"Der Brünnerstraßler entschwindet"

25. Oktober 2007, 16:42
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Die Landwirtschaft beginnt bereits, sich auf höhere Temperaturen mit mehr Sonnentagen und eventuell auch weniger Wasser einzustellen

Wien – Für die Bauern sind die steigenden Temperaturen eine zweischneidige Sache. Einerseits sind sie die großen Nutznießer bei Bioenergie, deren Zulieferanten sie mit Mais, Energiekorn oder Raps sind. "Bioenergien auf Basis der derzeit verfügbaren Technologien sind der schnellste Weg, die Treibhausgasemissionen zu senken", sagt Alexander Bachler, Energiereferent in der Landwirtschaftskammer Österreich.

Andererseits sieht er auch die Schattenseiten. Denn alle schnell wachsenden Pflanzen wie Mais oder die Energiepflanze Elefantengras brauchen viel Wasser – und dieses wird knapper. Die Österreichische Hagelversicherung, ein Spezialversicherer für die Landwirtschaft, hat erst kürzlich laut darüber nachgedacht, in ein paar Jahren solche durstigen Pflanzen in jenen Gegenden nicht mehr zu versichern, die häufiger von Dürre heimgesucht werden: also Marchfeld, nördliches Burgenland, Weinviertel, Thermenregion und Teile Kärntens. "Es ist nicht gut, wenn Versicherungen vorschreiben, was sie versichern und was nicht", sagt dazu Bachler.

Angesichts steigender Weltmarktpreise bei Agrargütern üben sich die Bauern in Zurückhaltung, was den Einstieg ins Energiegeschäft betrifft. Beim Bioethanolwerk in Pischelsdorf, das im Herbst in Betrieb geht, unterzeichneten bisher nur wenige langfristige Zulieferverträge für Mais, Weizen und Rübe.

Auch beim Weinbau überwiegen die Unsicherheiten. "Wir wissen noch nicht recht, wie wir mit den sich ändernden Vegetationstagen umgehen sollen", sagt Josef Pleil, Präsident des Österreichischen Weinbauverbandes, "uns fehlt noch das Reifeverständnis für die relativ neue Situation". Auch ändern sich die Weine. "Der Typ Brünnerstraßler entschwindet", umreißt Pleil die Tatsache, dass es beim Weißen in Richtung mehr Alkohol bei weniger Säure geht. Es gelte auszuloten, wohin die Weinbauern wollen und können: Breite, reife Weine à la Gumpoldskirchner seien leichter zu machen. „Das Frische, Leichte ist ein Problem“, sagt Pleil. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.08.2007)

  • Für Rotweine ist das Mehr an Sonne nur gut – für erst jüngst en vogue gewordene spritzig-leichte Weine wie den Brünnerstraßler nicht.
    foto: steiermark tourismus

    Für Rotweine ist das Mehr an Sonne nur gut – für erst jüngst en vogue gewordene spritzig-leichte Weine wie den Brünnerstraßler nicht.

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