Die Impfstoff-Entwicklerin

17. September 2007, 12:51
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Der menschliche Körper als Kampfplatz: Die Immunologin Beatrice Senn macht bei Intercell Karriere

"Im Körper herrscht Krieg. Wir sind ständig damit beschäftigt, Eindringlinge abzuwehren. Zuerst stehen die frühen Abwehrreihen gleich Schützenpanzern bereit: Das sind die Haare auf der Haut, die eine erste Schutzfunktion erfüllen. Später greifen die Soldaten an, das sind die Killerzellen."

Die Immunologin Beatrice Senn beschreibt das menschliche Immunsystem als Kampfplatz, wo immer neue Angriffs- und Verteidigungsstrategien entwickelt werden: Die Viren suchen über Anpassungen neue Schleichwege in den Körper, und das Immunsystem antwortet darauf als Gegenmaßnahme mit der Herausbildung neuer Abwehrmethoden.

Eigentlich wollte die gebürtige Schweizerin nach der Matura Wirtschaft studieren. Doch dann hatte sie einen Traum, der sie in einer "Über-Nacht-Aktion ohne nachzudenken" dazu bewog, an der Eidgenössischen Technischen Hochschule ETH Zürich Biologie zu inskribieren. Senn lernte am renommierten Institut für Experimentelle Immunologie bei Hans Hengartner und Rolf Zinkernagel - letzterer erhielt 1996 den Nobelpreis für Medizin.

"Es war nicht immer einfach, ich habe gelernt zu kämpfen", erinnert sie sich an die Studienzeit. Der Eintritt ins Berufsleben erfolgte 2004 bei der Wiener Pharmafirma Intercell am Vienna Biocenter, die Impfstoffe entwickelt.

Das Engagement kommt Beatrice Senn entgegen, denn sie möchte etwas leisten, womit sie "Menschen helfen kann". Die von ihr mitentwickelten Impfstoffe gehen sofort in die klinische Testphase, wodurch sie deren unmittelbaren Nutzen miterleben kann. Dass in ihrer Abteilung auch Tierversuche gemacht werden, nimmt sie in Kauf. Gern macht sie diese Experimente zwar nicht, wie sie versichert, aber eine Alternative habe man in der Forschung leider noch nicht gefunden.

Senns Engagement in Wien hat freilich nicht nur berufliche, sondern auch private Gründe, denn die Immunologin ist mit einem Österreicher liiert. "Sechs Jahre zwischen Wien und Zürich pendeln haben mir gereicht." Deswegen nahm sie das Intercell-Angebot gerne an, die klingenden Namen ihrer Lehrer - Hengartner und Zinkernagel - ebneten dabei den Weg.

Senn machte Karriere. Heute ist sie Abteilungsleiterin und hat ein Dutzend Mitarbeiter unter sich. Eine völlig neue Erfahrung, für die sie natürlich nie ausgebildet wurde. Vom Tierpfleger bis zum Forscher muss sie unterschiedlichste Menschen unter einen Hut bringen, doch in der Zwischenzeit spricht sie von einem "wirklich guten Team". Auch ihr präziser Schweizer Arbeitsrhythmus kommt ihr bei der Karriere zu Hilfe - denn in Wien gehe alles ein bisschen langsamer, wie sie meint.

Doch auch sie kann sich einem etwas gemütlicheren Lebensstil nicht entziehen: Mit ihrem Lebensgefährten erstand sie einen Grund und avancierte zur gut österreichischen Häuslbauerin: "Ich will keine Karriere um jeden Preis", sagt sie, "ich brauche mein Privatleben und schaue, dass ich da eine gescheite Balance kriege." (Teresa Arrieta/DER STANDARD, Printausgabe 29.08.2007)

  • Abteilungsleiterin mit einem Dutzend an Mitarbeitern unter sich: Beatrice Senn.
    foto: der standard
    Abteilungsleiterin mit einem Dutzend an Mitarbeitern unter sich: Beatrice Senn.
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