Verpatzter Geburtstag: Das Bundeskriminalamt feiert die halbe Dekade

9. Oktober 2007, 09:29
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Grund zum Feiern für Innenminister Platter und Kripo-Direktor Haidinger - Obwohl Ersterer Zweiteren loswerden will

Wien - "Giri" ist Japanisch und heißt wörtlich übersetzt "der richtige Grund". Dabei handelt es sich um die moralische Verpflichtung, sich so zu benehmen, dass alle Beteiligten ihr Gesicht wahren können. Ein wahres "Giri"-Lehrstück lieferten am Dienstag Innenminister Günther Platter (VP) und der Direktor des Bundeskriminalamtes (BK), Herwig Haidinger, bei der Feier anlässlich des fünfjährigen Bestehens des zentralen Kriminalamtes: Viel Dank, viel Lob und kein Wort darüber, dass der Innenminister den BK-Chef austauschen will.

Wie berichtet, läuft der fünfjährige Vertrag von Haidinger als BK-Direktor im März kommenden Jahres aus. Üblicherweise erfolgt in derart hohen Positionen eine automatische Vertragsverlängerung, wenn sich der Betreffende nichts zu Schulden kommen hat lassen. Hat Haidinger auch nicht. Dennoch will Platter den Posten neu ausschreiben. "Das ist ein normaler Vorgang, nach einer bestimmten Zeit auch anderen eine Chance zu geben", sagte der Innenminister am Rande der Feierlichkeiten im Gespräch mit dem Standard.

Auch Haidinger kann sich natürlich neuerlich bewerben. Er hat jedenfalls bereits Berufung gegen seine Abberufung bei der Wiederbestellungskommission eingelegt. Dort geben je ein Vertreter des Arbeitgebers, des Arbeitnehmers und der Gewerkschaft einen Bericht ab, der Platter zukommt und ansonsten unter Verschluss bleibt. Das letzte Wort hat aber der Minister.

Haidinger wollte sich am "Geburtstag" des Bundeskriminalamtes nicht zu seiner persönlichen Situation äußern. Anstatt dessen blickte er in die Zukunft der Kripozentrale: Ausgebaut werden sollen unter anderem das Zeugenschutzprogramm, der internationale Datenaustausch und der Opferschutz. Letzterer beispielsweise durch Abschöpfung krimineller Gelder. In Zusammenarbeit mit dem deutschen Bundeskriminalamt werden derzeit auch probeweise operative Fallanalysen von Verbrechen durchgeführt. Dabei entwickeln eigenständige Teams neue Zugänge zu Ermittlungen, etwa mit Hilfe von Psychologen. Haidinger will überhaupt die Wissenschaft mehr einbeziehen.

Sikas Solidarität

Den Rückblick übernahm der ehemalige Sicherheitsgeneraldirektor Michael Sika, der Dank seiner Präsidentschaft für das "Kuratorium Sicheres Österreich" (KSÖ) immer noch ein Büro im Innenministerium hat. Pläne für eine Kripozentrale habe es bereits 1997 gegeben, allein der politische Wille habe gefehlt. Obwohl schon damals Einheiten, wie die "legendäre" Einsatzgruppe D zur Bekämpfung der Organisierten Kriminalität (EDOK), zu sehr dazu geneigt hätten, "ein Eigenleben zu führen", erinnerte sich Sika. Dem Bundeskriminalamt und Haidinger könne man nur gratulieren, zeigte Sika Solidarität mit dem um seinen Job kämpfenden BK-Direktor.

Heute hat das Bundeskriminalamt am Josef-Holaubek- Platz in Wien-Alsergrund sechs Abteilungen mit rund 750 Mitarbeitern. Dazu zählen auch Forensiker und Kriminaltechniker ("C.S.I. Alsergrund"). Die Sondereinheit für Observation (SEO) ist direkt dem Direktor unterstellt. (Michael Simoner, DER STANDARD - Printausgabe, 22. August 2007)

  • Reserviert: Möglicherweise der letzte gemeinsame Auftritt von Innenminister Günther Platter (links) und Kripo-Direktor Herwig Haidinger.
    foto: standard/regine hendrich

    Reserviert: Möglicherweise der letzte gemeinsame Auftritt von Innenminister Günther Platter (links) und Kripo-Direktor Herwig Haidinger.

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