In Ungarn bildet sich eine paramilitärische rechtsextreme Bewegung namens „Ungarische Garde“, weil das „Ungartum ohne Selbstverteidigung der Welt ausgeliefert ist“. In Bulgarien toben hunderte Roma durch die Straßen, nachdem es Gerüchte über einen Skinhead-Angriff auf eine Roma-Siedlung gegeben hatte. Ein jugendlicher Roma wird eine Woche später von „echten Bulgaren“ zu Tode geprügelt. Eine kleine nationalistische Partei kündigt die Gründung einer Anti-Roma-Miliz an.
Ähnliches hörte man früher schon aus Polen oder Rumänien, aus der Slowakei und Tschechien. In Russland gewinnt der Rechtsradikalismus an Boden. Früher hieß es: „Der Osten ist rot.“ (Die chinesischen Kommunisten sangen einst dieses Lied). Jetzt ist der Osten ziemlich braun. Unmittelbar nach dem Sturz des Kommunismus kamen in den meisten osteuropäischen Ländern nicht sozialdemokratische, sondern eher konservativ-nationalistische Parteien an die Macht. Der vom Sowjetsystem unterdrückte Nationalismus brach sich Bahn. Heute, 17 Jahre später, sind in fast allen ex-kommunistischen Staaten mehr oder minder schlimme Rechtsparteien Teil der politischen Landschaft.
Die Gründe sind bekannt: Der Übergang zur Marktwirtschaft und die Globalisierung haben viele Modernisierungsverlierer produziert. Deren Wut richtet sich gegen „andere“ – die Roma, die chinesischen oder vietnamesischen Billigarbeiter.
Fast noch wichtiger ist, dass in diesen Ländern die Politik des Konsens, des Kompromisses, der gewaltlosen Konfliktaustragung, der Achtung von Minderheiten, (noch) keine Tradition hat, sie (noch) nicht bekommen konnte.
In den autoritären Regime der Dreißigerjahre, unter der Nazi-Besetzung und dann unter dem Kommunismus konnte so etwas nicht entstehen. Am erschreckendsten sieht man das in Ostdeutschland. Westdeutschland hat als Gesellschaft in Jahrzehnten die autoritären, nationalistischen, rassistischen, nazistischen Denkmuster weitgehend abgelegt. Die Ex-DDRler hatten keine Gelegenheit dazu.
Das gilt nicht nur für die brutalen jugendlichen Schläger, sondern für die Polizei, die Gerichte, die Politik, die (kaum existierende) Zivilgesellschaft. Die ostdeutsche Gesellschaft findet das nicht so schlimm. „Ausländer raus“, das sagt bald wer, das ist nicht rechtsradikal, meinte der Bürgermeister von Mügeln. Und die Rechten sind mitten in der Gesellschaft, gründen Vereine, Jugendzentren, sitzen in Gemeindestuben und Landtagen. Sie sind Teil der Struktur geworden.
Auch Österreich hat bis in die Gegenwart ziemlich viel Verständnis für rechtsradikale Mentalitäten und NS-Verherrlichungen gehabt. Vieles hat sich gebessert, aber der Chef der Parlamentspartei FPÖ, der als junger Mann „Kontakte“ zu inzwischen verbotenen deutschen Neonazis hatte, ist immer noch nicht zurückgetreten. Und es fordert ihn auch niemand ernstlich dazu auf, schon gar nicht der Kanzler. Autoritäres, nationalistisches Denken ist immer noch ein akzeptierter Faktor bei uns. Wir gehören eben auch ein bisschen zum Osten. (DER STANDARD, Printausgabe, 25./26.8.2007)
Einige wichtige Leute in ÖVP und SPÖ wollen sich die FPÖ warmhalten
Marleine Petrovic, Präsidentin des Wiener Tierschutzvereines, im Video-Interview über Hundeführschein und Hundebesitzer
Die Semesterferien geben wieder Gelegenheit für viele nette Erlebnisse
Die FPÖ flirtet mit Neofaschisten und Bürgerkriegsgarden in Ungarn
Hat noch jemand den Überblick über die kriminellen Unschuldsvermutungsfälle in Österreich?
Wenn konservative Parteien mit unmittelbar zu lösenden Problemen überfordert sind, dann greifen sie gerne zu sogenannten Kulturelle-Werte-Themen
Wichtige europäische Politiker waren echt fassungslos über die Aufwertung eines NS-Verharmlosers und -Bewunderers wie Jörg Haider durch eine christdemokratische Partei wie die ÖVP
Voodoo ist an Haiti-Katastrophe schuld: Die Spezial-Theologie des Pfarrers Wagner
Kein Wunder das sich hartnäckig rechte Parteien halten und neue gebildet werden.
Schließlich ist "die anderen sind schuld" schon von jeher die einfachste Ausrede gewesen, in einem politischen Kontext ist das auch das einzige Argument dieser Rechtsverdreher.
Es ist angenehm einfach zu sagen "die sind Schuld" und das eigene Nichtstun damit zu rechtfertigen das man warte bis sich die Umstände gebessert haben und "die" endlich weg sind.
Als arbeits- und antriebsloser "Urbewohner" eines Landes ist es, wie passend mit dem Kebapstand beschrieben, schon ausreichend Ausländer zu sehen denen es besser geht als mir in meinem eigenen Land, obwohl "die" doch dafür gar nichts beigetragen haben.
"In den autoritären Regime der Dreißigerjahre, unter der Nazi-Besetzung und dann unter dem Kommunismus konnte so etwas (Hetze gegen Minderheiten) nicht entstehen."
Na sicher - wer hat denn eigentlich Nazi-Deutschland geholfen, Juden in den besetzten Gebieten auszuforschen? Nicht z.B. Polen und Ukrainer? Die Nazi-Diktatur hat ihren Sozial-Darwinismus auch den besetzen Laendern aufgezwaengt. Der Kommunismus hingegen ist international und voelkerverbindend gemeint, und hat das seinen Buergern vermittelt.
Man sieht eher, dass eine Gesellschaft, die sich nicht darauf einigen kann, Toleranz als Grundwert zu verankern (wie es der Kommunismus getan hat), darauf angewiesen ist, dass es genuegend ihrer Mitglieder hinreichend gut geht.
Toleranz im Kommunismus? Das ich nicht lache.
Wieso mußten dann Zehntausende Juden Polen und die Sowjetunion nach 1968 verlassen? Stichwort hierzu:
http://de.wikipedia.org/wiki/M%C3... 3.9Fnahmen
Wieso wurden die Gebiete, die Polens Osten nach dessen Westverschiebung bildeten, durch die polnischen Kommunisten von Ukrainern "gesäubert"? Sind Ihnen die antijüdischen Maßnahmen der Zwischenkriegszeit in Polen bekannt? Jedwabne?
Der Kommunismus war ein barbarisches System, dem die Menschheit keine Träne nachweinen sollte. Er ist eine Utopie, nichts weiter:
http://www.eurotopics.net/de/search... fb1e01f5c1
Zum Zweiten: eine klassenlose Gesellschaft ist sicher kein barbarisches System, sondern ein uralter Traum der Menschheit. Der Herr Philosoph, zu dem sie mich verlinken, machts sich zu einfach "der Marxismus funktioniert nicht".
Marxens Werk ist sehr umfangreich, das Kapital z.B. ist eine allgemein anerkannte Analyse des Marktes. Der "Kommunismus" existiert(e) in vielen verschiedenen Spielarten. Nordkorea heute z.B. hat wahrscheinlich mehr mit Pinochets Diktatur gemeinsam, als mit Titos Jugoslawien. Jede Umsetzung hat(te) Teile die funktioniert haben, und Teile die danebengegangen sind. Manche Ideen und Argumente Marx sind sogar teilweise in den politischen Alltag der "westlichen" Demokratien eingegangen.
ist es unfair, Kommunismus und Nationalsozialismus in einem Satz zu nennen. Stalins Verfassung 1936, Kapitel X, (Grundrechte), Artikel 123:
"Die Gleichberechtigung der Bürger der UdSSR auf sämtlichen Gebiete des wirtschaftlichen, staatlichen, kulturellen, gesellschaftlichen und politischen Lebens, unabhängig von ihrer Nationalität und Rasse, ist unverbrüchliches Gesetz.
Jede wie immer geartete (...) Beschränkung der Rechte oder (...) Bevorzugung von Bürgern mit Rücksicht auf ihre Zugehörigkeit zu einer Rasse oder Nationalität ebenso wie jegliche Propagierung eines rassenmäßigen oder nationalen Ausschließlichkeitsanspruchs oder eines Rasse- oder Nationalitätenhasses und der Mißachtung einer Rasse (...) werden gesetzlich geahndet."
In Siebenbürgen sind 25 % Roma, und gemessen daran passiert an rassistischen Übergriffen äußerst wenig. Ich war in Russland, in einer ethnisch gemischten Republik im Ural, dort stehen Kirchen und Synagogen nebeneinander. Kritische Bekannte von dort sagten mir, es gäbe nie ethnische oder religiöse Ausschreitungen, die Leute in Russland sind multiethn Situation gewohnt. Wunderten sich, dass es in Ö und D Probleme wegen Moscheebauten gibt (z.B. Telfs). Wenn es Nationalismus gibt, dann wird er von Regierung u Staat geschürt, z.B. gegen Kaukasier ("Terroristen").
Im Jahr 2000 gab es tagelange pogromartige Ausschreitungen der Einheimischen gegen marokkanische ImmigrantInnen, die zu Hungerlöhnen in der dortigen Landwirtschaft arbeiten und in Baracken hausen. Der Mob jagte sie tagelang durch die Straßen brannte ihre Behausungen ab. Tote, Schwerverletzte. Polizei ließ den Mob gewähren. Es gab keine ernsthaften Untersuchungen und Verurteilungen nachher. Ist Spanien im Osten?
Ich weiß nicht, ob es einen ganz bestimmten Auslöser gab, und wenn, dann ist der vielleicht nicht so bedeutend. Ich denke, das hat sich schon lange aufgestaut. Viele mögen die Marokkaner / Afrikaner überhaupt nicht, ein stark sitzender Rassismus bzw. Ablehnung in Spanien (weil sie Afrikaner UND Moslems sind), es gibt echte Pogromstimmungen, die von der Polizei sogar gedeckt werden. Allerdings profitieren die lokalen Agrarunternehmer und Großbauern der Exportlandwirtschaft von den rechtlosen Billigarbeitskräften.
Grad vor 2 Jahren wurde in Almeria der Mitgründer der Landarbeitergewerkschaft (ein marokkan. Migrant) ermordet, es gibt keine ernsthafte Untersuchg des Falls (so zumindest ein Artikel, den ich im Internet fand).
Doch, damit komme ich (Feischaltverzögerung). Ich postete schon um 15.30, um 18.30 war das Posting noch nicht erschienen (ist es bis heute nicht), so postete ich nochmals. Um 19.30 wieder nichts, also nochmals. Um 20.30 (immerhin nach 5 Stunden) wieder nichts, also postete ich zum 4. Mal. Dann erschienen plötzlich 3 Postings auf einmal (nicht aber das erste).
Es kann ja, denke ich, vorkommen, dass Postings nicht ankommen, wie soll ich sicher sein, dass nach 5 Stunden doch einige noch erscheinen?
Almeria, Südspanien: Im Jahr 2000 gab's hier eine Woche lang pogromartige Ausschreitungen. Die marokkanischen ImmigrantInnen, die dort in der Landwirtschaft arbeiten und in Baracken leben, wurden vom einheimischen Mob durch die Straßen gejagt, ihre Buden abgefackelt. Tote. Die größten Ausschreitungen dieser Art in Europa. Die Polizei ließ den Mob gewähren, ernsthafte Untersuchungen und Verurteilungen gab's keine... Liegt Spanien im Osten?
Le Pen in Frankreich, Lega Nord, Vlaams Block...
Nur so kann er seine Ideologie vertreten, wo lange Demokratie war, gäbe es wenig Rassismus ("die aufgeklärten Westeuropäer und die tumben Ostler").
Im Jahr 2000 gab's in Almeria (Südspanien) eine ganze Woche lang Ausschreitungen gegen ImmigrantInnen aus Masrokko, die zu Billigstlöhnen in der Landwirtschaft arbeiten und in Baracken leben. Tagelang jagten Einheimische die Immigranten durch die Straßen und brannten ihre Behausungen ab. Mehrere Tote. Die größten Ausschreitungen dsr. Art in Europa. Die Polizei stoppte nichts und blockte Untersuch. ab.
Frankreich: Le Pen; Italien:Lega Nord; Belgien: Vlaams Block. In diesen Ländern gab's jede Menge rassistisch motivierte Morde.
noch vor dem fall der berliner mauer waren wir zu besuch bei einem onkel für 14 tage in sachsen und er zeigte uns voll stolz die ddr inklusive berlin. Als unser onkel einmal 4 inder in 50 meter entfernung sah, sagte er, die vielen, vielen ausländer seien schon ein problem für die ddr. Wir lachten, weil für unser gefühl waren auf den strassen in ddr sehr, sehr, sehr wenige - als ausländer kenntliche - menschen zu sehen waren.
Wie wars denn? Jahrelang hatte der Trabi-Deutsche von der Westpropanda gehört: Wer im Westen arbeitet, hat einen BMW in der Garage! - 1989 wars dann soweit. Jetzt gehts los! Was passiert? Nix! Arbeitslos und Verarmung. Und gleichzeitig sieht er, dass der Türke schon seinen bescheidenen Kebab Stand hat. Das empört ihn. Denn er(!) ist ja der "Deutsche". Und so ist dann der Weg von "Wir sind das Volk!" zu: "Wir sind ein Volk!" bis "Deutschland den Deutschen!" nicht weit.
Deklassierung im(!) Kapitalismus ist nach wie vor der beste Dünger für den braunen Sumpf.
Denn es ist ja wohl schwer zu leugnen, dass die realsozialistischen Systeme trotz ihrer Rhetorik von Völkerfreundschaft und internationaler Solidarität chauvinistisch-militaristische Diktaturen waren. Das begann bei der paramilitärischen Ausbildung der Jugend, der Erfassung (möglichst) der ganzen Gesellschaft in Kader-Organisationen, ging über die Instrumentalisierung des Sports, um die Überlegenheit der eigenen Nation zu demonstrieren, und endete bei der "NATIONALEN Verteidigungsarmee" der DDR, die ganz unverhohlen preußische Militärtradition, vom Stechschritt bis zum Uniformschnitt weiterführte. WIE sollte in diesen unter einem Glassturz stehenden Gesellschaften Verständnis für "andere" entstehen? DAS ist das Grundproblem in Zentral-EU...
Unverhohlen die preußische Militärtradition weiterzuführen, zeigte weniger vom Realsozialismus als vom Preußentum das dieser abzustellen nicht imstande war.
Uniformschnitt und Stahlhelm (NVA- Helm noch im WK II entwickelt, aufgrund Kapitulation nie in der W. eingeführt) waren im übrigen Fortführungen von Designs der dt. Wehrmacht der man schwerlich Realsozialismus vorwerfen kann.
Alle anderen "Errungenschaften" aus der Welt des Sports und der Jugendbildung waren Zeitgeisterscheinungen aus jeweils dem rechten und linken Lager der 30er- 40er Jahre), alles von den Pfadfindern abgekupfert.
Aber: Kommunismus oder Kapitalismus, der pragmatisierte Beamte überlebt sie geduldig und streng nach Schema alle ;))
na wir wollen aber ned vergessen, daß Westdeutschland gewaltige Summen in den Osten gepulvert hat. Die haben den W-Dt. sogar einen "Solidaritätsbeitrag" abgeknöpft. Es kommt halt schon auch drauf an, ob man selber was tut, oder ob man glaubt, man muß alles "nachghaut" kriegen.
Die Kommentare von User und Userinnen geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder. Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen, den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen (siehe ausführliche Forenregeln), zu entfernen. Der/Die Benutzer/in kann diesfalls keine Ansprüche stellen. Weiters behält sich die derStandard.at GmbH vor, Schadenersatzansprüche geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.