Kopf des Tages: Kaveh Alamouti

Finanzgenie und großer Unbekannter im Bawag-Prozess: Kaveh Alamouti (52), Top-Trader und Flöttls verspielter Joker

Er gilt als "Louis Bacons Geheimwaffe". Wen das jetzt nicht so beeindrucken sollte, der möge einen Blick in die Liste "America's Richest" werfen, die vom Magazin Forbes zuletzt publiziert wurde. Kaveh Alamouti steht dort zwar nicht drinnen, denn er ist gebürtiger Iraner, aber sein Chef, eben Louis Moore Bacon, findet sich auf Platz 349. Dieser ist auch spendierfreudiger Wohltäter der republikanischen Partei und des aktuellen US-Präsidenten. Für Bacons Hedgefonds-Firma arbeitet Kaveh Alamouti heute am Standort London, nachdem er von 1999 bis 2000 Chef einer eigenen Investmentagentur war.

Ende der 90er wurde sein Name von einem österreichischen Kollegen, Wolfgang Flöttl - dieser ist bekanntlich verheiratet mit Anne Eisenhower, Enkelin eines US- Präsidenten -, ins Spiel gebracht. In der Zunft sieht man einander - in London, New York, auf den Bahamas. Alamouti hätte ein paar Fonds managen und damit Flöttl sowie einer österreichischen Gewerkschaftsbank den Kragen retten sollen.

Ob Alamouti mit dem Namen "Bawag" viel anzufangen wusste, darüber kann er am 15. Oktober als Zeuge im Großen Wiener Schwurgerichtssaal beim Bawag- Prozess berichten. Zu einer Rettung des Kragens der Bawag-Führung und ihres Haus- und Hof-Spekulanten Flöttl kam es nie. Die Millionen, mit denen Alamouti hohe zweistellige Renditen pro Jahr zaubern hätte sollen, wurden vorher versenkt. Der Rest ist Kriminalgeschichte.

Alamouti ist laut Branchenstimmen ein begnadeter Arbitrageur. Man kann ihm hohe Gewinne zutrauen: Er schafft es zwar noch nicht ins Ranking der Superreichen, aber für einen guten 41. Platz in der Top-100-Liste des Wall- Street-Magazins Trader Monthly reicht es beim 52-Jährigen schon. Die Bibel der Heuschreckenreiter schätzt sein Jahreseinkommen auf 150 Millionen Dollar. Um unter die Top Ten zu kommen, braucht es 600 Millionen Dollar. Die Nummer eins, John Arnold von Centaurus Energy in Texas, bekannt als der "Enron-Trader", verdient heute 1,5 bis zwei Milliarden Dollar.

Kein Wunder, dass bei den Bawag-Bankern angesichts solcher Wunderwuzzis alle Laden offen standen und jeglicher Sinn für die triste Realität wieder wie weggewischt war. Die Bawagler - begeistert, obwohl sie Alamouti nie getroffen hatten. General Helmut Elsner hatte einen guten Eindruck in London gewonnen, und das reichte damals.

Bevor Alamouti Hochrisiko-Deals abschloss, studierte er Technik, promovierte aber in Finanzwissenschaften und brachte es an der berühmten London School of Economics schnell zum Professor. Das Mathematikgenie verließ die Welt der Theorie jedoch wieder und arbeitete 1992 bis 1999 bei der japanischen Tokai Bank, um danach zu einem der bestbezahlten Händler Europas aufzusteigen. (Leo Szemeliker, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 23.08.2007)

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8 Postings
Ich wurde noch nicht geladen, Frechheit!

obwohl ich auf der World Ranking Suitcase List den beachtlichen Rang 4521456072 nach dem vorjährigen Rang 4521459188 einnehme. Fordere Satisfaction meine Damen- und Herrschaften!

Grumpf.

"Mathematikgenie" wird (wie ueblich und aergerlicherweise) voellig unpassend verwendet. Terence Tao ist ein Genie, Hilbert war ein Genie etc. Jemand wird nicht dadurch zum Genie dass er zB schon in jungen Jahren wacker kopfrechnet oder gewinnbringend mathematische Modelle in der Finanzwelt einsetzt. Wenn Herr Alamouti huebsch pfeifen kann ist er noch kein musikalisches Genie. Ein begabter Hobbyspieler ist kein genialer Fussballer. Nur in der Mathematik, bei der jeder gleich stolz betont wie schlecht er damit in der Schule war, ist jeder ein Genie, der nicht die mathematische unfaehigkeit des Reporters teilt.

Soviel Hirn vergeudet...

Traurig!

ich bekomme die vorstellung nicht mehr aus dem kopf

wie wohl diese treffen zwischen flöttl, elsner, hund und anderen BAWAGlern einerseits und investmentbankern andererseits abgelaufen sein müssen:
liebe investment-kollegen, seid schön freundlich, es kommen wieder mal ein paar unterbelichtete provinz-banker. und sie bringen einige 100 millionen als geschenk mit.

muss ein ziemlicher brüller unter den eingeweihten gewesen sein!

eindrucksvolle sozialschmarotzer-rankings!

solche leute sind das gegenteil von sozialschmarotzern.1. zahlen sie verdammt viel steuer,2. greifen die keine e-card an und zahlen ihre vertrauensärzte aus der tasche,3. sind diese leute fast nie krank,4. verwenden keine öffentl. verkehrsmittel und 5. lassen sie die gastronomie verdammt gut leben.

Zukünftiges Protokoll Kaveh Alamouti's Zeugenaussage

What's about, what do you want to know?
BAWAG, never heard.
Mr Flottl . . . some used to call him investment banker . . . I never met him
He invited me having a trip on his yacht, but he wasn' there. . . a terrible trip . . . I got seasick.
He offered me his plane, I know . . . I never used it . . . it smelled stange . . . somehow doggylike.
Mr Elsner . . . never heard . . . do I have to know him? (Unterbrechung, da Herr Elsner Sauerstoff braucht)
Vienna is a nice town, indeed . . . thanks for the trip.

Der Spatz in der Hand ...

3 Millionen Prämie dafür, dass Flöttl seinen Namen verwenden durfte, das war dem Herrn Alamouti zwei Telefonate und ein Abendessen mit einem großsprecherischen Provinzbanker aus Österreich wert. Auf die dem Hirn von krankhaften Spielern entsprungene Idee, 300 Millionen in sechs Jahren zu vervierfachen, hat er sich klugerweise nicht weiter eingelassen. Man hat ja einen Ruf zu verlieren.

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