Neue Ideen für die Lehre

24. September 2007, 15:31
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Nachdem die AK NÖ meinte, die Lehrstellenförderung laufe falsch, gingen die Wogen hoch. Schaut man sich Betriebe an, zeigt sich, mit welchen Maßnahmen die Wirtschaft reagiert

Kurz vor Beginn des neuen Ausbildungsjahrs seien noch 10.000 Jugendliche in Österreich ohne Lehrstelle; der vor zwei Jahren eingeführte Blum-Bonus – nach einer Idee des Vorarlberger Unternehmers und Regierungsbeauftragten Egon Blum –, mit dem ausbildende Betriebe gefördert werden, brachte nicht den erhofften Erfolg, verwies die AK Niederösterreich Anfang dieser Woche auf eine neue Studie.

Viele Lehrverträge seien bis dato noch nicht protokolliert, die Statistik werde im Herbst völlig anders aussehen, hielt Blum mit Unterstützung des Bundesministeriums für Wirtschaft und Arbeit, respektive Staatssekretärin Christine Marek (ÖVP), dem entgegen. Er zeigt sich überzeugt, dass es mit Jahresende "130.000 Lehrlinge in Österreich" geben werde – das wären um 4000 mehr als 2006.

Frauen für atypische Berufe

Anhand des Schlagabtausches, der sich dazu quer durch die Parteien entwickelte, ist zu sehen, dass sich Arbeitslosigkeit und Fachkräftemangel – der wiederum auf zu wenigen Lehrstellen beruht – zwangsläufig weit oben in der Wertigkeit der regelmäßig zur Wahl stehenden Volksvertreter finden. Dass es zumindest für eine Forderung der AK Hoffnung gibt – nämlich künftig verstärkt Frauen in für diese atypischen Berufen zu fördern –, zeigt sich am Beispiel des Halbleiterherstellers Infineon.

Der Mangel an Facharbeitern in der Technik hänge "auch damit zusammen, dass junge Frauen sich traditionellen Frauenberufen zuwenden und technische Berufe nicht als sinnvolle Lebensperspektive erkennen", sagt Infineon-Österreich-Vorstand Monika Kircher-Kohl. Genau deswegen setze ihr Unternehmen "auf weibliche Lehrlinge", denen man "die gesamte Bandbreite an Möglichkeiten" vermitteln werde. Ein erster Schritt ist dabei die Aufnahme der fünf (von insgesamt zehn) weiblichen Lehrlinge im Doppellehrberuf MechatronikerIn/ElektrobetriebstechnikerIn, die ab September im Villacher Werk ausgebildet werden.

Lernstarke Jugendliche

Die Klage Blums, dass meist einfach "lernstarke Jugendliche fehlten", wenn sich Betriebe gegen die Ausbildung von Lehrlingen entscheiden, spiegelt sich direkt im steigenden Aufwand, der mit der Lehrlingssuche teilweise in Zusammenhang steht, wider. Das Unternehmen Siemens Bacon, dessen Dienstleistungen die Installation von Gebäudetechniksystemen von der Heiz- und Klimaanlage bis zur sanitären und elektrischen Versorgung umfasst, veranstaltete etwa am Standort Salzburg ein spezielles "Lehrlingscasting".

Persönliche Qualifizierung

Über 130 Jugendliche bewarben sich bereits im Frühjahr für eine Lehrstelle als Elektroinstallationstechniker bzw. Elektriker. Nach einer Schnupperwoche, für die bereits die 15 besten ausgewählt worden waren, blieben schlussendlich fünf Jugendliche übrig, die nun einen der heiß begehrten Arbeitsverträge erhalten haben. Auch die persönliche Qualifizierung des Nachwuchses über die Lehre hinaus kann einem Lehrbetrieb zum Anliegen werden. Die Raiffeisenlandesbank Österreich präsentierte am Montag eine Ausbildungsschiene, über die Lehrlinge in vier Jahren den Lehrabschluss sowie zusätzlich das Berufsreifeprüfungszeugnis in Händen halten sollen. Danach ist die Teilnahme an einem dreijährigen Masterlehrgang vorgesehen, der momentan gemeinsam mit der Universität Linz bzw. deren Business School Limak sowie dem Sprachinstitut CEF entwickelt wird, und dessen Start 2008 erfolgt. (mad, APA, DER STANDARD, Print-Ausgabe 25./26.8.2007)

  • Das Bild der Lehre verändert sich: mehr Frauen in Männerberufen, strengere Auswahl, höherwertige Abschlüsse.
    foto: standard/lukas beck

    Das Bild der Lehre verändert sich: mehr Frauen in Männerberufen, strengere Auswahl, höherwertige Abschlüsse.

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