Der Duft des Straßenverkehrs

24. April 2008, 12:15
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Das Futurelab baut ein Anti-Stau-System nach Vorbild der Ameisen

Dass viele Autofahrer Egoisten sind, behaupten Beobachter des Straßenverkehrs schon lange. Dank einer Entwicklung des Futurelabs der Ars Electronica, der Siemens AG und der Johannes Kepler Universität Linz, die 2009 auf den Markt kommen soll, werden sie wohl weit altruistischer erscheinen, als man heute annehmen würde. Dann heißt es nicht nur Kampf um jeden Meter auf der Straße, dann sollten die Autofahrer einander auch Informationen über die schnellsten und angenehmsten Routen weitergeben.

"Digitale Pheromone" (Digitale Duftstoffe) heißt das der uneigennützigen Futtersuche der Ameisen nachempfundene Projekt, in dem Autos miteinander vernetzt werden, um zum Beispiel Staus zu vermeiden. Die technischen Voraussetzungen: Jedes Fahrzeug wird dabei mit einem "Bordcomputer" ausgestattet - das kann ein Global Positioning System aber auch ein UMTS-Handy sein. Das Gerät soll in der Lage sein, vollautomatisch, ohne Zutun des Menschen, alle für andere Verkehrsteilnehmer relevanten Daten in ein Informationsnetz einzuspeisen: Daten über den Verkehrsfluss oder - für besonders umweltbewusste Autofahrer - über Wege, auf denen man die niedrigste CO2-Emission erwarten kann.

Kundschafter-Arbeit

Das System der Ameisen zum Vergleich: Ein "Kundschafter" sucht Futter und gibt dabei Suchen-Duftstoffe (Search-Pheromone) ab. Hat er Nahrung gefunden und trägt sie in den Ameisenbau, dann hinterlässt er am Weg dorthin Tragen-Duftstoffe (Carry-Pheromone). Da es mehrere Kundschafter gibt, entsteht laut Horst Hörtner, Leiter des Futurelabs, eine große Auswahl an Möglichkeiten für die Insekten, sich Futter zu holen; so wie den Autofahrern im Straßenverkehr mehrere Wege gezeigt werden, die zum Ziel führen.

Eine Simulation mit dem Verkehrsnetz von München habe man schon erfolgreich durchgeführt, erzählt Hörtner. Weitere Schritte würden der "Geheimhaltung" unterliegen. Eines scheint jedenfalls sicher: Die Idee, die aus der Bionik kommt (Übertragung von Erkenntnissen aus der Biologie in Technik), wird Datenschützern nicht viel Freude bereiten. Kann man dann doch jederzeit feststellen, wo sich ein Auto gerade befindet und wie es dorthin kam.

Hörtner beruhigt: "Es geht hier nicht um die Sammlung personalisierter Daten. Wir wollen nur den Verkehrsfluss dokumentieren." Die Wahrung der Privatsphäre sei im Verlauf des gesamten Projekts, das 2005 startete, immer Thema gewesen.

Eine Diskussion darüber anlässlich von "Digitale Pheromone" nun anzuzetteln, würde er aber als verspätet bezeichnen, denn: "In Wahrheit sind wir als Handy-Besitzer schon seit Mitte der 1990er-Jahre jederzeit zu orten." (Peter Illetschko, DER STANDARD/Printausgabe, 24.08.2007)

  • Wird voraussichtlich im Jahr 2009, wenn Linz Kulturhauptstadt ist, marktreif: "Digitale Pheromone" zur Vermeidung von Staus im Straßenverkehr.
    foto: futurelab

    Wird voraussichtlich im Jahr 2009, wenn Linz Kulturhauptstadt ist, marktreif: "Digitale Pheromone" zur Vermeidung von Staus im Straßenverkehr.

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