"Keine Rücksicht auf die Nachbarn"

14. September 2007, 13:54
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Konkurrenz statt Kooperation: Der Pidinger Bürgermeister im STANDARD-Interview über das Verhältnis zu Salzburg

STANDARD: Hätte Piding den bestehenden Outlet-Store auch erweitert, wenn in Salzburg kein Designer-Outlet-Center entstanden wäre?

Reichenberger: Ja, freilich. Aber so ein riesiges Center wie in Salzburg ist unser Fachmarktzentrum ja nicht. Im Vergleich zu Salzburg oder Parndorf ist das bescheiden. Man kann sagen, das ist im Vergleich nur ein großer Kiosk. Bei uns sind nur 8100 Quadratmeter Verkaufsfläche im Gespräch.

STANDARD:Ganz so bescheiden kann das Projekt aber nicht sein. Ihre Kollegen aus Berchtesgaden und Bad Reichenhall haben immerhin Einspruch erhoben. Verstehen Sie die Ängste?

Reichenberger: Die Ängste sind unbegründet. Wir sind von den Flächen her eingeschränkt. Wir können nicht von 8000 Quadratmetern Richtung 20.000, oder, übertrieben formuliert, auf 50.000 Quadratmeter erweitern. Die echte Konkurrenz liegt in Salzburg. Salzburg ist von Reichenhall kaum weiter entfernt als Piding.

STANDARD: Kann Piding mit dem vergleichsweise kleinen Projekt gegen das Outletcenter in Salzburg bestehen?

Reichenberger: Wir versuchen zuerst einmal unsere Möglichkeiten zu nutzen. Wir dürfen nicht gleich einen Rückzieher machen. Wenn man nicht versucht, einer möglichen Konkurrenz etwas entgegenzusetzen, können wir das Handeln in der Wirtschaft vergessen. Wir müssen uns der Situation stellen, dass wir zum Großraum Salzburg gehören. Seit es keine Grenze mehr gibt, fließt der Verkehr immer stärker.

STANDARD: Bayern und Oberösterreich haben eine Vereinbarung zur Sicherung der Nahversorgung, gegen das Wettrüsten der Einkaufzentren abgeschlossen. Wäre so etwas auch zwischen Bayern und Salzburg sinnvoll?

Reichenberger: Ich kenne die Vereinbarung im Detail nicht und will mich einer Stellungnahme enthalten.

STANDARD: Wäre das grundsätzlich sinnvoll?

Reichenberger: Wenn Waffengleichheit herrscht, ginge das vielleicht; wenn, dann muss das ein ehrliches Miteinander sein. Ob es möglich ist, solche Konkurrenzen auszuschalten, wage ich aber zu bezweifeln. Die Wirtschaft wird sich nach solchen Vorgaben oder Vereinbarungen kaum richten, die Wirtschaft richtet sich nach dem Kunden. Der Käufer gibt die Richtung vor.

STANDARD: Bayerns Wirtschaftsminister Erwin Huber hat sinngemäß gemeint, mit Oberösterreich könne man solche Abkommen schließen. Mit dem Land Salzburg sei das schwieriger, da gebe es eine andere Philosophie, da werde geklotzt und gebaut, was geht.

Reichenberger: Es scheint so, dass die Salzburger ihre Möglichkeiten konsequent nutzen. Und es scheint so, dass sie keine Rücksicht auf ihre Nachbarn nehmen. Aber alles hat seine Grenzen, man kann auch übertreiben. (Valentin Reichenberger, Karin Portenkirchner, Thomas Neuhold, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.08.2007)

Zur Person
ZUR PERSON: Der Vermessungsingenieur Valentin Reichenberger (Jahrgang 1949) ist seit 1990 Bürgermeister der 5000 Einwohner zählenden bayerischen Grenzgemeinde Piding. Reichenberger gehört der Freien Wählergemeinschaft an.
  • Valentin Reichenberger: "Die Wirtschaft richtet sich nach dem Kunden."
    foto: standard

    Valentin Reichenberger: "Die Wirtschaft richtet sich nach dem Kunden."

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