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Wenn die Virtualität aus dem "Second Life" in die Realität drängt: Aram Bartholls "Second City" in Linz.
Eine boomende Website der in San Francisco ansässigen Firma Linden Labs, in der bislang an die sieben Millionen registrierte Benutzer ihre privaten Parallelwelten und Identitäten errichtet haben und diese in Folge auch aus- und beleben. Und: in schönster kapitalistischer Tradition gleich auch eigene Shops mit allem Pipapo und tatsächlichem, wenn auch noch bescheidenem Handel betreiben.
Zeitgleich zum wachsenden Zuspruch für dieses zweite Leben im ersten lässt die südamerikanische Megacity an der Zwanzig-Millionen-Einwohner-Marke, São Paolo, seit Jahresbeginn, auf gesetzlichen Beschluss ihres Bürgermeisters Gilberto Kassab hin, sämtliche in der Stadt öffentlich angebrachte Reklame abmontieren. Das schafft wiederum eine neue Wahrnehmung einer Realität ohne kommunikationsintensiven Overkill - und könnte doch eine nur kurzlebige, wenngleich auch sympathische Utopie sein.
Denn der 1972 in Bremen geborene Aram Bartholl stellt bei der Ars Electronica heuer bereits eine weitergedachte Fantasie beziehungsweise deren Realisation vor: "Second City". Seine Installation in der Linzer Marienstraße zeigt nicht nur eine weitere Überlappung von realer und virtueller Welt, sie kann auch als mögliche Prophezeiung eines weiteren Vordringens des virtuellen Paralleluniversums in die Realität gelesen werden - etwas, das den Bürgermeister von São Paolo gar nicht freuen würde.
Bartholl entrückt die Marienstraße für die Dauer einer Woche ihrer realen Umgebung und verwandelt sie mit der optischen Anmutung, die er von "Second Life" verwendet, in eine "Übergangszone" von der Realität in die Virtualität - oder auch umgekehrt.
Die Balance dieser "Welten" und ihre gegenseitige Beeinflussung wird sich weiter verändern, vielleicht shoppen und bummeln wir bald in der "Second City". (Karl Fluch, DER STANDARD/Printausgabe, 24.08.2007)
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