2000 Demonstranten in Athen fordern Rücktritt der Regierung

1. September 2007, 17:25
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Neue Brände ausge­brochen - Bereits 64 Tote - 100 Personen als Brandstifter festgenommen, sieben angeklagt

Athen - Die griechische Regierung gerät wegen der verheerenden Waldbrände immer stärker unter Druck. Am Montag marschierten etwa 2000 linke Demonstranten in Athen zum Parlament und forderten den Rücktritt der Regierung. Die oppositionellen Sozialisten warfen ihr Unfähigkeit vor. Die Vorwürfe der Brandstiftung sollten lediglich davon ablenken, erklärten sie.

Im Kampf gegen die schlimmsten Waldbrände seit Menschengedenken erhält die überforderte griechische Feuerwehr immer mehr Hilfe aus dem Ausland. Insgesamt folgten mehr als ein Dutzend Staaten dem Hilferuf der Hellenen. Binnen 24 Stunden brachen 89 neue Brände aus, wie ein Feuerwehrsprecher am Montag sagte. 28 wurden als besonders gefährlich eingestuft. Die Justiz untersucht mittlerweile, ob die in vielen Fällen vermutete Brandstiftung als Terrorakt gewertet werden kann. Dies würde die Befugnisse der Ermittler erweitern. Seit Freitag kamen landesweit mindestens 64 Menschen in Rauch und Flammen ums Leben.

Bisher wurden rund 100 Personen nach Hinweisen aus der Bevölkerung als Brandstifter festgenommen, Anklage wurde bisher gegen sieben Personen erhoben.

"Unfähige Regierung"

Riesige Gebiete Griechenlands standen den vierten Tag in Folge in Flammen. Vom Fluss Evros an der Grenze zur Türkei über die westlichen Inseln Korfu und Kefalonia bis zur Halbinsel Peloponnes im Süden: Überall versuchten verzweifelte Einwohner, ihre Häuser mit dem Einsatz von Gartenschläuchen und Wasserkübeln zu retten, viele schlugen mit Zweigen auf die Flammen ein. "Das ganze Dorf brennt. Es brennt seit drei Tagen", schluchzte eine Frau, die mit ihrer 20 Monate alten Tochter nahe Figalia auf dem westlichen Peloponnes in einer Kirche Schutz suchte. Hunderte Menschen wurden aus Dörfern, Hotels und Ferienanlagen in Sicherheit gebracht.

Der Zorn gegen die Behörden wächst: "Ich bin sehr wütend. Die Regierung ist völlig unfähig, mit dieser Situation umzugehen", sagte der Lehrer Gerassimos Kaproulias in Olympia. Auf dem Peloponnes gelang es den Löschmannschaften am Sonntag, die vollständige Vernichtung der antiken Ausgrabungsstätte Olympia zu verhindern. Dennoch zerstörte das Feuer nur wenige Meter vom Museum des Weltkulturerbes entfernt Bäume, Sträucher und Grasland. Die Ruinen selbst konnten zunächst gerettet werden, sie wurden aus der Luft mit Wasser und schützendem Schaum besprüht. Freiwillige packten im Kampf um die Rettung eine der bedeutendsten touristischen Attraktionen des Landes mit an.

Rauchwolke

Bei Athen kämpften vier Flugzeuge, ein Hubschrauber, 15 Einsatzfahrzeuge und 45 Feuerwehrmänner gegen einen neuen Brand, der sich vom Berg Hyttmos in Richtung der griechischen Hauptstadt ausbreitete. Über Athen hing eine dichte Rauchwolke.

Die Insel Kefalonia, wo ein weiterer Brand ausbrach, wurde zudem am Montag von einem Erdbeben der Stärke 5,1 erschüttert, wie Geologen in Athen mitteilten. Berichte über Sachschäden oder Verletzte lagen zunächst nicht vor.

Bodenspekulanten Experten nennen immer wieder Bodenspekulationen als eine der Hauptursachen für die verheerenden Waldbrände. Die Grundlage für derlei Methoden besteht darin, dass es keinen Grundstückkataster gibt. Zwar versprechen die Behörden nach einem Waldbrand die Wiederaufforstung, doch bleibt das Brandland brach liegen, bis sich Gras bildet. Dann wird es als Weideland betrachtet und später auf Betreiben der Spekulanten in Bauland umgewidmet. Diese Spekulanten sind nicht selten Auftraggeber für Brandstifter. Nahe Athen wurde am Wochenende eine Gasflasche gefunden, die einen durch Mobiltelefonanruf zu aktivierenden Zünder trug.

Als allgemein bekannt gilt, dass die Gemeinden bisweilen von den Machenschaften der Bodenspekulanten mitprofitieren. Nicht wenige Häuser, die auf abgebranntem Waldgrund stehen, sind in öffentlichem Besitz. Viele Griechen nehmen die Ankündigung der Politiker, verbrannte Flächen wieder aufzuforsten, kaum noch ernst. (AP, red/DER STANDARD – Printausgabe, 28.8.2007/APA)

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    Dorfbewohner in Frixa, 350 Kilometer entfernt von Athen, werden evakuiert.

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