Unorthodoxer Kontaktservice

12. September 2007, 16:06
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Das Reisebüro einer ausgewanderten Deutschen in St. Petersburg veranstaltet unter anderem Führungen in die Lomo-Fabrik

Wer sich mit dem Finger auf der Landkarte auf eine Reise nach St. Petersburg begibt, wird sich nicht gleich davon abschrecken lassen, dass dem realen Städtetrip erst einmal eine Einladung zugrunde liegen muss, um überhaupt an ein Visum zu kommen. Genau dieser Zugang und der Glaube daran, in der Fingerkuppe bereits die Goldkuppeln der Metropole spüren zu können, war für die Deutsche Stephanie Tsomakaeva aber der erste entscheidende Schritt.

Damals vor 15 Jahren, als sie noch im Auto in Richtung Baltisches Meer aufbrach, um die Sowjetunion zu erkunden, war ihr der Spießrutenlauf um die notwendigen Stempeln ziemlich egal, sie kam immer wieder. Als sie sich dann drei Jahre später in St. Petersburg niederließ und nach der Familie und Freunden auch Fremde "auf Besuch" kommen wollten, eröffnete sie ein Café; eigentlich war es ja ein Nachtclub, der aber dazu bestimmt war, Reisende mit Russen zusammenzubringen, die hier ausschließlich touristische Bande knüpfen sollten.

Den Club gibt es längst nicht mehr, erkennbar geblieben ist allerdings die Grundidee am Namen ihres Reisebüros: "Ost-West-Kontaktservice" heißt es und führt damit genauso wie schon der Nachtclub ein wenig in die Irre. Escortservice wird hier nämlich keiner angeboten, auch wenn Frau Tsomakaeva ihren Besuchern gerne kundige Begleiter zur Seite stellt, die in fünf Sprachen durch St. Petersburg und seit Kurzem auch durch Moskau führen. Große Reisebüros vor Ort, die diesen Service mit hoher Qualität anbieten können, sind nach wie vor rar. Ebenso wie eine zuverlässige und vor allem unabhängige Touristeninformation - somit hat sie auch gleich diese Rolle übernommen: Wer in das Büro von Frau Tsomakaeva kommt, erhält selbst dann noch hilfreiche Tipps, wenn man hier gar nichts buchen will.

Wer dies dennoch vorhat, wird St. Petersburg mit einem sehr persönlichen Zugang kennen lernen: Auch in dieser Stadt gibt es neben den großen, internationalen Hotelketten Frühstückspensionen, die zu einem für lokale Verhältnisse geringen Preis von rund 50 € für das Doppelzimmer angeboten werden. Außerdem liegen die Preise für alle Unterkünfte immer noch ein wenig unter der günstigsten von den Betrieben selbst angebotenen "Rack Rate". Die benötigte Einladung, die zu einer Einreise berechtigt, erhält man bei jeder Unterkunftsbuchung über den Ost-West-Kontaktservice wenigstens kostenlos.

Neben den klassischen Stadtführungen, die in der eigenen Limousine durchgeführt werden, kennt man hier auch die besten Möglichkeiten, St. Petersburg entlang der meist bis Oktober befahrbaren Wasserkanäle zu erkunden.

Ein privates Hobby von Frau Tsomakaeva, die "Lomografie", nimmt sie nicht nur als Präsidentin der einzigen russischen "Lomo-Botschaft" wahr, sondern auch in Form einer speziellen Stadtführung. Und die führt auch in die Lomo-Fabrik in St. Petersburg, wo die kompakte Kultkamera ja eigentlich herkommt.

Wenn sie sich an die eigenen Schwierigkeiten bei einer Reiseplanung zurückerinnert, freut es sie umso mehr, dass mittlerweile auch Rucksacktouristen zu ihren Kunden gehören. Die nehmen nun den Billigflieger (ab Wien mit Airberlin) und lassen sich helfen, wenn es etwa darum geht, alleine bis zur Datscha mit Baikalseeblick zu kommen. (Sascha Aumüller/Der Standard/Printausgabe/18./19.8.2007)

Info: OstWest


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    St. Petersburg wird auch "Venedig des Nordens" genannt.

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