Das zweite Dings

26. September 2007, 15:01
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"Kultursendungen" sind manchmal selbst um Mitternacht noch zu prominent platziert: Wenn sie von Dolezal und Rossacher kommen

Diese Glosse beklagt oftmals die Ausstrahlungszeiten von Kultursendungen oder Programm, das in die Nähe dessen kommt, was als Bildungs- und Kulturauftrag für den ORF definiert wurde. Etwa zuletzt die ORF-"Würdigungen" der beiden Regie-Großmeister Ingmar Bergmann und Michelangelo Antonioni anlässlich deren Ablebens, die eher als Pietätlosigkeit einzustufen waren - quantitativ wie qualitativ während das Programm nach Franz Antels Tod gleich flächendeckend umgewidmet wurde.

Andere "Kultursendungen" scheinen selbst mit Sendeplätzen rund um Mitternacht noch zu prominent platziert: Wenn sie von Dolezal und/oder Rossacher kommen, also thematisch entweder mit Freddie Mercury - selig! - oder Falco - selig! - oder irgendwie mit den Rolling Stones - noch nicht selig! - zu tun haben. In der Sonntagnacht wurde der zweite Teil von Rossachers "Summer of Love"-Dings ausgestrahlt.

Dings deshalb, weil man sich scheut, diese Anhäufung aus Unschärfen und Plattitüden aus dem Fundus der Hippie-Kultur nach Sichtung des ersten Teils mit dem Begriff Dokumentation zu adeln. Das "psychedelische" sowie die "Sinnsuche" jener Zeit und die Nachwehen im Heute wurden thematisiert: "Woodstock und die spirituellen Folgen".

Leicht möglich also, dass die "Sinnsuche" für den Betrachter bald zur Suche nach dem Sinn in diesem Dings wurde - oder gar in eine arge Testbildsehnsucht mündete. Ja selbst ein Bauernsexler vom Antel ginge dagegen noch als Programmgnade durch. (flu/DER STANDARD; Printausgabe, 27.8.2007)

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    foto: orf
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