Kopf des Tages: Oberster Gardist mit historischer Mission

21. September 2007, 11:15
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Der 29-jährige Jobbik-Chef Gábor Vona befehligt neu gegründete, rechtsextreme paramilitärische "Ungarische Garde"

Er wirkt wie der ideale Schwiegersohn, ganze 29 Jahre alt, das schwarze Haar adrett kurz geschnitten. Gábor Vona, Vorsitzender der jetzt gegründeten, rechtsextremen paramilitärischen "Ungarischen Garde", kann manchmal sogar fast ein wenig schüchtern wirken. So war das neulich in der Frühstückssendung des staatlichen ungarischen Fernsehens, als er vom Moderator ziemlich in die Defensive gedrängt wurde.

Auf die Frage, welches Nachbarland denn Ungarn so sehr bedrohe, dass das Volk zu den Waffen greifen müsse, sagte er, der Erste Weltkrieg sei schließlich auch zu Friedenszeiten ausgebrochen. Gebetsmühlenartig wiederholte er den Satz: "Es ist besser, Angst zu haben, als zu erschrecken." Das heißt so viel wie: In Ungarn sollte man sich immer auf das Schlimmste vorbereiten.

Um ein mitreißender Volkstribun zu werden, muss Vona sich noch anstrengen. Deshalb wirkte es auch sehr bemüht, als er am Samstag auf der Budapester Burg, bei der Vereidigung von symbolischen 56 "Gardisten", vom Podium aus das Wort an die etwa 3000-köpfige Menge richtete. Er warf seine Stirn in Falten, zog die Augenbrauen zusammen und strengte seine Stimme an, um ihr einen Donnerklang zu verleihen.

Doch angesichts des desolaten Ansehens der sozial-liberalen Regierung in Ungarn bedarf es fast keiner schauspielerischen Leistungen mehr, um die Menschen für rechtsradikale Parolen zu begeistern. Vona ließ keinen Zweifel daran, dass es Ziel der "Garde" sei, die Regierung von Premier Ferenc Gyurcsány zu beseitigen, "nach 50 Jahren Kommunismus und 17 Jahren schweinischen Suhlens". Er stellte klar, die "Garde" sei die Fortsetzung der Politik anderer Oppositionsgruppen mit neuen Mitteln, gemeint war die vom Fidesz-Chef gegründete Bewegung "Bürgerkreise".

Und natürlich die von Vona geführte Jobbik, die bei den Wahlen 2006 gerade 2,2 Prozent der Stimmen errang. Obwohl empört darüber, dass die Öffentlichkeit seine "Garde" als paramilitärischen Verein brandmarkt, bekräftigte Vona nach der "Vereidigung", dass die Gardisten aufgerufen sind, sich im Schießen ausbilden zu lassen. Ungarns linker Philosoph Tamás Gáspár Miklós bezeichnete die Garde bereits als "ungarische SS".

Angst haben kann man durchaus vor dem autoritären Vona, von dem kaum jemand weiß, was er macht, wenn er nicht "Gardisten" befehligt. Sein erstes öffentliches Engagement absolvierte er im ungarischen Studentenbund. Danach war er Mitbegründer von Orbans "Bürgerkreisen". Insofern ist er ein Ziehkind des Fidesz. Sein Kapital sind die Worte "Angst" und "Bedrohung", sein Instrument das Beschwören einer historischen Mission. "Bisher hat die Geschichte von euch gehandelt", rief er den Gardisten zu, "morgen sollt Ihr sie schreiben." (Kathrin Lauer/DER STANDARD, Printausgabe, 27.8.2008)

  • Gábor Vona (29)
    foto: der standard

    Gábor Vona (29)

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