Taliban drohen mit weiteren Entführungen

4. September 2007, 14:01
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Letzte südkoreanische Geiseln am Vortag freigelassen

Kabul - Nach der Freilassung der letzten südkoreanischen Geiseln in Afghanistan haben die Taliban mit weiteren Entführungen gedroht. "Wir werden das gleiche mit den anderen Alliierten in Afghanistan machen, weil sich dieser Weg für uns als erfolgreich erwiesen hat", sagte Taliban-Sprecher Qari Mohammad Yusouf Ahmadi. Die Taliban, deren islamisch-fundamentalistisches Regime 2001 durch eine US-geführte Militärinvasion gestürzt wurde, haben auch die Attacken gegen die ausländischen Truppen intensiviert und zum "Heiligen Krieg" gegen die Fremden und die pro-westliche Kabuler Regierung des Präsidenten Hamid Karzai aufgerufen.

Südkoreanische Geiseln

Es handele sich um drei Männer und vier Frauen, sagte Taliban-Sprecher Qari Yousuf Ahmadi am Donnerstag der Nachrichtenagentur dpa. Dies wurde von Mehrajuddin Patan, dem Gouverneur der südostafghanischen Provinz Ghazni, gegenüber der dpa bestätigt. Die Taliban hatten am Mittwoch bereits zwölf der zu dem Zeitpunkt noch 19 verschleppten Südkoreaner freigelassen.

Die Taliban hatten am 19. Juli 23 Mitglieder einer koreanischen Kirchengruppe im Südosten des Landes überfallen und verschleppt. Zwei männliche Geiseln erschossen sie später; zwei Frauen aus der Gruppe ließen sie frei. Ein Sprecher des Präsidialamts in Seoul sagte am Donnerstag, die Regierung plane, alle 19 freigelassenen Südkoreaner noch am kommenden Wochenende über Dubai nach Südkorea zu bringen.

Afghanische Regierung kritisiert Südkorea

Kritik am Vorgehen Südkoreas bei der Beilegung des Geiseldramas hat der afghanische Außenminister Rangin Dadfar Spanta geübt. Durch das Verkünden einer Einigung zwischen den Taliban und Südkorea sei "bedauerlicherweise" der Eindruck entstanden, die Regierung des südostasiatischen Landes habe den Forderungen der Entführer nachgegeben, sagte Spanta am Donnerstag im rbb-Inforadio. Die Regierung in Kabul hatte die ursprüngliche Forderung der Taliban nach einer Freilassung von Gesinnungsgenossen aus afghanischen Gefängnissen kategorisch abgelehnt.

Wochenlange Verhandlungen

Südkorea und die Taliban hatten sich am Dienstag nach wochenlangen zähen Verhandlungen auf die Freilassung der christlichen Aufbauhelfer verständigt. Im Gegenzug verpflichtete sich die Regierung in Seoul, die Missionstätigkeit ihrer Kirchen in Afghanistan einzustellen und ihre Soldaten - wie ohnehin geplant - zum Jahresende abzuziehen.

Derzeit sind etwa 200 Pioniere und Sanitätssoldaten aus Südkorea am Hindukusch im Einsatz. Ein Sprecher des Präsidialamtes in Seoul lehnte die Antwort auf die Frage nach einer Lösegeldzahlung ab. Südkorea habe das Nötige getan, sagte Chon Ho Seon.

Missionstätigkeit

Die südkoreanischen Kirchen erklärten, sie überprüften wegen des Entführungsfalls ihre Missionstätigkeit im Ausland. Derzeit sind schätzungsweise 17.000 Südkoreaner als Missionare im Einsatz, viele von ihnen in Krisenregionen.

Die ursprünglich 23 Missionare waren am 19. Juli entführt worden. Die Taliban erschossen zu Beginn der Geiselnahme den Leiter der Gruppe und einen weiteren Mann. Später ließen sie zwei kranke Frauen frei, was sie als Geste des guten Willens bezeichneten. Die Islamisten hatten im Austausch für die Geiseln die Freilassung inhaftierter Gesinnungsgenossen verlangt, was die afghanische Regierung ablehnte.

Reaktionen

Das Vorgehen der südkoreanischen Regierung stieß im eigenen Land auf ein geteiltes Echo. Die größte und regierungskritischste Zeitung, "Chosun Ilbo", lobte die Behörden, weil sie die Krise gelöst und dabei die Verluste so gering wie möglich gehalten hätten. Allerdings könne der Umstand, dass man erstmals direkt mit "terroristischen Entführern" verhandelt habe, den internationalen Ruf Südkoreas künftig belasten. Ähnliche Töne schlugen andere Zeitungen an.

Kanada hat die südkoreanische Regierung heftig für ihren Umgang mit der Krise um Geiseln kritisiert. Selbst erfolglose Verhandlungen mit den Entführern würden stets nur zu weiteren terroristischen Taten führen, sagte Außenminister Maxime Bernier. Die Position der kanadischen Regierung sei dagegen klar: Mit Terroristen werde nicht verhandelt. Kanada hat im Süden Afghanistans 2500 Soldaten stationiert.

(APA/AP/dpa/Reuters)

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    Angehörige der Geiseln jubeln nach der Bekanntgabe der Einigung mit den Taliban

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    Drei der südkoreanischen Geiseln nach ihrer Freilassung

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