Leila Shahid: USA verfolgen Palästina-Bürgerkriegsstrategie

23. September 2007, 15:42
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Abbas-Vertraute: Keine Alternative zu Gewalt, wenn die US- Regierung Gespräche mit der Fatah-Hamas-Regierung verweigere

Paris/Berlin - Die USA verfolgen nach Auffassung der palästinensischen Gesandten in Frankreich, Leila Shahid, eine "Bürgerkriegsstrategie" in Palästina, aber auch im Libanon und im Irak. "Was sich in Gaza abgespielt hat, kann man nicht anders bezeichnen: Es war der Beginn eines Bürgerkrieges. Leider kann niemand garantieren, dass etwas Derartiges nicht auch im Westjordanland oder in den Flüchtlingslagern losgeht, denn es gibt Kräfte, die das anheizen", sagte die langjährige Vertraute von Präsident Mahmoud Abbas, die seit 13 Jahren bei der französischen Regierung akkreditiert ist, in einem Interview mit der am Montag erschienenen deutschen Zeitschrift "Junge Welt".

Die USA und Israel hätten eine Verständigung zwischen Abbas und der Hamas sabotiert, deren Erstarken in erster Linie auf das Versagen der Fatah zurückzuführen sei, meinte Shahid. "Der entscheidende Faktor, der dazu beigetragen hat, dass die Hamas gestärkt wurde, ist das Versagen der Fatah". Diese habe seit der Rückkehr von Abbas-Vorgänger Yasser Arafat nach Palästina 1994 den Menschen versprochen, dafür zu sorgen, dass die Besatzung endet. "Sie sprach unentwegt davon, dass alles besser werden würde. Aber im Lauf der Zeit wurde den Menschen bewusst, dass genau das Gegenteil eintrat, die israelischen Siedlungen ständig erweitert wurden, dass schließlich die Mauer errichtet wurde."

"Die Palästinenser haben sich bei den letzten Wahlen für die Hamas ausgesprochen, nicht weil sie ein islamistisches Programm hat. Sie wollten einfach von einer verantwortungsvolleren Partei vertreten werden", meint Leila Shahid. Leider hätten sich die Amerikaner, die Europäer und sogar die arabischen Staaten geweigert, mit der Hamas zu verhandeln. Abbas habe sich mit der Hamas auf die Bildung einer Regierung "mit einem sehr vernünftigen Programm" geeinigt, "das allen Forderungen gerecht wird, die bisherigen Beschlüsse der PLO anerkennt, ebenso wie die der arabischen Gipfeltreffen, und es Abbas erlaubt, mit Israel zu verhandeln, allerdings unter der Bedingung, dass ein mögliches Abkommen der Bevölkerung zur Abstimmung vorgelegt wird." Die Weigerung der Amerikaner, Verhandlungen mit dieser Regierung zu führen, lasse keine Alternative zur Gewalt zu, so die Diplomatin.

Hamas: "Abkommen mit Israel ohne uns bedeutungslos"

Für die Hamas ist ein zwischen Präsident Mahmoud Abbas und dem israelischen Regierungschef Ehud Olmert eventuell abgestimmtes Grundsatzdokument über die Gründung eines palästinensischen Staates "bedeutungslos", sofern die Hamas diesem nicht zustimmt. Das erklärte Hamas-Sprecher Sami Abu Zuhri am Montag in Gaza. Der gegenwärtige Stand der Verhandlungen zwischen Abbas und Olmert lege zudem nahe, dass "Israel nicht die geringsten Verpflichtungen eingehen wird", fügte er hinzu. (APA/Red)

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