingehalten werden", heißt es dazu aus dem ARBÖ. Datenschutzbedenken hatte schon die Section Control – kurzfristig – aufgehoben. (Karin Krichmayr, DER STANDARD Printausgabe, 29.8.2007)

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    foto: asfinag
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