Socalled: "Ghettoblaster"

    14. Oktober 2007, 19:15
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    Was haben jiddischer Klezmer und HipHop gemeinsam? – Nichts, meinen Sie. Dann kennen Sie diese CD noch nicht

    Socalled ist das Musikprojekt des Kanadiers Josh Dolgin, der Journalist, Cartoonist, Zauberer und Musiker ist. Sein musikalisches Interesse umfasst dabei viele Genres, von HipHop, Salsa, Funk, Elektronik über Gospel und Country bis hin zu seinen Wurzeln, dem Klezmer. Auf Ghettoblaster mischt er all diese Interessen, manchmal in einem einzigen Track. Hört sich anstrengend und nach Reizüberflutung an? Ganz und gar nicht. Für ihn ist alles heilig, aber nichts rein und das ist die beste Einstellung um Neues zu entwickeln.

    Mit Gespür für Selbstironie und zugleich einer hohen Wertschätzung seiner jüdischen Tradition gegenüber, verbindet Dolgin HipHop mit traditioneller jüdischer Klezmer-Musik. Die anderen musikalischen Stilrichtungen sorgen dabei für die nötige Würze.

    Auch wenn Ghettoblaster mit dem Einschaltgeräusch des Gerätes beginnt, so bezieht sich der Titel doch auf den wörtlichen Sinn. Und aus diesem Grund ist es für Dolgin auch nahe liegend und fast selbstverständlich jüdische Musik mit HipHop zu verbinden.

    Unterstützt wird er dabei von vielen Musikern aus den verschiedensten Bereichen. Beim Track You are never alone liefern die Gospelsängerin Doris Glaspie und die im Country beheimatete Katie Moore die Stimmung – "And frankly, there is nothing so unusual about being a jewish cowboy". Der vielseitige Gonzales und die kanadische Gruppe Sans Pressions wirken genauso mit wie der Rapper C-Rayz Walz.

    Slaughter on 10th Avenue, ein ruhiges Klavierstück, wird vom 91-jährigen Pianisten Irving Fields gespielt, an leisen Hintergrundgeräuschen hört man, dass sich noch jemand im Raum befinden muss, nur was dieser jemand macht bleibt im Verborgenen. Bei (Rock the) Belz erklärt der in Wien geborene Theodor Bikel warum er jüdische Lieder singt, bevor er mit dem tradtionellen Lied Meyn Shtetele Belz beginnt, kurz darauf setzen Rapper auf Französisch und Englisch ein und erinnern sich mit Bikel an die Plätze, an denen sie sich zu Hause fühlen.

    Das Album ist Hommage und Collage zugleich, in dem Socalled versucht hat, aus der Tradition etwas Neues zu schaffen. "I hope that you don’t have to be Jewish to enjoy my music and that, if you are Jewish, you won’t hate it, but will find it cool. I’m trying to create something that people will enjoy." – Gelungen. (ost)

    • Socalled: "Ghettoblaster" 
(Bleu/Indigo 2007)
      cd-cover

      Socalled: "Ghettoblaster" (Bleu/Indigo 2007)

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