Minarette des Anstoßes

16. Oktober 2007, 19:49
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Jörg Haider präzisierte sein geplantes Bauverbot für Minarette in Kärnten - Richard Lugner, einst Bauherr der ersten Moschee in Österreich, nimmt die Muslime in Schutz

Wien/Klagenfurt - Im Land steht zwar kein einziges Minarett, doch selbst der unausgegorenste Plan dafür muss weg: Am Montag präzisierte Kärntens Landeshauptmann Jörg Haider seine Gesetzesänderungen, damit im Schatten der Karawanken kein Minarett in den Himmel ragen kann.

Via Aussendung erklärte der BZÖ-Politiker detailliert seine geplante Verschärfung der Bauordnung sowie des Gemeindeplanungsgesetzes, mit dem muslimische Gebetsbauten künftig als "Störung des Ortsbildes deklariert" und "deren Bau durch Ausweisung als Sondergebiet" verhindert werden. Haiders Begründung für seinen Feldzug: Man dürfe im christlichen Europa die "sichtbaren Zeichen der Macht" des Islam nicht zulassen. Die Religionsausübung der Muslime solle damit freilich nicht behindert werden. Soll heißen: Gebetsräume gestattet der Landesvater den Gläubigen noch.

Die islamische Glaubensgemeinschaft konterte Haiders Kampf gegen "die Gefahr der schleichenden Islamisierung" mit der Aufstellung einer peniblen Statistik. In Österreich stehen derzeit zwei Moscheen mit einem Minarett, rechnet Sprecherin Carla Amina Baghajati vor: das Vienna Islamic Center in Wien und neu das Gebetshaus im Tiroler Telfs. In Kärnten gebe es gerade einmal 13 Gebetsräume für Muslime, davon zwei in Klagenfurt, sechs in Villach, der Rest wurde in kleineren Gemeinden eingerichtet.

Reaktionen blieben aus

Außer der FPÖ, die die Verschärfung der Bauordnung des politischen Erzrivalen unterstützt, blieben Reaktionen anderer Parteien nahezu aus. Baghajati dazu irritiert: "Vielleicht soll das eine Strategie sein, dass man nicht mehr jeden Unsinn kommentiert. Aber ich würde mir nun eigentlich schon eine offene Diskussion zu dem Kärntner Minarettverbot wünschen".

Im Standard-Gespräch ergreift nun Baulöwe Richard Lugner, seit seinem Präsidentschaftswahlkampf 1998 selbst als politisches Raubein verschrien, Partei für die Muslime. "Wir wollen zwar keine Kolonie der Türkei werden", sagt er, meint aber: "Wir müssen tolerant sein. Die Religionsausübung ist eine persönliche Sache. Natürlich sollen sich die Leute treffen und gemeinsam beten können."

Bauherr der ersten Moschee

Lugner war einst Bauherr der ersten Moschee samt dem 32 Meter hohem Minarett in Österreich, die im November 1979 in Floridsdorf eröffnet wurde. Heute erzählt er: "Ursprünglich war nur ein 21 Meter hoher Gebetsturm geplant, aber ich fand, er soll wie ein Kirchturm in den Himmel ragen." Deswegen übernahm er für die Aufstockung selbst die Kosten - und meint auch jetzt: "Eine Moschee soll auch in Österreich aussehen, wie sie eben aussieht."

Obwohl sich damals kaum Anrainer über den Neubau echauffierten, ließ der Unternehmer auf seinen Lkws fortan den Slogan "Wir bauen nicht nur Moscheen" affichieren. Typisch österreichisch auch die Geschichte, wie es zur Ausrichtung des Baus Richtung Mekka kam: "Ich habe fünf Institute beauftragt, die mir mit einem Unterschied von fast 50 Grad Auskünfte gaben", erinnert sich Lugner. Daraufhin besorgte er sich selbst Globus und Winkelmesser. "Erst dann hat's gepasst." (Nina Weißensteiner/DER STANDARD – Printausgabe, 28.8.2007)

  • Richard Lugner baute die erste Moschee mit einem 32 Meter hohen Minarett in Floridsdorf.
    foto: matthias cremer

    Richard Lugner baute die erste Moschee mit einem 32 Meter hohen Minarett in Floridsdorf.

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    Heute sagt der Unternehmer zu Jörg Haiders Bauverbot für Minarette in Kärnten: "Wir wollen zwar keine Kolonie der Türkei sein." Aber...

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    "Die Leute sollen gemeinsam beten können. Eine Moschee soll auch in Österreich aussehen, wie sie eben aussieht."

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