10.000 Jugendliche ohne Lehrstelle

24. September 2007, 15:31
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Bericht: Handelsschul- und HAK-Absolventen werden bevorzugt aufgenommen - Nur der Tourismus verzeichnet einen Stellenüberhang

Wien - Zwei Wochen vor Beginn des neuen Ausbildungsjahres haben immer noch 10.000 Jugendliche in Österreich keinen Ausbildungsplatz, berichten die "Salzburger Nachrichten" in ihrer Montag-Ausgabe. Insgesamt sind derzeit nur noch knapp freie 4.300 Lehrstellen im Angebot. Wer meint, der verzweifelte Ruf nach Fachkräften würde mehr Betriebe dazu animieren, auszubilden, um wenigstens in ein paar Jahren genügend Fachpersonal zu haben, der irrt.

Denn laut einer aktuellen Studie der Synthesis-Forschung dürfte nach einer kurzfristigen Erholung ab 2008 auch wieder die Zahl der Ausbildungsbetriebe sinken.

In vielen Betrieben, etwa in der Metall- und Elektrobranche, werden Handelsschul- und HAK-Absolventen sowie generell Schulaussteiger gegenüber Lehrlingen bevorzugt. Hier suchen jeweils mehr als 2.000 Jugendliche erfolglos eine Lehrstelle. Auch die Lehrstellenanwärter für einen Sekretariatsjob bekämen zunehmend Konkurrenz von Handelsschul- oder HAK-Absolventen.

"Besser schaut es nur in den Fremdenverkehrsberufen aus", wird Maria Hofstätter vom Arbeitsmarktservice Österreich zitiert. Der Fremdenverkehr sei die einzige Branche, wo österreichweit ein eindeutiger Stellenüberhang registriert werde. Laut AMS-Statistik suchen dort doppelt so viele Betriebe Lehrlinge, als Lehrstellenanwärter vorgemerkt sind. Der Tourismus ist auch der Hauptgrund dafür, dass Salzburg erstmals seit vielen Jahren und als einziges Bundesland mit einem Stellenüberhang von 540 offenen Stellen zu 316 vorgemerkten Suchenden aus der Reihe tanzt. 300 dieser offenen Stellen kommen aus dem Tourismus.

Zahlen, die Sepp Schellhorn, Präsident der Österreichischen Hoteliervereinigung (ÖHV), relativiert: Die Situation im Fremdenverkehr habe sich "gedreht". Auf eine Lehrstelle in seinem Betrieb kämen fünf Bewerber. Der Qualitätsbetrieb dürfe nicht "mit dem Chinesen ums Eck" verglichen werden. Der ÖHV-Chef ortet wieder mehr Interesse am Beruf Koch und Kellner.

Abbrecher

Dass so viele Jugendliche noch immer keine Lehrstelle gefunden haben, hat nach Expertenmeinung auch noch andere Gründe: Laut Siegfried Steinlechner, Leiter des AMS Salzburg, geht die Schere zwischen angebotener und nachgefragter Qualifikation immer weiter auf. Beobachtungen, die auch Spar-Sprecherin Nicole Berkmann macht: "Anfragen kriegen wir sehr viele. Aber gute Leute zu finden, wird immer schwieriger."

Die aktuelle Studie der Synthesis-Forschung zeigt, dass auch immer mehr Jugendliche ihre Lehre abbrechen. 17.000 waren es im Jahr 2006. Da traten mit 44.300 Jugendlichen um 1.700 mehr als 2005 eine Lehre an, bis 2011 dürfte diese Zahl wieder auf 42.500 zurückgehen. (APA)

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    foto: standard/robert newald
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