Der Folklore- beziehungsweise Carmenlook tauchte bereits im 19. Jahrhundert auf - In den späten 1970er-Jahren hatte er Hochsaison
"Zigeunerstil" heißt er im Englischen, der sogenannte Gipsy-Look, den es ansatzweise bereits im 19. Jahrhundert gegeben hat. Diese Anlehnung an slawische, fernöstliche und andere Kleidungsmoden fällt unter den Überbegriff Folklore-Mode.
Der von Lanvin und japanischen DesignerInnen lancierte Stil wurde 1976 von Yves Saint Laurent zum Erfolg geführt und hielt sich bis 1982 auf den Laufstegen. Unter der Bezeichnung Carmen-Look tritt er in Abwandlungen bis heute immer wieder auf. Typisch dafür sind Volantröcke, Zipfelsaum, Carmen-Dekolleté, unter der Brust gebundene Blusen, Kopftücher im Piraten-Look und üppiger Silberschmuck.
Als besonders bekanntes Kleidungsstück erweist sich das Carmen-Kleid, das der andalusischen Volkstracht, dem Flamenco-Kleid, entstammt und speziell 1977 als en vogue galt. Charakterisch sind ein schulterfreier, von Volants eingerahmter Halsauschnitt, das berühmte Carmen-Dekolleté, ein um die Hüften enger, jedoch um die Knie weit schwingender Rock mit üppigen Rüschen, die in Volants aufgearbeitet wurden, dazu ein die Taille betonender breiter Gürtel.
Ethno-Elemente neu zusammengefügt
Ab den 1990er-Jahren wird der Folklore-Look als Ethno-Mix bezeichnet und ist im Unterschied zur Trachtenmode ein kurzlebiger Modestil, bei dem nationale trachtige Elemente der ganzen Welt zu einem neuen, betont modischen Ganzen zusammengefügt werden.
Bereits im 18. und 19. Jahrhundert hat es von Zeit zu Zeit Einflüsse von Volkstrachten auf die Mode gegeben, die auch in den Begrifflichkeiten deutlich werden. Beispielsweise gab es in der Männermode zu Beginn des 19. Jahrhunderts Mäntel mit Posamenten-Verschluss, die als charakteristisch polnisch oder ungarisch galten, Hausmäntel wie Kaftans, Hauskappen in Art des Fes (Filzkappe mit Quaste, nach der marokkanischen Stadt Fes benannt), Kosaken und Russische Hosen sowie Suwarowstiefel. Und für die Frau war bereits um 1820 die Gipsyschute aus Stroh, ein sogenannter Haubenhut, und in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts die Zuavenjacke, taillenkurz und von einem algerischen Berberstamm kommend, in Mode. (dabu)