Konzern hält an Börsegang Mitte Oktober fest

24. September 2007, 16:11
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Der Einstieg des russischen Oligarchen Oleg Deripaska bei der österreichischen Strabag SE ist seit Montag rechtlich fix

Wien – Der Einstieg des zweitreichsten Russen, Oleg Deripaska, beim von Raiffeisen und Hans Peter Haselsteiner kontrollierten Baukonzern Strabag SE ist nunmehr rechtlich durch: "Nach dem Erhalt der fusionskontrollrechtlichen Genehmigungen in der Europäischen Union, Russland und verschiedenen anderen Ländern haben die Kartellbehörden den Erwerb von 30 Prozent des Kapitals am österreichischen Baukonzern Strabag SE durch die russische Beteiligungsgesellschaft Rasperia Trading Ltd. mit dem erfolgten Closing der Transaktion final bestätigt", heißt es in einer Aussendung vom Montag. Rasperia ist dabei das Übernahmevehikel für Deripaskas Holding Basic Element (siehe Grafik). Gulzhan Moldazhanova, die engste Vertraute Deripaskas und Chief Executive Officer von Basic Element, zieht in den Aufsichtsrat der Strabag ein.

Derzeit sieht die Aktionärsstruktur so aus: Raiffeisen Holding 35 Prozent, Haselsteiner 35 Prozent, Deripaska 30 Prozent. Mitte Oktober will die Strabag – mit 9,4 Milliarden Euro Umsatz und fast 53.000 Mitarbeitern Österreichs größter Baukonzern und die Nummer sechs in Europa – an die Börse gehen. Der erste Termin für den Schritt an den Kapitalmarkt wurde im Frühjahr verschoben, weil Deripaska eingestiegen war. Der Konzern will insgesamt eine Milliarde Euro durch die Ausgabe junger Aktien und den Verkauf von Anteilen der Altaktionäre lukrieren, wie das Verhältnis genau aussehen soll, sei noch offen, so Strabag-Sprecher Christian Ebner. Nach dem Initial Public Offering sollen die drei Aktionäre jeweils 25 Prozent plus eine Aktie – also die Sperrminorität – halten.

"Gute Bonität"

Für die Beteiligung zahlt Deripaska rund 1,2 Milliarden Euro. Davon 1,05 Milliarden Euro seien als frisches Kapital mit Ende vergangener Woche in die Strabag eingeflossen. Mit dem Russen an Bord hofft die Strabag auf lukrative Aufträge, unter anderem im Hinblick auf die Olympischen Winterspiele in Sotschi im Jahr 2014.

Dass das Börsenumfeld im Herbst sich noch nicht von den jüngsten Turbulenzen aufgrund des Platzens der amerikanischen Immobilienblase erholt haben sollte, fürchtet man bei der Strabag nicht. Die aktuelle Situation könnte sogar hilfreich sein, denn: "Gute Unternehmen mit guter Bonität, das ist es, was die Leute an der Börse jetzt suchen." Die Strabag sehe keine Börsenkrise, sondern "lediglich die normale Begradigung einer Linie, die zu steil nach oben gegangen ist", sagte Ebner im Gespräch mit der Austria Presse Agentur.

Derzeit ist die Strabag bei der internationalen Ratingagentur Standard & Poor’s (S&P) mit einer Bonität von BB+ eher als risikoreich eingestuft. Die zusätzliche Milliarde Deripaskas und die weiteren Mittel aus dem Börsengang seien dabei jedoch noch nicht berücksichtigt Für die in Frankfurt an der Börse notierte deutsche Strabag AG Köln müsste der russische Investor dagegen laut Börsegesetz ein Übernahmeangebot legen. Rund 34 Prozent der Strabag AG Köln sind im Streubesitz. Die Privataktionäre will Deripaska jedoch nicht auszahlen. Die Strabag hat am Montag in der Aussendung deswegen mitgeteilt, dass Rasperia bei der deutschen Finanzmarktaufsicht (BaFin) einen Antrag auf "Freistellung von der Verpflichtung zur Legung eines Pflichtangebots" gestellt hat. (Leo Szemeliker, DER STANDARD, Print-Ausgabe, 21.08.2007)

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