Alpbacher Architekturgespräche: Handel braucht "Kulissen"

16. Oktober 2007, 15:28
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Früher haben Fassade und Ausstattung eines Geschäfts locker 20 bis 30 Jahre überdauert, heute sind maximal fünf Jahre

Alpbach - Früher einmal hätten Fassade und Ausstattung eines Geschäfts locker 20 bis 30 Jahre überdauert, heute seien es nur maximal fünf Jahre. Dann müsse umgebaut werden. Und deshalb, sagte Stephan Mayer-Heinisch, Präsident des Handelsverbandes in Wien, bei den Alpbacher Architekturgesprächen, folge er einer Anregung des Wissenschafters Christian Mikunda, dass man statt Bauunternehmen Bühnenbildner mit der Errichtung und Inszenierung von Geschäften befassen müsse. Also "Kulissen" statt fixer Mauern.

Der Auftritt des gebürtigen Grazers als Anwalt der "Einzelhändler", in deren Reihen sich auch das architektonisch innovative Kaufhaus Kastner & Öhler befindet, geriet zu einer impulsiven Analyse der Zusammenhänge zwischen Konsum und Freizeitverhalten, zwischen Geschäft und staatlichem Regulierverhalten. Da "die Stadt ohne Handel nicht leben kann" und "das Auto heute mehr und mehr zur Einkaufstasche mutiert", müsse die Politik mit mehr Freizügigkeit auf die Wünsche des Handels reagieren, verlangte Mayer-Heinisch.

Bedarfsanalyse städtischer Wirklichkeiten

Nüchtener eine ganz andere Bedarfsanalyse städtischer Wirklichkeiten. In den großen Metropolen des Balkans gebe es, führte Peter Krammer, Mitglied des Strabag-Vorstands der Sparte Hoch- und Ingenieurbau, aus, einen gewaltigen Bedarf an Umweltinvestitionen. Nur Zagreb und Sofia hätten mittlerweile funktionierende Kläranlagen. In Bukarest baue die Strabag derzeit eine solche Anlage. Dazu käme das Abfallproblem in Südosteuropa. Um die Infrastruktur den EU-Standards anzupassen, seien zehn Milliarden Euro nötig, sagte Krammer.

Die österreichische Wohnbauwirtschaft, mit ihrem Know-how und ihrem Bekenntnis zu guter architektonischer Qualität im europäischen Spitzenfeld, hat derzeit in Südosteuropa weniger zu melden. Es gebe genügend Baufirmen und Architekten, wie das Beispiel Albanien (vor allem das neuerdings "bunte" Tirana) zeigten, wurde vonseiten der Wohnbauexperten betont. Was man exportieren möchte, sind österreichische Konzepte der Wohnbauförderung und der Stadtplanung (z. B. das Konzept der Wiener "Zielgebiete"). Insofern waren die Referate des Wiener Stadtrats Rudolf Schicker und der Wohnbaumanager Hans-Jörg Wippel und Leo Raffelsberger eher an die ausländischen Gäste gerichtet. (red, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 20.8.2007)

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