"Energiespartipps für unsere Kunden"

11. September 2007, 14:49
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Dass Autofahren in Österreich ein uner­schwinglicher Luxus ist, glaubt Shell-Austria-Chef Friedrich Schalk im Interview nicht

STANDARD: Treibstoffe sind nach wie vor auf einem hohen Niveau, Autofahren wird immer mehr zum Luxus. Sind die Mineralölfirmen unersättlich?

Schalk: Das glaube ich nicht. Aus den wöchentlichen Preisvergleichen des Wirtschaftsministeriums geht hervor, dass Österreich sowohl bei den Brutto- als auch bei den Nettopreisen eines der billigsten Länder in Europa ist.

STANDARD: Generell betrachtet sind die Treibstoffpreise aber schon hoch?

Schalk: Alles eine Frage der Betrachtung. Verglichen mit der allgemeinen Preisentwicklung, haben sich die Treibstoffpreise moderat entwickelt. Mit 1. Juli haben wir aber zusätzlich eine Mineralölsteuererhöhung gehabt, die sich auf die Preise ausgewirkt hat.

STANDARD: Tatsache ist doch, dass die Mineralölkonzerne, Shell inbegriffen, ein Rekordergebnis nach dem anderen schreiben. Keine schiefe Optik?

Schalk: Auf den ersten Blick mag das so aussehen. Wir schreiben die Gewinne hauptsächlich im Upstream-Bereich, bei der Rohölgewinnung. Im Downstream, also im Bereich von der Raffinerie bis zur Zapfsäule, verdienen wir vergleichsweise weniger. Die Gewinne von heute sind die Basis für die Energieversorgung von morgen. Wir investieren extrem viel, um die Energieversorgung auch in Zukunft zu garantieren.

STANDARD: Energiesparen steht hoch im Kurs, welchen Beitrag leistet Shell?

Schalk: Wir versuchen, den Kunden an unseren Tankstellen Energiespartipps zu geben: richtiger Reifendruck, keinen unnötigen Ballast mitnehmen. Auf der anderen Seite optimieren wir ständig unsere Produkte.

STANDARD: Wohltätigkeitsverein sind Sie aber keiner?

Schalk: Das nicht. Für uns sind drei Dinge wichtig: unseren Kunden eine sichere, leistbare und nachhaltige Energieversorgung zu gewährleisten.

STANDARD: Was meinen Sie mit Optimierung von Treibstoffen?

Schalk: Unser Top-Produkt V-Power beispielsweise hat eine wesentlich bessere Energieausbeute und deutlich niedrigere Schadstoffwerte als herkömmliche Treibstoffe.

STANDARD: Wer sind die Kunden, die bereit sind, bis zu zehn Cent pro Liter mehr für dieses Prämiumprodukt auszugeben bei an sich schon hohen Preisen für herkömmliche Treibstoffe?

Schalk: Durchaus gemischt. Es sind Kunden, die sehr umweltbewusst sind. Für andere steht wiederum der Leistungsaspekt im Vordergrund.

STANDARD: Das Produkt ist designt für schnelle Boliden. Aber taugt es für den alltäglichen Stau auf Österreichs Straßen?

Schalk: Es gibt viele Produkteigenschaften, von Emissionseinsparungen bis zur besseren Energieeffizienz. Damit ist es auch gut im Alltag einsetzbar.

STANDARD: Konterkarieren Sie mit Ihrem Prämiumprodukt nicht das Bestreben des Umweltministers, mehr biogene Substanzen in den Tank zu bekommen. Bei V-Power gibt es ja keine biogenen Anteile?

Schalk: Ganz im Gegenteil. Shell ist im Bereich der Biokraftstoffe der zweiten Generation in führender Position in der Entwicklung. Dabei geht es um die Ausnutzung der Reststoffe der Pflanzen, derzeit wird nur die Frucht verwendet. Das hat zudem den Vorteil, dass wir mit der Nahrungskette nicht in Konflikt kommen und mit bis zu 90 Prozent CO2-Einsparungen statt 50 Prozent bei Biotreibstoffen der ersten Generation auch unter Umweltgesichtspunkten deutlich besser liegen.

STANDARD: Wann kommen diese Kraftstoffe auf den Markt?

Schalk: Wir haben im sächsischen Freiberg mit der Firma Choren eine Pilotanlage errichtet, die bald in Betrieb genommen werden soll und eine Jahresleistung von 15.000 Tonnen BTL-Treibstoff (Anm.: Biomass to liquid) haben wird.

STANDARD: Diskonter haben starken Zulauf. Wie sieht es mit einer Billigmarke aus?

Schalk: Wir sind im Markt als Anbieter von Qualitätskraftstoffen positioniert und haben nicht vor, mit irgendeinem anderen Namen im österreichischen Markt aufzutreten.

STANDARD: Die Zeit billigen Öls scheint vorbei zu sein. Kann man in absehbarer Zeit wenigstens mit etwas niedrigeren Ölpreisen rechnen?

Schalk: Darauf kann ich keine Antwort geben, zu viele Faktoren wirken auf den Ölpreis ein. Eines lässt sich sagen: Der starke Euro wirkt sich großteils positiv für die Kunden in Europa aus.

STANDARD: OMV und AUA streiten wegen zu hoher Kerosinpreise auf dem Flughafen Schwechat jetzt sogar vor Gericht. Warum springt nicht Shell in die Bresche und macht der AUA ein attraktives Angebot?

Schalk: Das ist eine Frage der Verfügbarkeit von Produkten. Andererseits versorgt sich die AUA teilweise auch schon selbst mit Produkten, aus dem Grund gibt es für uns im Moment keinen Handlungsbedarf. (Günther Strobl, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 18./19.8.2007)

ZUR PERSON: Friedrich Schalk (42) ist seit 1992 bei Shell Austria und dort seit 1. Juli 2004 Vorsitzender der Geschäftsleitung. Dem gebürtigen Grazer unterstehen inklusive Tochtergesellschaften 440 Mitarbeiter und 314 Tankstellen.
  • "Keinen unnötigen Ballast mitnehmen", lautet ein Energiespartipp von Shell-Austria-Chef Friedrich Schalk.
    foto: standard/newald

    "Keinen unnötigen Ballast mitnehmen", lautet ein Energiespartipp von Shell-Austria-Chef Friedrich Schalk.

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