"Grafik-Technologien hinter Second Life total veraltet"

16. Oktober 2007, 11:41
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Informatiker kritisieren geschlossenes System und Konzept

Die Kritik an der virtuellen Online-Welt Second Life will nicht verstummen. Im Rahmen der Alpbacher Technologiegespräche haben Informatiker und IT-Experten sowohl das Konzept als auch die technische Architektur dahinter als problematisch bezeichnet. "Ich verstehe nicht, warum für die Grafikaufbereitung eine völlig veraltete Technik eingesetzt wird. Die Nichtverwendung von erprobten 3D-Werkzeugen und -Systemen deutet auf wenig Expertise und Erfahrung bei der Entwicklerfirma Linden Lab hin", kritisiert Dieter Fellner, Leiter des Darmstädter Fraunhofer-Instituts für graphische Datenverarbeitung . Dies äußere sich in grafisch bescheidenen Szenerien und nur mäßig attraktiven Avataren.

Abgeschlossen

Als weiteren negativen Aspekt führt Fellner den Umstand an, dass Linden Lab auf ein geschlossenes System setzt und alle virtuellen Kreationen ausschließlich auf den unternehmensinternen Servern gespeichert sind. Unternehmen, die einen Auftritt in Second Life planen, müssten bedenken, dass sie komplett von den Second-Life-internen Technologien und vom Fortbestand der Entwicklerfirma Linden Lab abhängig seien. "Die geschaffenen virtuellen Welten können so schnell wertlos werden", warnt Fellner. Unverständlich erscheint dem IT-Experten auch, dass die gesamte Konsolen-Community von den Projektentwicklern bisher nicht mit eingebunden wurden.

Verzichtbar

Für Alois Ferscha, den Leiter des Instituts für Pervasive Computing an der Johannes Kepler Universität Linz, ist Second Life gar eine komplett verzichtbare Erfahrung. "Second Life ist vielleicht der letzte Schrei, aber nicht das letzte Wort der informationstechnologischen Evolution", ist Ferscha überzeugt. Als Lebensentwurf sei eine auf 96 Tasten, einen 1280 x 1024 Pixel Bildschirm sowie die Steuerung per Maus beschränkte Welt nicht tauglich. Vertreter der Pervasive Computing würden vielmehr hinterfragen, wo, wie viel und ob überhaupt Technik im Alltagsleben Sinn mache und den Menschen bei seinen Aktivitäten unterstütze.

Strategisch

Keine Berührungsängste zeigte in der Alpbacher Diskussion hingegen Peter Kotauczek, Geschäftsführender Gesellschafter der BEKO Holding AG: "Als Produktstratege und Unternehmer kann ich die vorgebrachte Kritik nicht teilen. Wir begreifen das Phänomen in jedem Fall als große Chance, die Unternehmen eine Reihe von innovativen Möglichkeiten bietet", so Kotauczek gegenüber pressetext. Derzeitige technische Schwachstellen würden von den IT-Experten und Informatikern im Laufe der Zeit sicherlich behoben werden. Neben dem Einsatz im Entertainment-Bereich sieht Kotauczek beim Thema "finanzielle Dienstleistungen" sowie im Bereich Collaborative Product Lifecycle Management großes Potenzial. Als Hemmschuh ortet Kotauczek allerdings die weithin ungeklärten rechtlichen Fragen rund um die virtuelle Parallelwelt. (pte)

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